Zürich

Pioniere auf dem globalen Nussmarkt

Dieses Jahr feiert die Zürcher Fairtrade-Marke Pakka ihr zehnjähriges Bestehen. Entstanden ist sie, als ein Tessiner sich in den Geschmack der Cashewnüsse verliebte. Heute beweist Pakka, dass Nüsse fair produziert – und lecker sein können.

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Sie kommen mit dem Schiff aus ­aller Welt. Die Pakka-Nüsse, die Kleinbauern in Indien, Pakistan, Georgien, Bolivien, Kenia, Paläs­tina, der Elfenbeinküste, Kolumbien und China anbauen. Und sie in mühevoller Handarbeit aus ihren harten Schalen lösen. Ihr Weg führt sie nach Hamburg und einen Teil weiter in den Kanton Bern – je nachdem, ob die Nüsse industriell oder manuell geröstet und verpackt werden sollen. Dann geht es weiter zu den europäischen Bio- und Fairtrade-Grosshändlern oder in die Bio-Läden, Cafés und Bars in der Schweiz.

«Knochenarbeit»

Angefangen hat alles vor zehn Jah­ren, als der Agronom Balz Stras­ser für seine Dissertation über Kautschuk nach Indien reiste. Zufällig stiess er dort auf zwei Organisationen, die neue Absatzmärkte im Ausland für ihre fair produzierten Cashewnüsse suchten. Für Strasser war klar, er wollte Händler für diese Kleinbauern in Kerala werden. Zurück in der Schweiz holte er den Forstinge­nieur ­Ueli Baruffol ins Boot. «Ca­shew­nüsse zu handeln, fanden wir eine grossartige Idee», sagt Baruffol. «Nur Nüsse zu verschieben», das sei den beiden aber bald zu langweilig geworden. «Wir wollten unsere eigene Marke aufziehen», sagt Baruffol. Und so gründeten die zwei 2006 Pakka.

«Auf dem Papier findet noch mancher unsere Idee gut. Aber wenn es darum geht, das Porte­monnaie hervorzuholen, sieht es oft anders aus.»Tom von Euw, Pakka-Manager

Heute zählt das Unternehmen 9 Mitarbeitende, davon 7 in ­Zürich. Nebst dem Verkauf der Eigenmarke ist Pakka auch Zwischenhändler von Kernen und Nüs­sen. Eine Million Franken wurde 2015 mit den Eigenprodukten umgesetzt, vier Millionen mit den Rohwaren. Drittes Standbein ist eine Investitionsgesellschaft, die in die lokale Verarbeitung und Wertschöpfung investiert. Auf aktu­ell zehn Millionen beläuft sich das eingesetzte Kapital.

Der Preis entscheidet

Die gerösteten und gesalzenen Fair­trade- und Bio-Cashews schweiz­weit bekannt zu machen, war mit enormem Aufwand verbunden. «Knochenarbeit» sei das, sagt Baruffol: Fünf- bis sechsmal in jedem einzelnen Betrieb vorbeigehen und Klinken putzen. Die kleinen Trend-Cafés seien zwar wichtig, um die Marke bekannt zu machen. Grosse Umsätze erreiche man damit aber nicht. «Viel wichtiger sind für uns grosse Abnehmer unserer Snacks wie auch der Rohwaren», sagt Baruffol.

Mit diesen gehe es dann primär um den Preis. Für Grossisten sei der Aufwand oft zu gross; Geschichte, Werte und Arbeit, die hinter Pakka-Nüssen stehen, den Kunden zu kommunizieren. Aber genau darin liege die Herausforderung. «Unsere Idee einer vom Anbau bis zum Verzehr fairen und nachhaltigen Wertschöpfungskette soll beim Konsumenten ankommen», sagt Pakka-Manager Tom von Euw. «Auf dem Papier findet noch mancher unsere Idee gut. Aber wenn es darum geht, das Porte­monnaie hervorzuholen, sieht es oft anders aus.»

Die Launen der Märkte

Die Nuss-Pioniere wollen ihr Verteilnetz auf ganz Europa ausweiten. Das sei essenziell, sagt Baruffol. «Wir müssen unbedingt wachsen.» Seit zwei Jahren hat Pakka einen Standort in Deutschland. «Wir müssen also Zölle und Administrativkosten nicht fürchten», sagt Von Euw. Doch weil ­viele Faktoren hineinspielen, die ein Unternehmen wie Pakka nicht kontrollieren kann, sei es schwierig, eine konstante Herstellungskette zu etablieren.

