Bildung

Nun werden die Gymis erneuert

Drei neue Fächer, weniger Latein und ein neues Lehrplan-Modell: den Zürcher Kantonsschulen steht eine Reform bevor.

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Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner drückt aufs Pedal. Kaum ist der neue Lehrplan in der Volksschule angekommen, nimmt sie sich die Gymnasien vor. Schon bis 2023 will sie eine Fülle von Neuerungen einführen. «Wir wollten ein ganzes Paket bündeln und nicht jedes Jahr ein neues Projekt umsetzen», sagte die CVP-Regierungsrätin gestern an einer Medienkonferenz.

Ihr Ziel ist es, die 22 Kantonsschulen auf den Lehrplan 21 abzustimmen und damit den Übertritt von der Volksschule zu erleichtern. Zudem sollen die Schülerinnen und Schüler besser auf die Anforderungen der Berufswelt und Hochschulen vorbereitet werden, indem die naturwissenschaftlichen Fächer gestärkt werden und der Digitalisierung Rechnung getragen wird.

Informatik ein Muss

Die Projektgruppe «Gymnasium 2022» hat bereits konkrete Vorschläge erarbeitet. Die wichtigsten sind:

  • Eine Stundentafel: Im Untergymnasium, also in den ersten beiden Jahren des Langzeitgymnasiums, existieren heute nur Mindestlektionen für Französisch, Latein und Sport. Um die Schulen zu harmonisieren, soll es eine Rahmenstundentafel mit 30 fixen Lektionen geben (siehe Grafik). Vier Lektionen können frei gewählt werden, wobei 1,5 im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) angeboten werden müssen, zum Beispiel für Robotik oder Laborunterricht.

  • Mehr Mathe: Um den Fachkräftemangel zu beheben, sollen künftig auf Stufe Untergymnasium im Mint-Bereich 8,5 Lektionen zwingend sein. Heute gibt es keine Vorgabe, üblich sind 7,5 Lektionen.

  • Weniger Latein: Die Aufstockung der Mint-Fächer werden wohl viele Kantonsschulen mit dem Abbau von Latein-Unterricht kompensieren. Heute liegt der Durchschnitt bei 4,5 Lektionen. Neu sollen es noch mindestens 3 sein. Drei seien für den Spracherwerb das Minimum, und ganz darauf verzichten wolle man nicht, sagt Niklaus Schatzmann, Leiter Mittelschul- und Berufsbildungsamt. «Der Lateinunterricht leistet einen wichtigen Beitrag für die systematische Sprachbetrachtung. Er schult das strukturelle Denken und die Logik und fördert das Verständnis für die Wurzeln der abendländischen Kultur.» Man müsse aufpassen, vor lauter Diskussionen um den Fachkräftemangel nicht in das andere Extrem zu verfallen und die Sprachen zu vernachlässigen, sagte Schatzmann.

  • Ethik plus Informatik: In Abstimmung mit dem Lehrplan 21 wird nun auch im Untergymnasium das Fach «Informatik» eingeführt. Ein weiteres neues Fach heisst «Religionen, Kulturen, Ethik».

  • Philosophie plus Informatik: Auch im Obergymnasium soll es neue Fächer geben. Angestrebt wird die Einführung des Schwerpunktfachs «Philosophie, Pädagogik, Psychologie». Zudem hat die Eidgenössische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) beschlossen, dass auch im Obergymnasium «Informatik» obligatorisch werden muss. Die Bildungsdirektion setzt diese Vorgabe nun um und geht von mindestens vier Jahreslektionen aus.

  • Lehrplan-Modell: Das Projekt «Gymnasium 2022» sieht vor, dass die Kantonsschulen die über 20 Jahre alten Lehrpläne überarbeiten. Die Umsetzung regeln die Schulen mittels Fachschaftsrichtlinien, welche sie selber bestimmen und anpassen können. Darin konkretisieren die Fachlehrpersonen die Ziele und Inhalte ihrer einzelnen Fachlehrpläne. Die Richtlinien der jeweiligen Schule sind für alle Fachlehrkräfte verbindlich. So soll gewährleistet werden, dass alle die gleichen Ziele verfolgen und die gleichen Kompetenzen vermitteln, ohne dass die Methodenfreiheit eingeschränkt wird.

Kein Personalabbau

Mit dem Projekt sei kein Personalabbau verbunden, sagte Silvia Steiner. «Im Gegenteil, wir brauchen mehr Lehrkräfte. Bis 2030 rechnen wir mit einer Zunahme von 6000 bis 7000 Gymischülern.» Vor allem im Bereich Informatik besteht Bedarf. An den Hochschulen sei man bereits dabei, Informatik-Lehrpersonen auszubilden.

2,9 Millionen Franken will Silvia Steiner für «Gymnasium 2022» ausgeben. Mit der Hälfte des Betrages sollen Stellvertretungen beschäftigt werden, um die am Projekt beteiligten Lehrkräfte zu entlasten. Wie hoch die Folgekosten sind, beispielsweise für das Fach Informatik, lässt sich gemäss Schatzmann noch nicht beziffern.

Die Projektgruppe ist breit abgestützt. Beteiligt sind Schulleitungen, Lehrpersonen und Vertretungen der Gewerkschaften, Lehrpersonenkonferenz, Wissenschaft und des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes.

Erwünscht, aber...

Der Verband der Mittelschullehrpersonen (MVZ) begrüsst Silvia Steiners Stossrichtung. In einer Stellungnahme fordert er jedoch zur Umsetzung genügend finanzielle Ressourcen und Unterstützung für Lehrpersonen, die sich aufgrund der neuen Stundentafeln umschulen lassen wollen.

Zudem dürfe die Einführung von «Informatik» oder «Religionen, Kulturen, Ethik» nicht auf Kosten von anderen Fächern erfolgen. Auch sei es wichtig, dass den Untergymnasien angemessene Freiheiten zugestanden würden, damit sie innovativ bleiben und den schuleigenen Charakter bewahren können.

Ende dieses Jahres soll das Reglement für die kantonalen Rahmenvorgaben in die Vernehmlassung geschickt werden. 2020 soll der Bildungsrat einen entsprechenden Beschluss fassen. 2021 und 2022 müssen die Gymnasien dann die Stundentafeln, Lehrpläne und Fachschaftsrichtlinien erarbeiten. Gibt der Bildungsrat grünes Licht, kann das Reformpaket im Jahr 2023 umgesetzt werden.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 08.02.2019, 18:09 Uhr

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