Winterthur

Petardenwerfer will den FCW entschädigen

Der FCW und ein junger Mann, der einen Knallkörper aufs Spielfeld geworfen haben soll, haben sich am Dienstag vor dem Friedensrichteramt getroffen. Eine Einigung ist in Aussicht.

Sollen Fussballclubs für das Fehlverhalten der Stadionbesucher zahlen? Der FCW hat diese Frage aufgeworfen. Bild: Melanie Duchene

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Unterschrieben ist noch nichts, aber der mutmassliche Petardenwerfer von der «Schützi» und der FC Winterthur haben sich am Dienstag vor dem Friedensrichteramt im Streit um Schadenersatz angenähert.

«Das Verfahren wurde sistiert», lautet die offizielle Aussage von Rechtsanwalt Daniel Mägerle, der für den FCW die Verhandlungen führt. Tatsächlich aber steht schon eine Einigung in Aussicht. Mägerle muss mit dem Anwalt der Gegenseite in den nächsten Tagen noch einen Betrag aushandeln. Dabei soll den finanziellen Verhältnissen des jungen Mannes Rechnung getragen werden.

Ursprünglich lautet die Forderung des FCW auf 11 900 Franken (plus Zinsen). So hoch fiel die Busse aus, welche die Swiss Football League nach dem Vorfall vom 13. Mai 2017 gegen den FC Winterthur verhängt hatte. Der junge Mann aus dem Winterthurer Umland soll damals einen Knallkörper aufs Feld geworfen haben, der direkt neben FCW-Captain Patrik Schuler explodierte. Zuschauer, die den Vorfall beobachtet hatten, hielten den Petardenwerfer fest.

Den Nerv der Zeit getroffen

Weil der Fall noch nicht abgeschlossen ist und die Einigung noch scheitern könnte, wollte sich von den Beteiligten am Dienstag niemand weiter zu den Verhandlungen äussern.

Fraglos hat die Schadenersatzforderung des FCW eine Bedeutung, die über den Einzelfall hinausgeht. Nachdem der «Landbote» den Fall im Februar publik gemacht hatte, griffen Medien in der ganzen Schweiz die Geschichte auf. FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli hatte mit seiner Aussage, es sei nicht fair, dass die Clubs für das Fehlverhalten von Besuchern im Stadion bezahlen müssten, offenkundig einen Nerv getroffen. Auch die Swiss Football League unterstützte das Vorgehen des FCW.

Kein Schweizer Richturteil

Ob die Schadenersatzklage à la FCW bei den Fussballclubs Schule macht, ist abzuwarten. Wer eine Petarde geworfen hat, ist längst nicht immer feststellbar. Die Vereine bleiben dann auf dem Schaden sitzen.

Der FCW dürfte die sich abzeichnende einvernehmliche Lösung begrüssen. Die Rechtslage bliebe damit allerdings weiterhin unklar, zumal in der Schweiz ein Richturteil fehlt.

Anders in Deutschland, wo Schadenersatzforderungen gegen Störer in Stadien schon mehrfach von Gerichten bestätigt wurden – in einem Fall auch vom deutschen Bundesgerichtshof. Als modellhaft gilt ein Fall, der 2005 vor dem Landgericht Rostock verhandelt wurde. Das Gericht entschied damals, dass Zuschauer, die während eines Meisterschaftsspieles unbefugt das Spielfeld betreten hatten, für eine Busse des Deutschen Fussballbundes aufkommen müssen.

Erstellt: 27.03.2018, 19:56 Uhr

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