Urteil

Pensionierter Sinologe darf sich nicht «Titularprofessor» nennen

Die Uni Zürich verweigert einem Dozenten einen Titel. Laut dem Verwaltungsgericht zu Recht.

Die Uni Zürich verleiht die Bezeichnung Titularprofessor nicht ehrenhalber, sondern bindet ihn an klare Leistungskriterien.

Die Uni Zürich verleiht die Bezeichnung Titularprofessor nicht ehrenhalber, sondern bindet ihn an klare Leistungskriterien. Bild: Urs Jaudas

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Weshalb sich der interdisziplinär tätige Jurist und Sinologe acht Jahre nach seiner ordentlichen Pensionierung noch unbedingt mit der Bezeichnung «Titularprofessor» schmücken wollte, erschliesst sich bei Lektüre dieses Urteils des Zürcher Verwaltungsgerichts nicht. Der Gelehrte selber, ein in der Fachwelt durch seine Publikationen zu China und Ostasien ziemlich bekannter Mann, wollte sich auf Anfrage dazu nicht dazu äussern. Seine Motive seien Privatsache. Das trifft in diesem Fall wohl zu. Trotzdem ist der Fall interessant. Weil er wieder einmal aufzeigt, nach welchen Kriterien die Uni Zürich die Bezeichnung Titularprofessorin oder Titularprofessor vergibt.

Nicht als Ehrung gedacht

Um es vorwegzunehmen: Die Uni Zürich verleiht den Titel nicht etwa ehrenhalber für ein herausragendes Lebenswerk, sondern knüpft ihn an Leistungskriterien. Vorausgesetzt wird eine aktuelle Lehrtätigkeit mit einer mindestens sechsjährigen Erfahrung. Zudem müssen die Gesuchsteller ihr Fachgebiet durch wissenschaftliche Leistungen gefördert haben. Sind diese Kriterien erfüllt, können Privatdozentinnen und -dozenten den Titel beantragen. Die Unileitung entscheidet dann auf Antrag der zuständigen Fakultät. Sie hat einen Ermessensspielraum. Lehren die Titularprofessoren allerdings nicht mehr an der Uni, verfällt der Titel. Nur bei Pensionierungen gibt es eine Ausnahme.

Verfahrensfehler irrelevant

Im Fall des 1944 geborenen Juristen und Sinologen lehnte die Uni das 2017 eingereichte Gesuch in mehreren Entscheiden ab, zuletzt vor zwei Jahren. Dagegen wehrte sich der Dozent vergeblich. Unter anderem beanstandete er einen Verfahrensfehler, welcher der Uni unterlaufen war. Die falsche Instanz hatte den Entscheid gefällt. Nach einigem hin und her zog der Dozent den Fall ans Zürcher Verwaltungsgericht, wo er kürzlich ebenfalls abblitzte. Der beanstandete Verfahrensfehler tue nichts zur Sache, heisst es im Urteil.

Als Hauptgrund für die Ablehnung nennt das Gericht den Umstand, dass der Sinologe seit 2012 keine Lehrveranstaltung mehr im relevanten Fachbereich abgehalten habe – gemeint ist die Asien- und Orientforschung. Zudem habe er dort auch keine einzige Qualifikationsarbeit mehr betreut. Man könne also nicht sagen, dass er in diesem Bereich die Forschung und Lehre entscheidend gefördert habe. Dies zumindest nicht in den Jahren, die dem Gesuch unmittelbar vorangingen. Laut Gericht erbrachte der Dozent seit 2012/2013 nur noch Leistungen in der rechtswissenschaftlichen Fakultät. Und diese hätten kaum einen Bezug zum Fachgebiet gehabt, das für den Titel relevant sei.

Gegenüber der Uni hatte der ehemalige Dozent diese enge Sicht beanstandet. Nicht alle seine wissenschaftlichen Leistungen seit seiner Habilitation (1981) seien gewürdigt worden. Immerhin habe er seine Lehrerlaubnis ausdrücklich auch für seine interdisziplinäre, die Rechtswissenschaften umfassende Tätigkeit erhalten.

Erstellt: 17.10.2019, 18:05 Uhr

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