Zürich

Nach Herbstfest-Schlägerei doch noch freigesprochen

Am Montag hat das Obergericht einen Weinländer vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung freigesprochen und damit ein Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen korrigiert. Zeugenaussagen belasteten hauptsächlich seinen Kollegen.

Ein 27-jähriger Weinländer stand am Montag vor dem Zürcher Obergericht.

Ein 27-jähriger Weinländer stand am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Bild: Keystone

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Als der Verteidiger dazu ansetzte, zu belegen, dass sein Mandant kaum aktiv «geschlegelt» habe, damals um fünf Uhr morgens am Herbstfest in Dachsen, wurde es absurd. Der Anwalt forderte seinen Mandanten B. auf, kurz aufzustehen, stellte sich dann neben ihn und fragte den Richter rhetorisch: «Sehen Sie?»

«Um den am Boden liegenden Freund herumgezappelt»

B., ein heute 27-jähriger Wein­länder, stand am Montag vor dem Zürcher Obergericht, weil er gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen Berufung eingelegt hatte. Im September 2016 war er zusammen mit seinem Freund A. der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Das Bezirksgericht setzte für ihn damals eine bedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten fest, A. kassierte deren 24.

Vor Obergericht machte B. geltend, er habe nur aus Notwehr ­gehandelt und A. geholfen. Nachdem der Privatkläger C. seinen Freund auf dem Herbstfest 2014 zu Boden geschickt habe und um diesen herumgezappelt sei, habe er C. in die Hecke geschubst. «Das brauchte schon einige Überwindung bei diesem massiven Grössenunterschied», sagte dazu B.s Verteidiger.

«Ich habe zu A. gesagt: Aufhören!»Der Angeklagte

Vor dem Bezirksgericht waren A. und B. kleinlaut geworden, als es um die Tat ging. Keiner der beiden wollte sich an Details des Gewaltexzesses erinnern. B. hatte zwar etwas Reue gezeigt, dabei aber kritisiert, dass die Tat erst nach zwei Jahren verhandelt worden war. Das sei nicht fair. C. war nach der Schlägerei mit A. und B. mit einem Kieferbruch und weiteren Verletzungen im Spital gelandet. Danach war er für einige Zeit arbeitsunfähig.

«Was passiert ist, tut mir leid»

Vor Obergericht war B. gesprächiger als vor der Vorinstanz. «Was passiert ist, tut mir leid», sagte er. Heute gehe er nicht mehr in den Ausgang und trinke viel weniger, sagte er gleich zu ­Beginn der Befragung durch den Richter. Er habe ein neues Hobby, das viel Zeit beanspruche: Zusammen mit seinem Bruder renoviere er ein altes Auto. A. sehe er noch ab und zu, weil sie in der gleichen Firma arbeiteten. Sonst hätten sie keinen Kontakt. Nach dem Schubser ins Gebüsch sei C. «wie eine Furie» auf B. losgegangen, sagte der Verteidiger. C. habe B. in den Schwitzkasten genommen, darauf habe sich sein Mandant «nur durch Winden und Ringen» befreit. Darauf habe A. C. angegriffen. Laut Zeugenaussagen hat vor allem eine Person auf C. eingeschlagen und eingetreten, als der bereits am Boden lag. Der andere Mann habe eher zu schlichten versucht. Ob das seine Rolle gewesen sei, fragte der Richter. «Ja, ich habe zu A. gesagt: ‹Aufhören!›», sagte B.

Die Verletzungen des Privatklägers, eines dunkelhäutigen Mannes, habe nicht er verursacht, sagte B. «Daran würde ich mich er­innern.» Wie die Schlägerei sonst genau abgelaufen war, konnte er jedoch nicht sagen, er war damals, wie auch A. und C., betrunken. Dar­an, dass jemand von ihnen C. als «verdammten Scheissneger» bezeichnet habe, mochte er sich nicht erinnern.

Das Obergericht folgte der Berufung und sprach den 27-Jährigen vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung frei. Die Tathandlung sei nicht so erstellbar, dass B. die Verletzungen von C. verursacht habe, sagte der Oberrichter. Die Mehrheit der Zeugen habe ausgesagt, dass primär ein Mann das Opfer am Boden getreten habe und die Beschreibung deute nicht auf B. hin. «Sie waren an der Schlägerei beteiligt, aber eher schlichtend.»

Straffrei geht B. allerdings nicht aus. Übrig bleibt eine aufgeschobene Geldstrafe von 4800 Franken für Fahren ohne Ausweis und den Missbrauch von Ausweisen und Schildern. Er war am Abend der Schlägerei trotz Ausweisentzug mit einem Auto gefahren. Als Begründung sagte er: «Der Vater des Kollegen wollte sich das Auto anschauen, und ich war wieder einmal zu lieb.» Was ebenso bleibt, ist die öffentliche Verurteilung, die B. gemäss seinem Verteidiger sehr zugesetzt hat, seit dem Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen.

Erstellt: 27.03.2018, 15:58 Uhr

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