Winterthur

Angestellte bei Stadler müssen mehr arbeiten

Mit einem neuen GAV senkt Stadler Rail die Produktionskosten, was ­Stellen in der Schweiz sichern soll. Gewerkschaft und ­Management sind zufrieden.

Länger arbeiten, dafür mehr Ferien: Der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gilt auch für das Stadler Werk in Winterthur.

Länger arbeiten, dafür mehr Ferien: Der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gilt auch für das Stadler Werk in Winterthur. Bild: Melanie Duchene

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Beide Seiten sind des Lobes voll. Stadler-Chef und Ex-SVP-Nationalrat Peter Spuhler sagt zum neuen Gesamtarbeitsvertrag: «Es ist ein sehr fairer Vertrag, der uns ermöglicht, die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens zu halten.» Der Industrieverantwortliche bei der Gewerkschaft Unia und Berner SP-Nationalrat Corrado Pardini sagt: «Dieser GAV hilft, Jobs zu retten. Er ist ein leuchtendes Beispiel für die Schweizer Sozialpartnerschaft.»

Das mit dem Jobretten funktioniert so: Die Wochenarbeitszeit wird von 39,5 auf 40 Stunden erhöht, bei gleichem Lohn. Dadurch sinken für Stadler die Produktionskosten um 1,3 Prozent. Der Standort Schweiz macht so einen Teil, wenn auch nur einen geringen, des aus der Euroschwäche resultierenden Kostennachteils wett. Etwa die Hälfte der insgesamt rund 6000 Stadler-Angestellten arbeitet in der Schweiz. Das Werk in Oberwinterthur, in dem Drehgestelle für Züge und Trams produziert werden, zählt etwa 250 Mitarbeiter. Die Winterthurer Angestellten wurden gestern persönlich von der Geschäftsleitung über den neuen GAV informiert, ebenso die Kollegen in Bussnang TG (Hauptsitz von Stadler) und Altenrhein SG.

Mindestlöhne kaum relevant – fast alle verdienen mehr

Das Entgegenkommen bei der Wochenarbeitszeit wurde den Mitarbeitern mit Verbesserungen in anderen Bereichen abgegolten, etwa dem automatischen Teuerungsausgleich, einem zusätzlichen Ferientag pro Jahr sowie einer Erhöhung der Mindestlöhne um 200 Franken. Neu betragen diese 6200 Franken für Techniker mit Fachhochschulabschluss, 4700 Franken für Facharbeiter mit vierjähriger Lehre und 4200 Franken für Hilfsarbeiter. Wie Stadler-Generalsekretärin Marina Winder sagt, sind die Mindestlohnanhebungen indessen in der Praxis kaum relevant. Betriebsweit müssten weniger als zehn Saläre erhöht werden, denn Stadler als «auf qualifizierte Angestellte angewiesener» Betrieb zahle fast immer mehr als den Mindestlohn.

Der neue GAV ersetzt einen alten Vertrag, der dieses Jahr auslief, und gilt bis 2022. Mit der Neuregelung endet zum Jahreswechsel auch die befristete Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 42,5 Stunden, die im Februar in Folge der Euroabwertung eingeführt wurde. Die Frankenstärke hat bei Stadler zu tieferen Einnahmen geführt, wie Winder sagt, weil Preisnachlässe gewährt werden mussten. Die Nachfrage allerdings brach nicht weg, im Gegenteil: Der Auftragseingang in diesem Jahr könnte den des Vorjahres sogar übertreffen, heisst es.

Gleiche Arbeitszeit wie bei anderen Industriefirmen

Stadler ist die einzige wichtige Winterthurer Industriefirma mit eigenem Gesamtarbeitsvertrag. Die Top-Arbeitgeber Rieter, Sulzer, Zimmer, Burckhardt und Wärtsilä wenden den GAV der Schweizer Maschinen-, Elektro- und ­Metallindustrie an. Das bis 2018 gültige Vertragswerk sieht eine Wochenarbeitszeit von ebenfalls 40 Stunden vor, wobei die Arbeit un­regelmässig über das Jahr verteilt werden kann.

Erstellt: 12.10.2015, 17:07 Uhr

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