Muttertag

«Man fragt, ob es mit dem Bub nicht geklappt hat»

Rachel Müller hat fünf Töchter. Sie ist mit Vorurteilen konfrontiert, die man schon längst aus der Welt geschafft glaubte.

Rachel Müller (45) mit ihren fünf Töchtern (20, 18, 18, 14 und 12).

Rachel Müller (45) mit ihren fünf Töchtern (20, 18, 18, 14 und 12). Bild: zvg

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Als Mutter von fünf Kindern ist die Chance wohl grösser, dass Sie etwas zum Muttertag kriegen. Freuen Sie sich schon?
Rachel Müller: Ehrlich gesagt, nein. Ich mag den Muttertag nicht. Ich möchte nicht für einen Tag auf ein Podest gehoben werden. Über die gebastelten Geschenke, die die Kinder, als sie noch klein waren, aus der Schule mitgebracht haben, habe ich mich natürlich schon gefreut. Aber heute sage ich ihnen, sie müssten mir nichts schenken.

War für Sie immer klar, dass Sie fünf Kinder möchten?
Eigentlich wollte ich drei Kinder. Nach dem Ersten kamen Zwillinge und die Älteste blieb ein bisschen aussen vor. Wir entschieden uns für ein weiteres Kind. Als ich beim Vierten eine Totgeburt hatte, dachten mein Ex-Mann und ich, dass das ein unschöner Abschluss wäre. Das Fünfte war dann eine Überraschung. Aber heute will ich es nicht anders haben.

Wie reagieren die Leute, wenn sie erfahren, dass Sie fünf Kinder haben?
Oft überrascht, die einen sagen: «Ah was, heutzutage?». Oder: «Das würde man Dir nicht geben.» Ich wurde auch schon gefragt, ob alle vom selben Mann sind oder ob es mit dem Bub nicht geklappt hat und wir darum einfach weiterprobiert haben.

«Das Fünfte war dann eine Überraschung. Aber heute will ich es nicht anders haben.»

Wie gehen Sie mit solchen Stereotypen um?
Das ist mir egal. Die einen bewundern mich auch, finden es mutig, heute fünf Kinder zu haben.

Und warum sagt jemand, das hätte man Ihnen nicht gegeben?
Vielleicht, weil ich einen jugendlichen Eindruck mache auf die Leute. Ich stelle dann die Gegenfrage: «Wie stellen Sie sich denn eine fünffache Mutter vor?»

Inwiefern denken Sie, sind Sie eine andere Mutter, als eine Frau, die zwei Kinder hat?
Ich denke, ich kann viel besser Fünf gerade stehen lassen, zum Beispiel kontrolliere ich nur ab und zu die Hausaufgaben meiner Kinder. Ich komme nach der Arbeit nach Hause und organisiere ich zuerst mal den Abend und nächsten Tag. Wir haben zwar so eine Art WG mit Führung, die Kinder helfen also mit. Sie mussten früh Verantwortung übernehmen, es ist gar nicht möglich, als Mutter alles zu kontrollieren. Meine Aufgabe ist jetzt mehr emotionales Coaching oder Schutz und Rettung.

Wie jonglieren Sie all das aneinander vorbei?
Ich habe gelernt, alles durchzuorganisieren, schnell zu denken, zu improvisieren. Manchmal habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Dann hole ich mir ihr Feedback. Wir machen alle zwei Wochen so eine Runde, wenn etwas nicht gut ist, müssen sie es mir dann erzählen. Aber die Mädchen haben sich bisher nie beklagt.

Sie arbeiten 100 Prozent als Stundenplanerin. War das immer so, oder haben Sie einige Jahre Pause gemacht für die Kinder?
Ich habe elf Jahre Pause gemacht und nach der Trennung von meinem Mann aus finanziellen Gründen wieder angefangen zu arbeiten. Ich habe mit 36 die Matura gemacht und wollte eigentlich eine Fachhochschule besuchen. Nach der Trennung lag das halt nicht mehr drin.

Und lässt sich das gut mit den Kindern vereinbaren?
Ja, wenn die Kleinste bei mir ist, kommt sie in unsere Kantine zum Zmittag und nach der Schule hierher und macht die Hausaufgaben.

Was bedeutet es für Sie, Mutter zu sein?
Viel Verantworung. Man durchlebt nochmals, was man selbst erlebt hat im Alter der Kinder. Sie fordern mich heraus mit ihren guten, gescheiten Gedanken. Ich kann viel von ihnen lernen. Sie haben auch einen guten Humor. Ich frage mich manchmal, ob ich ohne meine Kinder soviel lachen würde, wie jetzt.

Was ist das Schwierigste, das das Muttersein mit sich bringt?
Wenn es einem Kind nicht gut geht. Oder wenn es in einer schwierigen Phase ist und man aus eigener Erfahrung weiss, dass sich etwas nicht bewährt hat, aber die Kinder das aus mangelnder Lebenserfahrung nicht wissen können.

Zurück zum Muttertag, den Sie ja nicht feiern werden. Was unternehmen Sie am Sonntag?
Ich gehe mit den Mädchen, die mitwollen, an den Flohmarkt im Machwerk auf dem Lagerplatzareal.

Erstellt: 12.05.2017, 13:48 Uhr

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