Laborproben

Postdrohne fliegt auch am Unispital

Im Auftrag des Unispitals und der Uni Zürich will die Post mit einer Drohne Laborproben transportieren. Der einjährige Test startet am Montag.

In vier Minuten vom Unispital bis zur Uni Irchel: Der Quadrokopter kann Laborproben bis zu zwei Kilo Gewicht transportieren.

In vier Minuten vom Unispital bis zur Uni Irchel: Der Quadrokopter kann Laborproben bis zu zwei Kilo Gewicht transportieren. Bild: pd

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In der Medizin kann Tempo ein entscheidender Faktor sein. Zum Beispiel, wenn Laborproben von A nach B müssen. Bei oft verstopften Strassen scheint die Drohne dafür prädestiniert zu sein. Ihr Einsatz verursachte aber Lärm. Das surrende Gerät ist bei Anwohnern unbeliebt. Trotzdem startet die Post im Auftrag des Unispitals und der Universität einen weiteren Versuch mit Drohnen in Zürich.

Sie transportiert ab kommendem Montag ein Jahr lang Laborproben vom Unispital zu einem Labor auf dem Campus der Uni Irchel. Täglich sollen fünf bis zehn Flüge zwischen 7.30 Uhr und 16.45 Uhr stattfinden. Pausieren will man an den Festtagen zwischen dem 22. Dezember und dem 6. Januar.

Die Drohnentransporte sollen jene auf der Strasse ersetzen. Die Flugstrecke ist 2,5 Kilometer lang. Der sogenannte Quadrokopter braucht dafür nur vier Minuten inklusive Start und Landung, wie Postsprecherin Léa Wertheimer sagt. Verläuft der Versuch positiv, ziehen die Beteiligten in Betracht, die Drohne dort definitiv zu installieren.

Bald auch über den See

Es wäre bereits die zweite Strecke für medizinische Transporte in der Stadt Zürich. Demnächst soll nämlich auch jene in Betrieb gehen, die im Sommer während zweier Wochen getestet worden ist – mit rund 50 Flügen. Die 4,5 Kilometer lange Route führt über den Zürichsee und verbindet die Klinik im Park mit dem Zürcher Zentrallabor. Wegen Anwohnerprotesten, die sich gegen den Lärm wehrten, sind nun Start- und Landeplatz verschoben worden. Definitive Entscheide stehen noch aus, sollen aber laut Sprecherin Wertheimer demnächst fallen.

Bei beiden Projekten kommt der gleiche Quadrokopter der kalifornischen Firma Matternet zum Einsatz. Das Gerät wiegt laut Wertheimer 12,5 Kilo, kann maximal zwei Kilo transportieren, erreicht gut 70 Stundenkilometer und fliegt in einer Höhe von rund 110 Metern. Es ist mit einem Fallschirm ausgerüstet, der im Ernstfall blinkt und hornt. Das Gerät enthält keine Kamera, dafür aber ein Kollisionswarnsystem. Diese Drohne ist laut Wertheimer auch für Regen zertifiziert. Bei starkem Wind darf sie aber nicht fliegen.

Betroffene informiert

Sowohl beim Unispital (Nordtrakt) als auch beim Labor (Winterthurerstrasse 190) befindet sich der Start- und Landeplatz der Drohne auf einer Dachterrasse. Mit der Nachbarschaft und den Quartiervereinen stehe man in Kontakt, sagt Patrick Benz, Abteilungsleiter Services der USZ-Direktion. «Die zu überfliegende Bevölkerung wurde persönlich informiert.» Laut Wertheimer fliegt die Drohne immer dieselbe Strecke. Bei der Routenwahl habe man darauf geachtet, dicht bewohnte Gebiete zu vermeiden. Man fliege nicht die kürzeste Strecke, sondern mache einen Umweg über ein Waldstück.

Auf die Route fixiert

Sollte die Drohne in der Umgebung des Unispitals einem startenden oder landenden Rettungshelikopter in die Quere kommen, soll das Sicherheitssystem dafür sorgen, dass das Gerät entweder stehen bleibt oder sich auf dem gleichen Weg zurück­bewegt. «Die Drohne ist so programmiert, dass sie nicht von der Route abweicht», sagt Wertheimer.

Konflikte mit Flugzeugen, die am Flughafen Kloten starten oder landen, sollte es eigentlich nicht geben: «Wir fliegen ausserhalb des Flughafen-Perimeters», sagt Wertheimer. Etwas passieren kann aber immer, wie sich am 29. September zeigte. Damals kam es zu einer Beinahekollision einer Drohne mit einer voll besetzten Swiss-Maschine im Landeanflug. Die Drohne befand sich unerlaubterweise im Perimeter des Flughafens. Der gravierende Vorfall wird noch untersucht.

Kosten unbekannt

Über die Kosten des neuen Vorhabens geben die Beteiligten nur rudimentär Auskunft. Die Auftraggeber Unispital und Uni bezahlen einen Fixbetrag pro Transport, den sie nicht beziffern wollen. Die Post übernimmt sämtliche Kosten für die Entwicklung und die Etablierung der neuen Route. Wie hoch diese sind, gibt sie nicht bekannt. Wertheimer sagt, der Post gehe es nicht um einen lukrativen Auftrag, sondern darum, Erfahrungen mit der Drohne zu machen.

Diese Geräte ergänzten die traditionelle Paketzustellung und den Pöstler, ersetzten sie aber nicht, schreibt die Post. Im Vordergrund ihrer Drohnenlogistik stünden spezielle Transporte wie etwa Blutproben.

Auch in Lugano und Bern laufen Drohnenprojekte der Post im Medizinalbereich. Bei Unfällen oder Transportschäden haftet die Post übrigens wie bei normalen Transporten. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 05.12.2018, 08:38 Uhr

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