Prozess

Pakistaner bezichtigte ehemalige Arbeitskollegen des Terrorismus

Ein in Zürich lebender Pakistaner beschuldigte frühere Arbeitskollegen, Bombenanschläge zu planen und mit Drogen zu dealen. Dafür hat er sich eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten eingehandelt.

Das Obergericht bestätigte gestern das Urteil gegen einen 38-jährigen Pakistaner. Die Beweislage war aus Sicht des Gerichts erdrückend.

Das Obergericht bestätigte gestern das Urteil gegen einen 38-jährigen Pakistaner. Die Beweislage war aus Sicht des Gerichts erdrückend. Bild: Urs Jaudas

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Das Obergericht konnte nur mutmassen, weshalb der 38-jährige Pakistaner seine früheren Arbeitskollegen derart verunglimpft hatte. Weshalb er Mails und Briefe verschickte und darin behauptete, sie würden mit Drogen handeln, Kinder sexuell missbrauchen und Bombenanschläge planen – einer in Basel, einer am Zürcher Hauptbahnhof. «Es gab wohl Differenzen am Arbeitsplatz, es sieht jedenfalls schwer nach Racheaktion aus», sagte der Gerichtspräsident in der Begründung seines Urteils.

Dieses lautete gleich wie das vorinstanzliche Urteil des Zürcher Bezirksgerichts: 18 Monate bedingt wegen mehrfacher falscher Anschuldigungen und Freiheitsberaubung. Letzteres hat sich der Beschuldigte durch eine Nachricht eingebrockt, die er unter falschem Namen an Interpol geschickt hatte.

Darin behauptete er, einer seiner Mitarbeitenden, ein namentlich genannter Tunesier, plane am Zürcher Hauptbahnhof einen Bombenanschlag. Die Polizei rückte daraufhin aus und nahm den ahnungslosen Mann für sieben Stunden fest. Das sei dann nicht mehr lustig, sagte der Gerichtspräsident: «Da kommt ein Überfallkommando, drückt einen zu Boden, durchsucht die Wohnung und wirft einen in die Zelle.»

Doch das war noch nicht alles. Der wegen übler Nachrede und Drohung vorbestrafte Mann hatte 2015 und 2016 noch weitere ehemalige Arbeitskollegen in die Pfanne gehauen. So schrieb er dem Migrationsamt sowie Medienhäusern und der Chefin der Zürcher Kriminalpolizei Briefe und Mails und gab an, drei seiner früheren Arbeitskollegen würden mit Kokain und Heroin handeln, einer der Dealer missbrauche zudem dessen Tochter.

In einer anderen Mail wollte er drei Landsleuten, mit denen er in Karachi für kurze Zeit in der Niederlassung eines Schweizer Pharmaunternehmens zusammengearbeitet hatte, ebenfalls kriminelle Handlungen anhängen. In der Nachricht, die er an verschiedene Bundesbehörden schickte, schrieb er, die drei Pakistaner planten in Basel einen terroristischen Anschlag.

Die gelöschten Mails fanden die Ermittler auf dem Computer und dem USB-Stick des Beschuldigten. Dieser wies dennoch jegliche Schuld von sich und sagte, er wisse nicht, wie die Nachrichten auf seine Datenträger gekommen seien. Dass auch Fotos seiner Arbeitskollegen – die Dateien waren in den Interpol-Mails angehängt – auf seinen Geräten zu finden waren, beweise gar nichts. «Wieso soll ich nicht Fotos meiner Arbeitskollegen abspeichern? Ich hatte ja ein gutes Verhältnis mit ihnen», sagte er.

82-jährige Partnerin

Befragungen mit ehemaligen Vorgesetzten und Kollegen ergaben ein anderes Bild. Manche sagten aus, dass er teils laut und aggressiv geworden sei und Anweisungen seiner Vorgesetzten missachtet habe. Klar scheint, dass er sich nicht mit Aushilfsjobs zufriedengeben wollte.

In Pakistan habe er Pharmazie und IT studiert, und auf diesem Gebiet suche er seit langem eine Festanstellung, sagte der Beschuldigte. Seinen Unterhalt bestreiten kann er dank einer 82-jährigen Schweizerin, die er bei seiner Einreise 2006 geheiratet hatte. Trotz der Scheidung vor ein paar Jahren lebt er nun wieder bei ihr.

Der Pakistaner, der mit Niederlassungsbewilligung C in der Schweiz lebt, sieht sich als Opfer einer Verschwörung, erwähnte Drohmails, die er erhalten habe, und plädierte wie vor dem Bezirksgericht Zürich auf Freispruch. Doch auch sein Verteidiger, der Lücken in der Untersuchung geltend machen wollte, konnte ihm nicht helfen.

Für den Staatsanwalt war der Fall ohnehin klar: «Nicht einmal der beste Geheimdienst der Welt wäre fähig, diese Beweislage zu konstruieren.» Und auch der Gerichtspräsident sagte dem Beschuldigten: «Es ist nicht anders vorstellbar. Es können nur Sie gewesen sein.»

Erstellt: 26.04.2019, 21:22 Uhr

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