Winterthur

Rendezvous mit der perfekten Welle

Seit gestern kann in der alten Sulzerhalle 1009 gesurft werden. Ist die künstliche Welle freundlicher als ihre natürlichen Pendants im Meer? Ein Surfversuch.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer schon im Meer gesurft hat, weiss: Timing ist alles. Auf dem Brett liegend dreht man den Kopf, schaukelnd, und hält nach einer wohlgesinnten Welle Ausschau. Dann heisst es plötzlich: paddeln, was das Zeug hält. Startet man zu früh oder zu spät, geht die Welle unter einem durch. Steht man zu langsam auf oder nicht stabil auf dem Brett, plumpst man ins Meer. Alles geht blitzschnell und jeder kleine Fehler rächt sich.

Mit dieser Erfahrung im Kopf betreten wir die Sulzerhalle 1009. Hier hat die Eventfirma Pointbreak in den letzten zehn Tagen eine Anlage aufgebaut, die eine konstante, 7,5 Meter breite Welle erzeugt. Das Becken sieht im Ruhezustand harmlos aus wie ein mittelgrosser Hotelpool mit zu wenig Wasser, aber wehe, wenn die acht Hochleistungspumpen laufen. Dann erfüllt ein infernaler Lärm die wohlig beheizte und mit einer Strandbar aufgehübschte Industriehalle und das Wasser schiesst tobend durch das Becken. Nach der Disney-Version von Surfen sieht das nicht aus.

Die Kinetik scheint verkehrt herum. Hier wird nicht mit der Bewegung, sondern gegen das Wasser gesurft, das unter einem durchschiesst. Dafür aber auf einer perfekten, stehenden Welle. Nur, wie kommt man da rein?

Instruktor Marcel Federle machts vor: Erst setzt man sich an den Beckenrand, lässt mit einer Hand das Surfboard auf die Welle gleiten. Dann stellt man die Füsse drauf, schön parallel, etwas mehr Gewicht auf dem hinteren als auf dem vorderen Fuss. Erscheint das Brett stabil, steht man auf, die Hände noch am gepolsterten Beckenrand. Dann «loslassen» und «locker bleiben», wie einem Federle noch nachruft.

Schnelle Erfolge

Der Take-off ist behäbiger als im Meer, geht ohne Kraftanstrengung. Schon nach einem halben Dutzend Versuchen kommt jeder in der Anfängergruppe in die Welle, der Respekt vor der tosenden Anlage und die Angst, sich zu blamieren, hat sich gelegt. Das Gefühl auf dem Brett ist dasselbe wie im Meer, und wie dort reicht ein kleiner Lapsus und man wirbelt durchs Wasser. Gefährlich sei das nicht, versichert der Veranstalter. Blaue Flecke kanns aber geben.

Spass macht dieses Indoor-Surfing allemal. Man hat schnell sein Erfolgserlebnis. Nur auf die hübsche Strubbelfrisur, die einem das Meer schenkt, muss man im chlorierten Wasser verzichten. Und auch der athletische Körper bleibt dem Hallensurfer verwehrt. Denn für den muss man paddeln, paddeln, paddeln.

Erstellt: 12.02.2016, 21:49 Uhr

Das Kleingedruckte

Die stehende Welle ist bis am 28. März in der Halle 1009 zu Gast (Jägerstrasse 50, zurückversetzt). Über die Öffnungszeiten und alles Weitere informiert die Website www.wannasurf.ch, über die man seine Surfsession online buchen kann. 45 Minuten inklusive Brett und Neoprenanzug kosten 45 Franken, maximal 10 Personen nutzen die Welle abwechselnd. Minderjährige brauchen eine schriftliche Einwilligung der Eltern. mcl

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.