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Neue Vorwürfe nach angeblichem «Chaos Infernale» am Unfallort

Vor einem Jahr ist es im Mitspielzirkus zu einem schweren Brandunfall mit drei verletzten Kindern gekommen. Eine der Mütter erhebt nun Vorwürfe gegen den Zirkus und verlangt, dass Feuernummern mit Kindern gestrichen werden.

Im Zirkus haben heute nur noch die Erwachsenen mit Feuer zu tun.
Im Zirkus haben heute nur noch die Erwachsenen mit Feuer zu tun.
zvg

Es sei ein «Chaos Infernale» gewesen, das sie am Unfallort angetroffen habe. Das sagt eine der Mütter*, deren Kinder vor einem Jahr beim Brandunfall im Mitspielzirkus Pipistrello in Erlenbach teils schwer verletzt worden sind. Bei den Vorbereitungen für eine Feuernummer war es aufgrund eines menschlichen Fehlers zu einer mehrere Meter hohen Stichflamme gekommen.

«Als ich nach wenigen Minuten am Unfallort eintraf, wusste niemand, wo unser Sohn sich befindet und ob er verletzt ist», erzählt die Mutter. «Mehrere Zirkusmitarbeiterinnen sassen weinend auf der Treppe.» Die Sanität habe sich um den schwerstverletzten Knaben gekümmert. Ihr eigener Junge habe sich nach dem Unfall selber das brennende T-Shirt vom Körper gerissen und sich einen Grashang hinuntergerollt. «Unter unvorstellbaren Schmerzen lief er danach allein in die Toilette, um sich mit Wasser zu kühlen», schreibt sie in einem Brief an die Redaktion. Und weiter: «Es verfolgt mich, dass niemand meinem Kind geholfen hat.»

Nur eine Decke

Der Mitspielzirkus sei offensichtlich nicht auf eine solche Situation vorbereitet gewesen: «Es stand kein Wasser bereit und es hatte nur eine Decke, mit der aber jeweils die Fackeln und andere Utensilien gereinigt wurden.» Die zweite Ambulanz – für ihren Sohn – sei von der Polizei angefordert worden. Laut der Mutter sind die Zirkusmitarbeiter nicht für den Fall geschult worden, dass ein solcher Unfall passieren könnte. «Es gab kein Sicherheitsdispositiv dafür.» Nur für den Fall eines Zeltbrandes seien die Mitarbeiter vorbereitet gewesen. Es existiere bloss ein allgemeines Merkblatt über die Gefährlichkeit und die Anwendung des Zündmittels. Die Betreuerin, welche für den Unfall verantwortlich war, tue ihr unheimlich leid. «Sie nimmt alle Schuld auf sich und ist enorm belastet.» Das findet die Mutter nicht in Ordnung. Es sei nicht damit erledigt, «dass einfach die Frau bestraft wird».

Feuer nicht in Kinderhände

Wer mit Kindern arbeite, trage eine hohe Verantwortung. Dafür sei in erster Linie die Zirkusleitung verantwortlich. «Es geht mir nicht darum, den Zirkus fertig zu machen oder zu schliessen», sagt die Frau. Sie wolle einfach, dass die Sicherheit im Mitspielzirkus generell höher gewichtet werde. Vor allem aber fordert sie, dass keine Feuernummern mit Kindern mehr durchgeführt werden. «Feuer gehört nicht in einen Kinderzirkus.»

Ihr beim Unglück elfjähriger Sohn hat durch den Unfall an mehreren Stellen des Körpers grossflächige Verbrennungen erlitten. Seine Kopfhaut musste auf Arm und Schulter transplantiert werden. Es gehe ihm heute viel besser, erzählt die Mutter. Er müsse aber mit Funktionsbeeinträchtigungen und allfälligen Korrektureingriffen rechnen. Für die Mutter ist klar: «So etwas darf nie, nie mehr vorkommen.» Sie habe sich eigentlich mit ihren Erlebnissen nicht an die Öffentlichkeit wenden wollen, sagt die Frau. Als sie aber in der ZSZ gelesen habe, dass der Circolino möglicherweise die Feuernummern wieder ins Kinderprogramm nehme, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen.

Wasserkübel von zu Hause

Ein direkter Nachbar des betreffenden Schulgrundstückes bestätigt die Schilderungen der betroffenen Mutter. Der Mittvierziger war auf dem Weg zum Einkaufen, als der Unfall passierte. «Ich hörte einen Knall und sah die Stichflamme.» Er sei sofort zur Unfallstelle gerannt. Aufgrund dessen, was er gesehen habe, «wusste ich, dass eines der Kinder sehr schwer betroffen sein musste». Doch niemand habe reagiert. Auf dem Platz sei es totenstill gewesen. «Die Zirkusmitarbeiter befanden sich in einer Art Schockstarre.» Es seien Aussenstehende gewesen, die Polizei und Ambulanz angefordert und erste Hilfe geleistet hätten. Er selber habe von zuhause Wasserkübel und Tücher zum Kühlen holen müssen. «Es war nichts vorhanden. Für einen solchen Fall schienen keinerlei Vorkehrungen oder Vorbereitungen getroffen worden zu sein.» Der Nachbar betreute den siebenjährigen Jungen, bis eine Notärztin eintraf.

Die im Text genannten Vorwürfe wiegen schwer. Der Stiftungsrat des Pipistrello hatte Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Einige der Fragen werden im untenstehenden Interview vom Stiftungsratspräsident Daniel Matzenmüller beantwortet. Zu sämtlichen Fragen, die den Unfallhergang betreffen sowie zu zusätzlichen Vorwürfen will sich der Stiftungsrat derzeit nicht äussern.

*Mutter und Helfer wollen nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden.

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