Obertor

Rendite bolzen oder Ideen spinnen am Ort des alten Polizeipostens

Wenn die Stadtpolizei in fünf Jahren am Obertor auszieht, wird ein grosses Stück Altstadt frei für neue Nutzungen. Was solls sein? Ein Wellness-Zentrum mit Hotel? Oder lieber eine Spielwiese für unerwartete Entwicklungen?

In fünf Jahren zieht die Polizei aus dem Gebäude am Obertor.

In fünf Jahren zieht die Polizei aus dem Gebäude am Obertor. Bild: Heinz Diener

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Vier Jahre ist es her, da machten sich drei eigens dafür eingeladene Expertenteams Gedanken zur Neunutzung der Polizeigebäude zwischen Obertor und Badgasse. Ein Hamam im maurisch anmutenden Backsteinbau der Verwaltungspolizei war einer der schlagendsten Vorschläge. Den Rettenbach wie einst wieder durchs Neustadt-Quartier fliessen lassen, hiess eine Idee, der kaum Chancen eingeräumt wird. Und natürlich war da — wie immer in derartigen Planungsfragen — auch von «bedeutenden Entwicklungsmöglichkeiten» die Rede.

Wer baut was in der Moschee?

Seither ist auf Seiten der Stadtentwicklung nur wenig gegangen: Man gab eine Marktabklärung in Auftrag mit der Frage: Interesieren sich Investoren und Betreiber konkret für die «Badewannenmoschee», um dort ein Wellnesszentrum zu führen? Dann sistierte man vor der Volksabstimmung über das neue Politeigebäude diese Abklärung, reaktivierte sie wieder nach dem positiven Ausgang, und jetzt wartet man auf die Ergebnisse der Analyse. «Eine solche Ankernutzung würde bei weiteren Schritten helfen», sagt Winterthurs offizeller Stadtentwickler Mark Würth.

Nun meldet sich eine Gruppe zu Wort, die eine ganz andere Strategie vor Augen hat. «Die wunderschöne Winterthurer Innenstadt leidet an inhaltlicher Leere», findet diese Gruppe und nennt sich deshalb Arbeitsgruppe Inhalt am Obertor. Es sind drei gut vernetzte und sehr aktive Kulturmanagerinnen: Ramona Früh, die unter anderem bei der Konzertreihe Molton und beim Literatur-Open-Air Lauschig mitmacht, Liliane Hollinger vom Kino Cameo und Nico Feer, Musiker und Kultur-Organisator.

Sich Zeit lassen für neue Ideen

Sie wollen, «dass man am Obertor auch Sinn findet, dass man Leidenschaften pflegen, Ideen entwickeln und Talente aufbauen kann». Nico Feer denkt etw an einen unkuratierten Kunstort oder an «Pop-Up-Stores», die aufgehen, um schon bald wieder zu schliessen und wo sich Geschäftsideen testen lassen. Kurz: an eine Brache, wie sie der Lagerplatz im Sulzerareal war und zum Teil noch ist. «Man sollte sich Zeit lassen, damit sich Ideen entwickeln können», sagt Feer: «Es wäre ein Fehler jetzt ein Konzept hinzuklotzen, das alles verbaut.»

Das kulturell aktive Trio hat, um nicht zu dritt im stillen Kämmerlein Ideen zu generieren, die Kulturlobby zu Rate gezogen und eine breit gestreute Umfrage lanciert. Dabei seien, so Feer, auch Vorschläge genannt worden wie Klosterzellen im Zentrum zu sprituellen Zwecken.

Es gehe ihnen, stellt Feer klar, keineswegs darum, noch einen weiteren Ort für Konzerte oder Theater zu schaffen. Gefragt seien jedoch neue «auch verrückte Ideen». Im Mai werde man die Rückmeldungen zusammenfassen und dann einen alternativen Nutzungsvorschlag präsentieren.

Auf dem politischen Parkett

Seit Montag ist die Ideensuche auch ein politisches Thema im Stadtparlament. Gemeinderätin Katharina Gander (AL) hat zusammen mit SP, EVP, Grünen und Grünliberalen eine Interpellation eingereicht, die Fragen stellt zum frei werdenden Polizeiareal. Eingeflossen ist darin auch die oben erwähnte Idee einer nicht primär auf Rendite getrimmten Brachfläche, um am Obertor eine «fliessende nachhaltige Entwicklung» zu fördern.

Erstellt: 29.03.2017, 16:45 Uhr

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