Region

Nachwuchs politisiert im Bundeshaus

An der Jugendsession diskutierten Jugendliche über politische Themen, entwarfen Forderungen und brachten diese vors Plenum. Neun von ihnen stammen aus dem Zürcher Unterland.

Bis gestern Sonntag war der Nationalratssaal im Bundeshaus fest in der Hand der Jugend.

Bis gestern Sonntag war der Nationalratssaal im Bundeshaus fest in der Hand der Jugend. Bild: Christof Kleger

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Die 200 jungen Menschen, die sich während vier Tage den Kopf über die politische Zukunft des Landes zerbrachen, versammelten sich am Sonntag im Nationalratssaal des Bundeshauses. Dort präsentieren acht Gruppen ihre Forderungen zu unterschiedlichen politischen Angelegeneheiten, die sie zuvor innerhalb ihrer Arbeitsgruppen erarbeiteten. Anschliessend stimmte das Plenum darüber ab. Als erstes stand das Dublin System auf dem Programm: «Wir fordern, dass vom Bundesrat Massnahmen ergriffen werden, um Menschen mit Aufenthaltsstatus N und F eine Erwerbstätigkeit zu ermöglichen», sagte der Vertreter der Arbeitgruppe «Herausforderungen des Dublin Systems».

Zum ersten Mal dabei

Zu dieser Gruppe gehörte auch Cécile Meier aus Rorbas. Sie war zum ersten Mal an der Jugendsession: «Ich bin durch eine Werbung am Bahnhof darauf aufmerksam geworden. Da ich Zeit hatte und mich politisch einsetzen wollte, habe ich mich beworben», sagte die 20-Jährige. Die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Dublin System befasst, war ihre erste Wahl, da die Thematik sehr aktuell ist. «Ich finde das System grundsätzlich gut und würde es nicht verwerfen. Ich sehe aber Änderungsbedarf beim Verteilschlüssel und bei den Bedingungen in den Lagern.» Die von ihrer Gruppe gestellte Forderung wurde deutlich mit 151 Ja- zu 24 Nein-Stimmen angenommen.

Regelung für Netzneutralität

Ein weiteres Thema an der Jugendsession war die Netzneutralität, also die nicht-diskriminierende Übertragung von Daten im Internet. Diese ist in der Schweiz nicht gesetzlich geregelt. «Es ist eine Frechheit, dass die direkte Sabotage von Konkurrenten erlaubt wird. Es braucht Chancengleichheit. Es muss jetzt eine Regelung her», forderte Nick Glättli aus Neerach am Sonntag vor der Versammlung.

In der Vorbereitung am Freitag erklärte er: «Man sollte die Daten je nach Typ, also zum Beispiel Audio oder Text, anders behandeln. Dabei darf es keine Rolle spielen, von welchem Anbieter sie kommen.» Der 18-Jährige nahm zum zweiten Mal an der Jugendsession teil. Er schätzt den Meinungsaustausch mit anderen Leuten ähnlichen Alters. Auch sonst ist der Maturand politisch aktiv: Seit zwei Jahren ist er Mitglied der SP, ausserdem kann er sich vorstellen, in die Kommunalpolitik einzusteigen und 2018 für ein Amt in der Schulpflege zu kandidieren.

Die Forderung, dass der Bundesrat die Netzneutralität gewährleistet, wurde mit 143 Ja- zu 5 Nein-Stimmen angenommen.

Dinosaurier als Gruppenleiter

In der gleichen Arbeitsgruppe war auch Niklas Müller aus Niederweningen. Mit seinen 14 Jahren gehört er zu den jüngsten Teilnehmenden, aber auch er sprach sich trotz Bedenken hinsichtlich der Sicherheit für die Netzneutralität aus: «Ich bin grundsätzlich dafür. Wegen Angriffen, zum Beispiel von Hackern, ist es aber dennoch wichtig, die Daten zu prüfen.»

Neben den insgesamt neun Teilnehmenden aus dem Zürcher Unterland war auch Michael Frauchiger aus Weiach an der Jugendsession anzutreffen. Er sprang als Gruppenleiter ein und bezeichnet sich selbst als «Dinosaurier der Jugendsession», weil er schon seit 10 Jahren dabei ist. Erst als Teilnehmer, danach half er bei der Organisation. Mit 27 Jahren ist er eigentlich schon zu alt, weswegen er in keiner offiziellen Funktion mehr tätig ist.

Vom Projekt ist er nach wie vor überzeugt: «Vor 10 Jahren haben wir Teilnehmer gesucht, mittlerweile müssen wir Leute ablehnen. Das zeigt, dass das Interesse der Jungen an der Politik steigt.» Sein Traum sei, dass in 20 Jahren immer mehr ehemalige Teilnehmende der Jugendsession im Nationalrat sitzen.

Erstellt: 12.11.2017, 16:14 Uhr

«Mein Traum ist, dass in 20 Jahren viele ehemalige Teilnehmer der Jugendsession im Nationalrat sitzen.»
Michael Frauchiger, 27,Weiach

«Ich bin grundsätzlich für Netzneutralität, wegen der Sicherheit ist es aber wichtig, die Daten zu prüfen.»
Niklas Müller, 14,Niederweningen

«Ich finde das Dublin-System gut, sehe aber beim Verteilschlüssel und bei den Lagern Änderungsbedarf.»
Cécile Meier, 20, Rorbas

«Ich kann mir gut vorstellen, an den Wahlen 2018 für die Schulpflege zu kandidieren.»
Nick Glättli, 18, Neerach

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