Analyse

Ruedi Noser – in der Mitte des Freisinns

Ruedi Noser soll für die FDP die Nachfolge des zurücktretenden Felix Gutzwiller antreten.

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Wo steht Ruedi Noser innerhalb der eigenen Partei?
Von seinen Positionen her ist er ein ausgewogener Freisinniger, der keine Extrempositionen vertritt. Wie praktisch alle seiner Parteikolleginnen und -kollegen betreibt er eine betont wirtschaftsfreundliche Politik. In der Zürcher Kantonalpartei war seine Nomination als Ständeratskandidat unumstritten. Von 2003 bis 2009 war Noser Vizepräsident der FDP Schweiz.

Welche Politerfahrung bringt er mit, und wie ist er politisch vernetzt?
Ruedi Noser ist bereits seit rund zwölf Jahren Nationalrat und war auch schon als Bundesratskandidat und möglicher Parteipräsident im Gespräch. Im Nationalrat präsidiert er die wichtige Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Vor seiner Wahl in den Nationalrat war er vier Jahre lang im Zürcher Kantonsrat. Noser gilt als pragmatisch und kompromissfähig und ist über die Grenzen seiner Partei hinaus in Bern gut vernetzt.

Wie kommt der Kandidat bei anderen Parteien an?
Als Vertreter aus der Mitte der FDP könnte Noser auch bei Wählerinnen und Wählern von Mitteparteien Stimmen holen. Die BDP etwa unterstützt seine Ständeratskandidatur. Links der Mitte hingegen dürfte es der Mann aus der Wirtschaft schwerer haben. Angespannt ist auch das Verhältnis zur SVP, eine Zusammenarbeit bei den Ständeratswahlen lehnten beide Parteien ab. Uneinigkeit mit der SVP besteht beispielsweise in der Frage der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative.

Ist der Politiker volksnah?
Der im Kanton Glarus in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Noser hat sich beruflich und politisch hochgearbeitet. Sein Weg zum Unternehmer begann mit einer Lehre als Maschinenmechaniker. Trotz seines Erfolges hat er eine gewisse Bodenhaftung nicht verloren.

Welches Kernanliegen vertritt der 54-Jährige?
Sein zentrales politisches Thema ist die Wirtschaft. Besonders stark engagiert er sich beispielsweise für den Innovationspark. Auch der Finanzplatz ist ihm, unter anderem wegen der zahlreichen Arbeitsplätze, die davon abhängen, wichtig. Als typischer Liberaler sieht Noser die Hauptaufgabe des Staates darin, die Rahmenbedingungen in allen Bereichen so zu gestalten, dass dem Einzelnen möglichst viel Freiraum für eigene Entscheidungen bleibt.

Was hat der Nationalrat bisher politisch bewegt?
Noser gehörte zu denjenigen Parlamentariern, die vor einigen Jahren frühzeitig erkannt haben, dass das Bankgeheimnis für ausländische Kunden keine Zukunft mehr hat. An der Erarbeitung der neuen Regeln für den automatischen Informationsaustausch (AIA) war er stark beteiligt. Mit dem Innovationspark befindet sich ein weiteres politisches Steckenpferd von Noser derzeit auf der Zielgeraden.

Welche Interessenbindungen hat er?
Nosers Liste von Interessenbindungen, die er wie alle National- und Ständeräte offenlegen muss, ist auf den ersten Blick zwar lang, besteht aber weitgehend aus Verwaltungsratsmandaten bei Firmen seiner eigenen Unternehmensgruppe. Andere bezahlte Mandate übt er gemäss eigener Aussage keine aus. Er ist somit sehr unabhängig.

Wie steht es um die Wahl­chancen des Kandidaten?
Noser zählt zu den Favoriten, weil er nebst einer fast geschlossenen Unterstützung der FDP-Anhänger auch mit Stimmen von Wählern anderer Parteien rechnen kann. Im ersten Wahlgang dürfte er somit einen der vordersten Plätze belegen. In einem als sehr wahrscheinlich geltenden zweiten Wahlgang könnten sich jedoch Konstellationen ergeben, die seine Chancen schmälern. Zieht sich aber ein anderer Kandidat zu seinen Gunsten zurück, steigen seine Erfolgsaussichten.

Wie viel eigenes Geld steckt der Kandidat in den Wahlkampf?
Laut eigener Aussage keinen Rappen. Nosers Wahlkampfbudget kann sich trotzdem sehen lassen: Gemäss Angaben auf seiner Internetseite hat er bis Mitte September Spenden in der Höhe von fast 350 000 Franken erhalten. ()

Erstellt: 06.10.2015, 16:52 Uhr

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