Henggart

Neue Postagentur mit Handicap

Die Poststelle gibt es nicht mehr, dafür eine neue Postagentur im Volg. Doch an Personen im Rollstuhl wurde nicht gedacht.

Das Zahlungsterminal wurde anders montiert, damit es auch Personen im Rollstuhl benützen können: Die Postagentur im Volg Henggart.

Das Zahlungsterminal wurde anders montiert, damit es auch Personen im Rollstuhl benützen können: Die Postagentur im Volg Henggart. Bild: David Baer

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Die Post schliesst immer mehr bediente Poststellen, weil immer mehr E-Mails statt Briefe versandt und mehr Einzahlungen online statt mit dem gelben Büchlein erledigt werden. Auch die gewachsene Konkurrenz bei der Paketzustellung macht dem gelben Riesen zu schaffen.

So machte auch die Henggarter Poststelle am 15. August wegen mangelnder Rentabilität dicht. Als Ersatz eröffnete zwei Tage später eine sogenannte Postagentur im Volg. Eine solche Agentur besteht aus einem Modul aus zwei seitlich geöffneten Boxen, in denen Einzahlungen getätigt sowie Briefe und Pakete frankiert werden können.

Im Rollstuhl unerreichbar

Kommen die Kunden mit der Selbstbedienungs-Agentur nicht zurecht, können sie eine Glocke betätigen, damit jemand vom geschulten Volg-Personal helfen kommt. Zu Beginn sei die Glocke noch nicht so oft benutzt worden, sagt Filialleiterin Tanja Rubi. Stattdessen hätten sich die Kunden auf die Suche nach jemandem vom Verkaufspersonal gemacht. «Jetzt wird mehr geläutet.»

Personen im Rollstuhl hingegen nützte die Glocke bislang nicht viel. Denn sie konnten das Zahlungsterminal gar nicht selbstständig bedienen. Das Terminal befand sich zu weit hinten. Dies sei bereits am Eröffnungstag festgestellt worden, schreibt Henggarts Gemeindepräsident Hans Bichsel im aktuellen Mitteilungsblatt. Und in Henggart sind Personen von dieser Hürde betroffen. «Obwohl bereits 700 Postagenturen realisiert wurden, ist offensichtlich eine behindertengerechte Bedienung nicht verwirklicht worden.» Bichsel hat deshalb eine Anfrage an die Postverantwortlichen eingereicht. «Auf die Antwort der Post bin ich gespannt.»

Sogar in Nottwil Standard

Auch der «Landbote» wollte von der Post wissen, weshalb das Henggarter Zahlungsterminal für Personen im Rollstuhl unerreichbar ist. Ein Montagefehler ist es auf jeden Fall nicht. Denn beim standardisierten Agenturmodul, das seit rund acht Jahren auch im Paraplegikerzentrum in Nottwil stehe, befinde sich das Zahlungskästchen ebenfalls hinten, sagt Postsprecher Erich Schmid. Ob es dort allenfalls umplatziert wurde, kann Schmid nicht sagen. Seines Wissens ist das modifizierte Henggarter Modul aber ein Einzelfall. Es sei extra angepasst worden, «weil es ein konkretes Bedürfnis dafür gibt». Um das Zahlungsterminal für die Einzahlungen leichter bedienen zu können, hat die Post am Mittwoch in Absprache mit der Gemeinde das Terminal an die Vorderkante des Moduls verlegt. Damit können nun auch gehbehinderte Personen «die Eingabe selbstständig vollziehen».

Geld beziehen können die Postkunden aber nicht beim gelben Modul, sondern nur über das Kartenterminal an der Volg-Kasse. Doch auch dieses Terminal ist für Personen im Rollstuhl nicht gut erreichbar, weil es zu hoch liegt. Das war bislang aber nicht weiter tragisch, weil die Postkunden ihr Geld ja auf der mittlerweile geschlossenen Poststelle abheben konnten. Laut Schmid hat die Landi Dägerlen und Umgebung, zu welcher der Volg Henggart gehört, zugesichert, das Kartenterminal an der Kasse auf eine geeignete Höhe zu verschieben.

Verbesserungen geplant

Der behindertengerechte Zugang sei für die Post ein «wichtiges Anliegen», sagt Schmid. Im Rahmen von Um- und Neubauten von Poststellen setze man seit Ende Juni 2014 «konsequent eine behindertengerechte Schalterlösung um». Auch die bisherigen, seit Jahren verwendeten Agenturmodule seien in den letzten Monaten «komplett überarbeitet» worden.

Laut Schmid werden ab Ende 2015 bei neuen Postagenturen Module eingesetzt, die den Normen für hindernisfreie Bauten entsprechen. Auch für Einzahlungen beschaffe die Post ein neues Zahlungsterminal. So sollen die bisherigen Terminals ab 2017 durch mobile Geräte ersetzt werden, «welche problemlos auch von Personen im Rollstuhl bedient werden können».

Erstellt: 09.10.2015, 16:09 Uhr

Gut gestartet

Zu Beginn habe das Postmodul im Volg noch Mühe bereitet, «weil es neu war», erzählt Filialleiterin Tanja Rubi. Jetzt sei alles «tipptopp». Das Verkaufspersonal mache die zusätzliche Arbeit gerne. «Es ist auch eine Abwechslung, mal etwas anderes.» So wie es jetzt aussehe, könne diese Arbeit mit dem bestehenden Personal bewältigt werden. Dass zeitweise aber nur noch eine der drei Personen im Laden sei, zum Beispiel über Mittag, das sei nicht mehr möglich. «Doch wir haben uns bis jetzt gut arrangiert.»

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