Eislaufen

Plastik-Eis fällt komplett durch

Synthetische Flächen können das Kunsteis nicht ersetzen. Das zeigt ein Test in Zürich.

Auf der Pfingstweid in Zürich West  kam ein Eisfeld mit synthetischen Platten vorübergehend zum Einsatz. Der gleiche Hersteller lieferte das Sync-Ice für den Test im Sihlhölzli.

Auf der Pfingstweid in Zürich West kam ein Eisfeld mit synthetischen Platten vorübergehend zum Einsatz. Der gleiche Hersteller lieferte das Sync-Ice für den Test im Sihlhölzli. Bild: zvg/Marco Engesser

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Für Eisfelder aus Kunststoff spricht vieles: Sie lassen sich an einem Tag auf- oder abbauen, können das ganze Jahr über genutzt werden und verbrauchen im Vergleich zum Kunsteis keine Energie. Unterhalt und Anschaffung sind günstig. Mit dem so genannten Synth-Ice liesse sich der Mangel an genügend Eisflächen in Zürich zumindest teilweise kompensieren (siehe Kasten). Dies waren auch die Gründe, weshalb die beiden Zürcher Gemeinderäte Isabei Garcia und Martin Luchsinger den Stadtrat aufforderten, den Einsatz von Synth-Ice zu prüfen. «Die zusätzliche Nutzungsdauer in wärmeren Jahreszeiten würde es Eissportlern erlauben, ihr Training auch im Sommer auf einer energetisch und ökologisch sinnvollen Kunststoff-Eisfläche in ihrer Nähe zu absolvieren», schrieben die beiden Grünen 2012 in ihrem Postulat.

Sportvereine lehnen es ab

Im Januar und Februar dieses Jahres hat die Stadt deshalb im Sihlhözli zu Testzwecken ein 200 Quadratmeter grosses Feld mit dem Plastik-Eis aufgestellt – für 22 000 Franken. Der Zeitpunkt war günstig, denn noch bis im Herbst 2017 befindet sich die Sportanlage Heuried mit den beiden Outdoor-Eisflächen in der zweijährigen Umbauphase.

Doch wie sich nun zeigt, fiel der Plastikbelag bei den Freizeitläufern, Eisprinzessinnen und «Hobby-Chneblern» komplett durch. Auch die Sportorganisationen hätten das Synth-Ice rundweg abgelehnt, sagt Hermann Schumacher, der die städtische Abteilung für Sportanlagen leitet. «Das Hauptproblem war die Gleitfähigkeit.»

Stösst man auf Synth-Ice mit den Schlittschuhen ab, kommt man höchstens einen Drittel soweit wie auf Kunsteis. «Der Kraftaufwand ist deutlich grösser, man wird viel schneller müde.»

Dolder-Chef: «Keine Option»

Dominic Lanz, Geschäftsführer der Dolder-Eisbahn, hat den Test mit Interesse beobachtet. Auch für ihn ist klar: «Das ist keine Unterlage für Pirouetten. Aufgrund des vergleichsweise starken Widerstands eignet sie sich höchstens im Spitzensportbereich für Krafttraining, den Aufbau nach Verletzungen oder für Schusstraining.»

Für Lanz ist Synth-Ice vorerst keine Option. «Aber wir werden die Entwicklung sicher beobachten. Wenn die Gleitfähigkeit an jene von Kunsteis herankommt, wird es auch für den Breitensport interessant.»

Wie einst beim Kunstrasen

Hermann Schumacher teilt diese Einschätzung. «Für Veranstaltungen mit Ambiente wie etwa an einem Weihnachtsmarkt mag es ausreichen. Aber die Entwicklung des Materials ist noch nicht soweit gediehen, dass es für den Dauereinsatz auf grösseren Flächen als ernsthafte Alternative zum normalen Kunsteis in Betracht gezogen werden kann.»

Kommt hinzu, dass Synth-Ice gar nicht so unbestritten ist wie man meinen könnte. Denn beim Herumkurven auf der Plastikfläche entsteht Abrieb, den man wegputzen muss. «Das ist nicht gerade öklologisch», sagt Schumacher. Wegen der Abnutzung sei zudem unklar, wie lange die Platten halten, respektive gut befahrbar bleiben.

