Zum Hauptinhalt springen

Pink Panther hat für 14 Jahre ausgeraubt

Das Bezirksgericht Zürich hat ein Mitglied der Pink-Panther-Bande zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Der Mann war beteiligt an neun Raubüberfällen auf Bijouterien – drei in Zürich.

In Zürich war die Bijouterie Türler Ziel der Pink-Panther-Bande. Die Räuber erbeuteten Schmuck und Uhren im Wert von 7,2 Millionen Franken.
In Zürich war die Bijouterie Türler Ziel der Pink-Panther-Bande. Die Räuber erbeuteten Schmuck und Uhren im Wert von 7,2 Millionen Franken.
Keystone
Das Fahndungsfoto des 37-Jährigen aus dem Jahr 2016
Das Fahndungsfoto des 37-Jährigen aus dem Jahr 2016
Kapo ZH
1 / 2

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen am Mittwoch am Zürcher Bezirksgericht: Vor dem Gebäude stehen zwei Polizeifahrzeuge als Sperre. Dahinter sind schwer bewaffnete Polizisten postiert. Im Gebäude selber folgt auf die übliche Schleuse eine zweite mit Metalldetektor. Ein Polizist kontrolliert den Ausweis, seine Kollegin durchsucht die Umhängetasche.

Grund für den erhöhten Sicherheitsaufwand: Ein Mitglied der berüchtigten Pink-Panther-Bande steht vor Gericht. Es kam schon vor, dass ein Pink-Panther von seinen Komplizen aus dem Gefängnis befreit wurde. Die Bande, die sich aus bis zu 200 Mitgliedern zusammensetzen soll, überfällt in wechselnder Besetzung sei Jahrzehnten Juweliere auf der ganzen Welt.

Schmuck im Wert von 20 Millionen erbeutet

Der 37-jährige Serbe, der in Fussfesseln in den Gerichtssaal geführt wird, soll an neun Raubüberfällen auf Bijouterien in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt gewesen sein. In Zürich waren Gübelin und Türler sowie der Schmuck Grosshandel Harry Hofmann Ziel der Überfälle.

Die Taten fanden zwischen März 2008 und Februar 2016 statt. Im März 2016 wurde der Beschuldigte beim Grenzübergang nach Österreich verhaftet. Inzwischen befindet er sich in der Pöschwies im vorzeitigen Strafvollzug.

Die Beute hatte einen Gesamtwert von über 20 Millionen Franken. Der Beschuldigte erhielt meist einen Anteil von 30 000 Euro ausbezahlt. Der Mann wirkte unauffällig mit seinem dunklen, halblangen Haar, dem weissen, fein blau karierten Hemd, abgetragener schwarzer Jeans, Brille mit schwarzem Gestell und frischer Rasur.

Er gestand die Raubüberfälle vollumfänglich und anerkannte sämtliche Forderungen. Auch das Schadenersatzbegehren einer Bijouterie-Angestellten in der Höhe von 109 000 Franken und die 4 Millionen, welche eine Versicherung forderte. Dem Gericht gab er aber den Hinweis, er habe ohnehin kein Geld.

Bei den falschen Leuten Schulden gemacht

In die Sache hineingeraten sei er, weil er ein Geschäft für Papierrecycling aufziehen wollte. 2007 aus dem Gefängnis entlassen, hätte er von keiner Bank einen Kredit erhalten. Er habe dann Investoren gefunden, die ihm auch die nötigen Maschinen besorgen wollten. Allerdings wurden diese an der Grenze zu Serbien angeblich blockiert.

Trotzdem hätten die Geldgeber Geld von ihm gefordert. Nach und nach hätten sie den Druck erhöht und ihm schliesslich gesagt, er könne seine Schulden loswerden, wenn er sich an einem Raubüberfall beteilige. Danach sei es ihm nicht mehr möglich gewesen auszusteigen. Auch an die Polizei hätte er sich nicht wenden können. Die Leute hatten Beziehungen weit in den Polizeiapparat hinein.

Keine Silbe war dem Serben über die Hintermänner der Bande oder seine Mittäter zu entlocken. Zu gross scheint die Angst vor Vergeltungsmassnahmen gegenüber ihm oder seiner Familie. Der Mann hat in Serbien eine Frau und zwei Kinder.

Hartgesottener Profi oder Kanonenfutter?

Das Gericht musste sich nicht lange mit den einzelnen Überfällen auseinandersetzen. Es ging im wesentlichen noch ums Strafmass. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren. Er betonte die «besonderen Dimensionen des Falls». Noch nie habe er es erlebt, dass derart viele schwere Raubüberfälle gleichzeitig beurteilt werden mussten. Er strich die exakte Planung, die berechnende Vorgehensweise und die besondere Gefährlichkeit der Täter heraus.

«Man muss sogar von einer kriminellen Organisation und nicht von einer blossen Bande ausgehen», sagte er. Das Netzwerk der Räuber reiche in Serbien bis in die Politik und in die Polizei. Was den Beschuldigten betreffe, sei dieser ein «hartgesottener Profiverbrecher».

Der Verteidiger versuchte, den Tatbeitrag seines Mandanten zu relativieren: «Der Beschuldigte war lediglich Kanonenfutter.» Er wurde praktisch ohne Verkleidung losgeschickt, um den potenziellen Kunden zu spielen. «Niemand begeht freiwillig ohne Tarnung einen Raubüberfall», sagt der Verteidiger. Das zeige, dass der Beschuldigte auf der untersten Hierarchiestufe stand.

Er habe bloss getan, was man ihm gesagt habe und sei mit einem Trinkgeld abgespeist worden. Zufall sei es gewesen, dass man ihn nicht schon viel früher erwischt habe. 10 Jahre Freiheitsstrafe seien für die Taten angemessen.

Tragende Rolle bei den Überfällen gespielt

Das Gericht hat den Serben nun zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Zudem muss er Schadenersatz und Genugtuung von rund 4,5 Millionen Franken bezahlen. Der Löwenanteil an eine Versicherung.

Das Gericht beurteilte das Verschulden als «sehr schwer». Die Täter seien skrupellos und kaltblütig vorgegangen. Die Angestellten hätten Todesängste erlitten. «Es kommt mir vor wie in einem Kriminalfilm», sagte der vorsitzende Richter. Der Beschuldigte sei zwar nicht in die Planung involviert gewesen, habe aber eine tragende Rolle bei den Überfällen gespielt.

Positiv wertete das Gericht die Tatsache, dass der Beschuldigte von Anfang an geständig war. Zudem anerkannten die Richter, dass ein Ausstieg nicht einfach gewesen wäre.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch