Regionalwirtschaft

«Meine Meinung werde ich weiterhin abgeben»

Für den abtretenden CEO von Lindt & Sprüngli, Ernst Tanner, war stets klar: Sein Nachfolger kommt aus den eigenen Rei­hen. Tanner bleibt VR-Präsident und will als solcher dem Kilchberger Schokoladenriesen genau auf die Finger schauen.

Den aus seiner Sicht richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt gewählt: Ernst Tanner legt auf Ende Jahr den Posten als Lindt-&-Sprüngli-CEO in neue Hände.

Den aus seiner Sicht richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt gewählt: Ernst Tanner legt auf Ende Jahr den Posten als Lindt-&-Sprüngli-CEO in neue Hände. Bild: Keystone

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Wann reifte in Ihnen der Gedanke, als Konzernchef von Lindt & Sprüngli per Ende 2016 abzutreten und sich auf Ihr Mandat als VR-Präsident zu beschränken?
Ernst Tanner: Vor zwei bis drei Jahren habe ich mir zum Ziel gesetzt, mich mit 70 Jahren auf das exekutive Verwaltungsratspräsidium zurückzuziehen. Nach 23 Jahren Doppelmandat bei Lindt & Sprüngli fand ich, dies sei der richtige Zeitpunkt.

Gab es von Anfang an eine ­interne Nachfolgeplanung?
Ja. Dieter Weisskopf, bisher der Finanzchef unserer Gruppe, ist für mich der richtige Nachfolger. Er war bis anhin nicht nur für Finanzen, sondern auch für Personalwesen, Produktion, Einkauf, Nachhaltigkeit, Qualität und die Rechtsabteilung zuständig. Das sind die idealen Voraussetzungen, das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen.

Sie gelten als «Mr. Lindt & Sprüngli», als Patron und Vaterfigur des Unternehmens: Wird es da für Ihren Nachfolger nicht unheimlich schwer, in Ihre Fussstapfen zu treten?
Als weltweit führendes Unternehmen für Premium-Qualitätsschokolade verfügen wir über eine starke Marktstellung, eine starke Marke und erfahrene Teams. Mein Nachfolger Dieter Weisskopf hat die nötige Erfahrung, das Unternehmen erfolgreich zu führen und unsere Spitzenposition weiter auszubauen.

Werden Sie ein aktiver Verwaltungsratspräsident sein, das heisst, werden Sie, falls nötig, in die operativen Belange des Unternehmens eingreifen und Ihre Meinung dazu abgeben?
Meine Meinung werde ich weiterhin zu wichtigen Entscheidungen bei Lindt & Sprüngli ­abgeben. Ich konzentriere mich aber auf die strategische Aus­richtung der Gruppe sowie auf das Talentmanagement, also auf die Rekrutierung von geeigneten und leistungsstarken Talenten für unser Unternehmen.

Halten Sie das Doppelmandat von CEO und VR-Präsidium rückblickend immer noch für das richtige Modell bei Lindt & Sprüngli, oder hat es mit Ihrem Rücktritt ausgedient?
Das Modell hat definitiv nicht ausgedient. Die Resultate und die Entwicklung von Lindt & Sprüng­li beweisen, dass dieses Modell für die vergangenen Jahre das richtige war. Die finanzielle Lage, Orientierung und Grösse eines Unternehmens spielen hier bestimmt eine Rolle.

Sie sind der zweitgrösste ­Namensaktionär nach den Vorsorgewerken von Lindt & Sprüngli. Deren Interessen wahren Sie als Stiftungspräsident ebenfalls: Sie bleiben der mächtigste Mann beim Schokoladekonzern . . .
. . . und das ist gut so für das Unternehmen und unsere Aktionäre.

Die Firma Lindt & Sprüngli war und ist unter Ihrer Ägide ab 1993 eine einzige Erfolgsgeschichte: Glauben Sie, dass sie auch unter neuer Führung so weitergeht?
Ja, davon bin ich überzeugt. Am Anfang habe ich klare Prioritäten gesetzt: Erstens mussten wir beweisen, dass wir in gesättigten Märkten, wie beispielsweise in Europa, wachsen und Marktanteile gewinnen können. Es musste uns zweitens gelingen, ein Premium-Segment von Grund auf aufzubauen, wie beispielsweise in den USA. Beides haben wir erreicht. Wir wachsen weiterhin schneller als die Märkte insgesamt und haben weltweit noch ein enormes Potenzial vor uns. Dieses werden wir systematisch und konsequent bearbeiten. Die Erfolgsgeschichte geht also weiter.

Das Interview wurde in schriftlicher Form geführt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.11.2016, 14:18 Uhr

Lindt & Sprüngli

Umsatz und Gewinn gesteigert – Marktanteile gewonnen

Der Kilchberger Schokoladen­hersteller Lindt & Sprüngli hat im ersten Halbjahr 2016 Gewinn und Umsatz gesteigert. Der Reingewinn stieg um rund 11 Prozent auf 72,2 Millionen Franken. Der Umsatz wuchs um 6,6 Prozent auf 1,5 Milliarden. In einem «herausfordernden Umfeld» gelang es Lindt & Sprüngli, schneller als der Gesamtschokoladenmarkt zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen. Kurz nach der Jahreshälfte gab das Unternehmen bekannt, dass der seit 1995 amtierende Finanzchef Dieter Weisskopf neuer CEO der Gruppe wird und Ernst Tanner in diesem Amt nachfolgt. Die Verantwortlichkeiten werden per Ende Jahr übergeben, und die Struktur auf Konzernleitungsebene entsprechend ­angepasst. (ths)

Zur Person

Ernst Tanner

Der 70jährige Ernst Tanner führt den Kilchberger Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli seit 1993 als Konzernchef. Per Ende 2016 tritt er ab und fokussiert sich auf seine Rolle als exekutiver Verwaltungsratspräsident, ein Amt, das er seit 1994 ausübt. Ein exekutiver VR-Präsident hat mehr als die ihm gesetzlich übertragenen Aufgaben inne, etwa wenn er auch operative Tätigkeiten ausführt. Vor seiner Tätigkeit bei Lindt & Sprüngli war der Diplomkaufmann über 25 Jahre in führenden Positionen beim US-Konzern Johnson & Johnson tätig. Ernst Tanner ist in Erlenbach wohnhaft. (zsz)

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