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Mit den Farben der Haut

Zielstrebig hat sich die Künstlerin Pamela Rosenkranz ihren Platz in der internationalen Szene erobert. Die Konzept- und Multimediakünstlerin repräsentiert die Schweiz an der Biennale in Venedig.

Sie wird den Schweizer Pavillon in eine Einheit aus hellrosa Hautfarbe verwandeln: Pamela Rosenkranz ist die zweitjüngste Schweizer Biennale-Künstlerin aller Zeiten.
Sie wird den Schweizer Pavillon in eine Einheit aus hellrosa Hautfarbe verwandeln: Pamela Rosenkranz ist die zweitjüngste Schweizer Biennale-Künstlerin aller Zeiten.
Anon Amphorn

Spricht und liest man über Pamela Rosenkranz, fallen die immer gleichen Worte: karrierebewusst, berechnend, intelligent, vernetzt und hartnäckig. Die Schweizer Künstlerin drechsle eine Karriere nach Masterplan. Doch geht das?

Und wie geht das? Eine Karriere à la Fischli/Weiss, Roman Signer oder Pipilotti Rist bleibt für die allermeisten Künstlerinnen und Künstler ein Traum. Doch Pamela Rosenkranz ist in der Kunstmaschinerie nicht stecken geblieben, sondern rasant, durch viele Rädchen getrieben, enorm schnell hochgeklettert.

Verbündete gefunden

Angefangen hat sie wie viele andere an einer Hochschule der Künste. Ohne geht heute gar nichts mehr, obwohl es eigent­liche Kaderschmieden in der Schweiz nicht gibt. Anders als zum Beispiel in England, wo die Preisträger des Turner Prize fast ausschliesslich Absolventen des Goldsmith College sind. Pamela Rosenkranz, 1979 in Altdorf geboren, hat die Hochschule der Künste in Bern besucht, 2004 das Diplom, 2010 den Master gemacht. Bei wichtigen Nachwuchspreisen war sie präsent, auch beim Berner Aeschlimann-Corti-Stipendium, 2008 und 2010 gewann sie einen Swiss Art Award.

Das ist wichtig, aber hebt einen noch nicht aus der Masse des Kunstnachwuchses. Dafür braucht es entweder einen kurzfristig wirksamen Skandal oder – nachhaltiger – Verbündete. Am besten ebenso hungrige und ehrgeizige junge Kuratorinnen, die Off-Spaces oder Galerien gründen. Bei und für Pamela Rosenkranz wagte dies die gleichaltrige Karolina Dankow – und gehört mit ihrer Karma International, mit Sitz in Zürich, nun selbst zu den Überfliegerinnen.

Ein üppiger, die Sinne bezirzender Auftritt

In der unüberschaubar gewordenen Kunstszene verlassen sich Museen und Sammler auf Scouts und auf Kuratoren mit guter Spürnase. Rosenkranz ebneten Auftritte im Kunstmuseum Thun und im Centre d’Art Contemporain in Genf den Weg. An der Art Basel 2009 wurde Rosenkranz in den «Art Statements» platziert – für Sammler von junger Kunst die Aufforderung, sich zumindest den Namen zu notieren.

Zudem nutzte Rosenkranz 2009 die Plattform, die ihr das Istituto Svizzero Rom in seiner Aussenstelle Venedig bot, zu einem üppigen, die Sinne bezirzenden Auftritt. Selbstverständlich geriet die Konzeptkünstlerin nun auf den Radar und in eine Gruppenausstellung von Hans Ulrich Obrist. Den weltweit tätigen Kurator kürte das Fachmagazin «Art Review» 2009 zum einflussreichsten Mann der Kunstwelt.

Zweitjüngste Schweizer Biennale-Künstlerin

Im selben Jahr wurde Masterstudentin Pamela Rosenkranz selber in die Liste der fünfzig wichtigsten Schweizer Künstler katapultiert. Einem Paukenschlag gleich, landete sie von null auf Rang 35, sackte in den Jahren danach aber wieder etwas ab. Doch wir wagen die Wette: Bald wird sie, dank dem internationalen Hype, den ihre Biennale-Nomination ausgelöst hat, weit vorn platziert sein. Entscheidend für den internationalen Durchbruch von Rosenkranz war etwa der Support von Gianni Jetzer. Der Kurator präsentierte die Künstlerin an seinem Swiss Institute in New York schon 2008 und publicityträchtig zur Wiedereröffnung 2011.

Ein tragfähiges, internationales Netzwerk war damit geknüpft – die ersten Sammler gefunden. Die Nomination 2014 durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia erstaunt deshalb nicht wirklich – auch wenn Pamela Rosenkranz mit 36 die zweitjüngste Schweizer Biennale-Künstlerin aller Zeiten ist. Wie sich die Preise ihrer Werke entwickeln, ist schwer abzuschätzen, bis zu 80 000 Franken zahlte man 2013. Um Verkäufe wird ebenso ein Geheimnis gemacht wie um die Künstlerin selber. Auf sozialen Netzwerken hält sie sich zurück, Interviews gibt sie kaum. Wenn sie mal spricht, klingt es schnell verklausuliert, pseudowissenschaftlich und abschreckend. Im Gegensatz zu ihren Werken.

Das Bild der Erde wie im Rorschachtest

Sie nutzte die Kraft des süffigsten Blau aller Zeiten (das Yves Klein einst patentieren liess) oder peppte in ihrem Video «Loop Revolution» das wirksame Abbild der Erde aus Weltraumsicht durch Teilung wie beim Rorschachtest kräftig auf. Neu füllt sie PET-Flaschen aller möglichen Wassermarken mit hautfarbenem Inhalt – ein bisschen gruselig, aber mit einer langen und leicht anzukurbelnden Assoziationskette angereichert.

Auch in Venedig wirds hautfarben. «Pamela Rosenkranz wird den Schweizer Pavillon in eine Einheit aus hellrosa Hautfarbe verwandeln. Diese riecht, glänzt, klingt und bewegt sich. Ein Pigment, das sich ursprünglich als spezifische Folge von Migration, Sonnenexposition, Ernährung und beliebig vielen Faktoren entwickelte, wird dafür als chemische Mischung aus unbekannten Zutaten nachgebildet.» Diese offizielle Ankündigung klingt zwar schrecklich – doch im Vertrauen auf die künstlerische Fertigkeit von Pamela Rosenkranz fahren wir neugierig nach Venedig.

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