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«Religiöse Vielfalt fasziniert und irritiert zugleich»

Samuel Behloul ist katholischer Theologe und Islamwissenschaftler. Seit September ist er neuer Fachleiter für Christentum im Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID).

Der Theologe und Islamwissenschaftler Samuel Behloul will den innerkirchlichen Dialog, aber auch die Verständigung zwischen den Religionen fördern.
Der Theologe und Islamwissenschaftler Samuel Behloul will den innerkirchlichen Dialog, aber auch die Verständigung zwischen den Religionen fördern.
Heinz Diener

Herr Behloul, Sie sind neuer Fachleiter für Christentum beim ZIID. Sie haben sich aber auch jahrelang mit Islam beschäftigt. Muss man in der Schweiz Angst haben vor dem Islam?Samuel Behloul:Man muss keine Angst haben vor dem Islam, sondern vor Menschen mit krimineller Energie und allerlei Gewaltfantasien. Im 20. Jahrhundert hatten wir zwei Weltkriege, die kaum etwas mit Religion zu tun hatten. Dafür gab es Nationalismus und Rassenwahn. In deren Namen konnte man junge Menschen singend an die Front schicken. Auch der IS überfällt singend Dörfer und metzelt sadistisch Leute nieder. Für mich stellt sich nicht die Frage, was los ist mit dem Islam, sondern, was ist los in einer Gesellschaft, in der man Menschen im Namen einer Religion dazu motivieren kann, andere zu töten. Was mich besorgt, ist nicht die Präsenz verschiedener Religionen in der Schweiz, sondern dass wir die Notwendigkeit des Dialogs unterschätzen. Heute begegnen wir verschiedenen Religionen, Kulturen und Denkweisen auf der Strasse, in den Schulen und auch in den eigenen Familien. Es stellt sich die zentrale Frage: wie wollen wir in dieser Vielfalt und Differenz zusammenleben?

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