Benken

Sang- und klangloses Aus von etwas Service Public

Noch zwei Jahre und die Benkemer Telefonzelle wäre gut 40 Jahre lang im Betrieb gewesen. Doch nun ist sie fast spurlos verschwunden.

Hier stand mal eine Telefonzelle: Wegen «rückläufiger Nachfrage nach der öffentlichen Sprachstelle der Swisscom AG» wurde sie abgerissen.

Hier stand mal eine Telefonzelle: Wegen «rückläufiger Nachfrage nach der öffentlichen Sprachstelle der Swisscom AG» wurde sie abgerissen. Bild: Melanie Duchene

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Schliesst ein Dorfladen, eine Beiz oder eine Post- oder Bankfiliale, sind Klagerufe zu hören. Die Rede ist dann vom Verlust sozialer Treffpunkte im Dorf. Anders bei einer öffentlichen Telefonzelle wie zum Beispiel jener in Benken im Zürcher Weinland: Weil von ihr aus so gut wie keine Anrufe mehr ausgingen, ist sie kürzlich demontiert worden.

Doch immerhin hat sie es auf die Frontseite des Benkemer Mitteilungsblattes geschafft. Im kleinen Abgesang begründet Gemeindepräsidentin Beatrice Salce, weshalb es die Telefonzelle nicht mehr gibt. Aufgrund der «rückläufigen Nachfrage nach der öffentlichen Sprechstelle der Swisscom AG» habe der Gemeinderat dem Anliegen von Swisscom entsprochen, die Telefonzelle aufzuheben.

Teil der Grundversorgung

«Im Jahre 2013 erfolgten lediglich zwei Gespräche ab dieser Sprechstelle, mit rückläufiger Tendenz», schreibt Salce. Am frei werdenden Platz, direkt neben der Postautohaltestelle im Dorfzentrum, werden nun Sitzbänke für ÖV-Kunden aufgestellt. Solche Bänke wird es auch für die Haltestelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite geben.

Doch gehört eine öffentliche Telefonzelle in einem Dorf nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen Grundversorgung? «Da heute fast jeder ein Handy besitzt, sind Publifone mittlerweile ein Nischengeschäft und sie werden immer weniger genutzt», sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk auf Anfrage. In Fällen, in denen gar keine Nachfrage nach der Dienstleistung bestehe, würden auch Schliessungen umgesetzt.

Die Nutzungshäufigkeit oder die Rentabilität alleine seien aber kein genügendes Kriterium, um die Aufhebung einer öffentlichen Sprechstelle zu rechtfertigen. Wie viel die Benkemer Telefonzelle in der Anschaffung und im Unterhalt kostete, dazu will Swisscom keine Angaben machen. Dies, obschon der Bund und damit die öffentliche Hand Haupteigner des Unternehmens ist.

Auch zur Nutzung der Benkemer Zelle in den letzten paar Jahren kommuniziert Swisscom keine Zahlen. Nur so viel: Die nun entfernte Telefonzelle sei circa 1978 in Betrieb genommen worden, sagt Merk. Generelle Kostentreiber bei solchen Zellen seien zum Beispiel die Standortmieten oder Reparaturkosten infolge Vandalismus.

Gemeinde kann verzichten

Momentan betreibt die Swisscom in der Schweiz 4096 Telefonzellen (Stand Ende 2015). Davon gehören 2949 zur Grundversorgung. Zu dieser Versorgung sollen Publifone noch mindestens bis 2017 zählen, sagt Merk. Die eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) lege periodisch die Anzahl von Standorten pro Gemeinde fest, an denen sich mindestens eine öffentliche Sprechstelle befinden muss.

Bei der Festlegung der Zahl obligatorischer Standorte pro Gemeinde berücksichtige die ComCom vor allem die Einwohnerzahl, die Fläche und die spezifischen Besonderheiten der Gemeinde. Sie stelle sicher, dass in jeder Politischen Gemeinde mindestens eine öffentliche Sprechstelle vorhanden sei, «es sei denn, die Gemeinde verzichtet darauf» — wie im Fall Benken.

In der Grundversorgung schliesst Swisscom eine Telefonzelle nur dann, wenn die Gemeinde ihr Einverständnis dazu gibt und der Schliessungsantrag von der ComCom genehmigt wird. «Lehnt eine Gemeinde das Gesuch der Swisscom ab, so bleibt das entsprechende Publifon selbstverständlich bestehen und wird von Swisscom weiterhin betrieben», sagt Merk. (zuonline.ch)

Erstellt: 08.04.2016, 11:55 Uhr

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