Zollikon/Zumikon

Poledance-Show erhitzt die Gemüter in der katholischen Kirche

Am Sommerfest der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon trat Akrobat Jason Brügger mit einer Nummer am chinesischen Mast auf. Die Bilder der Aufführung kamen nicht bei allen gut an.

Beim Künstler handelt es sich um den bekannten Akrobaten Jason Brügger. Dieser hatte schon Auftritte im Cirkus Knie und gewann 2016 die Show «Die grössten Schweizer Talente».

Beim Künstler handelt es sich um den bekannten Akrobaten Jason Brügger. Dieser hatte schon Auftritte im Cirkus Knie und gewann 2016 die Show «Die grössten Schweizer Talente». Bild: Keystone

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Der Auftritt des durch die Castingshows «Die grössten Schweizer Talente» und «Das Supertalent» bekanntgewordene Artist Jason Brüggers hätte ein Höhenpunkt des Sommerfest der katholischen Kirche Zollikon-Zumikon werden sollen. Doch während der Auftritt beim Publikum Anklang fand, sorgten Fotos des Künstlers auf der Website der katholischen Kirchgemeinde bei anderen für Empörung, wie 20-Minuten berichtet.

Gemeindemitglied Annette Lohmüller-Hoff etwa zeigt sich besorgt: «Die Bilder, die auf der Website der katholischen Kirche zu sehen waren, waren heftig». Die unterdessen entfernten Fotos hätten viel nackte Haut gezeigt. Lohmüller-Hoff war zwar selbst nicht am Anlass anwesend - aber die Bilder, auf denen Brügger «sich um die Stange räkelte», passen ihr nicht. «Sowas gehört nicht an ein Sommerfest», sagte sie. Laut Kirchenpflege wurden die Fotos aber nicht etwa von der Website entfernt, weil sie «pietätlos» seien. «Wir wollten mehr böses Blut vermeiden», so ein Vertreter der Kirchenpflege.

Unpassender Auftritt

Lohmüller-Hoff habe auch von anderen Eltern gehört, dass diese den Auftritt unpassend gefunden hätten. «Wir wissen nicht, was diese Showeinlage mit einem Sommerfest zu tun haben soll», so Lohmüller-Hoff.

Vertreter der Kirchenpflege sehen dies anders. «Die sechsminütige Darbietung am chinesischen Mast war Artistik, wie man es vom Zirkus kennt», sagt ein Vertreter, der während der Vorführung anwesend war. Die Performance sei überhaupt nicht anrüchig gewesen. «In jeder Badi sieht man knappere Hosen.» Ausserdem sei der Anlass nicht speziell für Kinder geplant gewesen, sondern für die ganze Kirchgemeinde.

Die katholische Kirchenpflege Zollikon-Zumikon versteht die Kritik der Mutter nicht. Bild: Archiv ZSZ.

«Kein Poledance»

Tatsächlich gäbe es einen Grund, weshalb Brügger am chinesischen Mast und nicht in seinen Paradedisziplinen mit dem Vertikaltuch oder den Strapaten aufgetreten sei: «Bei uns im Pfarreisaal hätte man weder ein solches Tuch noch ein Trapez befestigen können», erklärt die Kirchenpflege.

Zudem sei Brügger ein Überraschungsgast gewesen - ausser dem organisierenden Jugendarbeitsteam habe niemand vom Aufritt gewusst. Auch der Vergleich mit Poledancing ist für die Kirchenpflege nicht haltbar. «Der Mast ist wie eine Turnstange», so ein Kirchenpflegevertreter. Diese Form der Artistik habe nichts mit dem leicht-bekleideten Poledancing, wie man es aus dem Fernseher kenne, gemein.

Nur positives Feedback

Die Vorführung sei gut angekommen, hält die Kirchenpflege weiter fest: «Die Fragen im Anschluss an die Performance zeugten von Interesse», lässt die Kirchenpflege verlauten. Bis zur Veröffentlichung des 20-Minuten-Artikels habe man keinerlei negative Rückmeldungen erhalten.

Die Kirchenpflege hat das Gefühl, dass die Kritik weniger mit dem Auftritt als mit der Freistellung einer Religionslehrerin zusammenhange, die für Unmut gesorgt habe. «Dieser Auftritt ist das Ergebnis des neu zusammengesetzten Teams», bestätigt Lohmüller-Hoff den Verdacht. «Plötzlich muss am Fest eine Tanzshow mit einem berühmten Künstler sein.» Die Kirchenpflege hingegen beklagt, dass es nicht einfach sei, attraktive Elemente an Kirchenanlässen einzubringen. «Man kann es nicht allen recht machen».

Jason Brügger selbst hält derweil wenig von den Diskussionen rund um seinen Auftritt. Er betont: «Ich tanze nicht einfach an einer Stange, ich zeige Akrobatik auf höchstem Niveau.»

Artistisch oder anstössig? Urteilen Sie selbst. Jason Brügger bei einem Auftritt am chinesischen Mast.

Erstellt: 12.07.2019, 10:46 Uhr

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