«Sobald wir eine Nuss am Markt etabliert haben, verändert sich dieser wieder», sagt Baruffol. Zum Beispiel wegen politischer Umwälzungen oder klimatischen Veränderungen. Aus diesem Grund ist Pakka daran, für jede Nusssorte mehrere Partner zu finden. Fällt die Cashew-Ernte in Indien einmal dürftig aus, kann Pakka auf die Elfenbeinküste ausweichen. Dabei bleibe das Ziel, jedem Lieferanten einen möglichst grossen Teil der Ernte abzukaufen, sagt Anna Beerli, die für die Partner in Pakistan, Kenia und der Elfenbeinküste zuständig ist. «Sonst haben wir keine Chance auf dem Markt.»

Denn auch im Fairtrade- und Bio-Geschäft geht es darum, möglichst grosse Mengen zu verarbeiten und zu vertreiben, wenn man rentabel arbeiten will. «Und die Kleinbauern sollen über einen stabilen Absatz ihrer Produkte zu guten Preisen mitverdienen können», sagt Baruffol. Pakka unterstützt die Partner auch dabei, sich in Kooperativen zu organisieren und Bio- und Fairtrade-Zertifizierungen zu erhalten. Für solche Aufbauarbeit sei man nebst Förderbeiträgen auch auf Investoren angewiesen. «Über die nächsten drei Jahre benötigen wir rund zwei Millionen Franken jährlich für den Aufbau laufender Pro­jekte», sagt Baruffol.

Kenia bevorzugt die Chinesen

In Kenia beispielsweise arbeitet Pakka mit der Fairtrade-Organisation Ten Senses zusammen, die den Kleinbauern helfen will, das Marktmonopol der staatlichen Kenya Nut Company zu umgehen. Unter Ten Senses sind aktuell 50 Bauernfamilien zusammengeschlossen. Die Organisation berät und begleitet die Bauern in technischen Belangen.

Ein Hindernis, das schwieriger aus dem Weg zu räumen ist, sind die chinesischen Händler. Sie kommen schon vor dem Termin zum Zug, an dem das kenianische Ministerium die Ernte offiziell freigibt. Woher nimmt man die Energie, um weiterzumachen? «Unser Partner in Kenia macht einen hervorragenden Job, auch politisch mit Lobbying in der Regie­rung», sagt Baruffol.

Manchmal verändere sich der Markt aber auch positiv. So 2014, als die Vizepräsidentin der Fluglinie Korean Air eine Szene im Flugzeug machte, weil ihr Macadamianüsse in der Verpackung statt in einem Schälchen angeboten wurden. Durch diesen Zwischenfall, der weltweit unter dem Begriff «Nutgate» Schlagzeilen machte, wurde die Macadamianuss schlagartig bekannter, begehr­ter und auch teurer.

Die ganze Nussfamilie

Ein anderes Ziel der Zürcher Nuss­händler ist es, einen grösseren Anteil der importierten Nüsse für die Eigenmarke zu verwenden. Im Moment sind das lediglich 10 Prozent. Die anderen 90 Prozent gehen an andere Unternehmen. Und was Baruffol, Beerli und Von Euw auch wollen: möglichst die ganze Nussfamilie anbieten. «Uns fehlen zum Beispiel noch Pistazien, Pekannüsse, Pinien- und Zedern­nüsse», sagt Beerli.

Die Verarbeitung der Nüsse soll künftig, wenn möglich, an ihren Ursprungsort verschoben werden, damit das Geld im Land der Kleinbauern bleibt. Bei gerösteten Nüssen sei das weniger sinnvoll. Sehr wohl aber, wenn die Nüsse mit Schokolade überzogen werden. In Kolumbien arbeitet Pakka seit kurzem mit einer Schokoladenfirma zusammen, die dort einen Produktionsstandort hat. Bald bringt Pakka die ersten fair gehandelten Bio-M&Ms auf den Markt. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 29.06.2016, 18:41 Uhr

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