Trotzdem werde er den Markt weiterhin aufmerksam beobachten und sich mit anderen Sportanlagenbetreibern autauschen, sagt Schumacher. «Wir sind zuversichtlich, dass die Materialentwicklung ähnlich wie seinerzeit beim Kunstrasen vorangetrieben wird und eines Tages ein bezüglich Gleitfähigkeit konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt kommt.»

Lieferant: «Eine Utopie»

Der Lieferant der getesteten Synth-Ice-Platten warnt jedoch vor grossen Erwartungen. «Es ist eine Utopie, zu glauben, dass Kuststoff-Eis das Kunsteis ersetzen kann», sagt Franz Sigrist von der Grüter Handels AG. «Das sagen wir unseren Kunden auch.» Die Firma mit Sitz im luzernischen Buttisholz verkauft Bodensysteme für Landwirtschaftsbetriebe und handelt nebenbei mit den Synth-Ice-Platten. Er wisse von Mitbewerbern, die Synth-Ice hypen und es als Ersatz für Kunsteis anpreisen, sagt Sigrist. Aber das sei schon rein physikalisch unmöglich: «Beim Kunsteis entsteht durch die Reibung der Kufen auf dem Eis eine dünne Wasserschicht – darauf gleitet man.» Auf den trockenen Kunststoff-Platten lasse sich dieser Gleiteffekt nie so gut erzeugen.

Ergänzung – mehr nicht

Synth-Ice mit Kunsteis zu vergleichen sei deshalb unsinnig, sagt Sigrist. «Das ist, wie wenn man im Tennis Sand-, Rasen- und Hartplatz gegeneinander ausspielen würde.» Für ihn ist das Produkt geeignet für Werbeanlässe, für den Einsatz im Sommer, für das Ambiente an einem Weihnachtsmarkt oder als Mittel, um die Lust auf das «richtige» Schlittschuhlaufen zu wecken.

Als Beispiele nennt Sigrist das Kunststoff-Eis auf der Pfingstweid oder auf dem Oberengstringer Dorfplatz. Das «OE on Ice» ist seit Jahren vor allem bei den Kindern beliebt und wird ab heute wieder eine Woche lang geöffnet. «Kurzum», sagt Sigrist: «Synth-Ice ist eine gute Ergänzung – mehr nicht.»

Erstellt: 02.12.2016, 16:31 Uhr

Zu wenig Eisflächen

Eisbahnen im Heuried und in Oerlikon sollen Dach erhalten.

Für Breitensport und Sportvereine fehlt es in Zürich an genügend Eisflächen. Das sagt auch Hermann Schumacher, Leiter der Abteilung Sportanlagen. «Alleine für die Mannschaften des ZSC würden die Eisfelder in Zürich nicht ausreichen.» Deshalb müssen die Teams für ihre Trainings unter anderem nach Bäretswil, Dübendorf und Küsnacht ausweichen.
Immerhin bringt das geplante Stadion in Zürich-Altstetten ab 2022 Entlastung. Momentan trainieren die Eishockeyspieler hauptsächlich in einer Halle und einer Aussenfläche in Oerlikon. Auf diese Eisfelder dürfen jedoch nur Sportvereine und Schulen. Freizeitläufer können sie nicht benutzen. Das liegt daran, dass auch jene Sportvereine, die sonst im Heuried trainieren, nach Oerlikon ausweichen müssen ­– zumindest so lange, bis der Umbau in der Heuried-Anlage mit den beiden Outdoor-Eisbahnen im Herbst 2017 abgeschlossen ist.
Den Freizeitläufern bleibt so nur die Dolder-Eisbahn, mit 6000 Quadratmetern Fläche immerhin die grösste offene Kunsteisfläche Europas.
Kleine mobile Kunsteis-Flächen gibt es sonst im Innenhof des Landesmuseums (26. November bis 2. Januar), im Wienachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz (24. November bis 23. Dezember) und in der Europaallee (2. bis 31. Dezember).
Diese temporären Bahnen reichen jedoch bei weitem nicht, um die Nachfrage zu stillen. Weil es an Platz und Geld für neue Anlagen mangelt, will die Stadt die bestehenden Angebote optimieren. So wird eine Aussenfläche im Heuried zu einer Halle umgebaut. Und auch in Oerlikon ist geplant, das bestehende Aussenfeld zu überdachen. Da dann auch bei Regen und Schnee trainiert werden kann, lassen sich die Nutzungsstunden dieser Eisbahnen zumindest ein wenig erweitern. hz

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