Bezirksgericht

Slowake erpresst homosexuellen Pfarrer

Am Mittwoch muss sich ein 43-jähriger Slowakevor Gericht verantworten, weil er einen Pfarrer damit erpresst hatte, ihn als Homosexuellen zu outen. Die Staatsanwaltschaft fordert 40 Monate Haft und einen fünfjährigen Landesverweis.

Ein Pfarrer wurde von einem Clan mit Fotos erpresst. Auch einem zweiten Mann wurde per SMS gedroht.

Ein Pfarrer wurde von einem Clan mit Fotos erpresst. Auch einem zweiten Mann wurde per SMS gedroht. Bild: Symbolbild/Keystone

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Im Zentrum der Erpressergeschichte, die am Mittwoch vor dem Bezirksgericht verhandelt wird, stehen Fotos. Sie sollen einen Pfarrer zeigen bei sexuellen Handlungen mit anderen Männern. Der Beschuldigte, der sich vor Gericht verantworten muss, ist Slowake und 43 Jahre alt. Er hatte den Pfarrer zusammen mit weiteren Landsleuten mit den Fotos erpresst. Gemäss Anklageschrift hatten sich der Slowake mit seinem Clan den Pfarrer ausgesucht, weil er wusste, dass dieser «der Menschenliebe und der Hilfe gegenüber Notleidenden aus Glauben und Beruf verpflichtet war». Am Anfang gab sich der Beschuldigte harmlos. Er erklärte, er brauche dringend Geld, er müsse « eine Unterkunft zwecks Arbeitsantritts» finanzieren, Lebensmittel und Rechnungen für die Familie oder Gesundheitskosten bezahlen. Er würde das Geld zurückbezahlen, sobald er Arbeit hätte, versprach er. Das passierte natürlich nie. Heute schuldet er dem Pfarrer zwischen 40 000 und 100 000 Franken.

Kreditkarten, die auf den Namen des Pfarrers laufen

So überredete der Beschuldigte den Pfarrer, einen Kunden-Kreditkartenvertrag beim Media Markt auf seinen Namen abzuschliessen. Damit erwarb der Clan des Slowaken Waren für 4900 Franken und verkaufte sie weiter. Das Geld behielten die Männer ein. Drei Monate später wiederholte sich dasselbe Spiel mit einer Kunden-Kreditkarte für das Conforama, wiederum lautend auf den Namen des Geschädigten. Dieser selbst kaufte elektronische Geräte für total 5000 Franken und übergab sie dem Beschuldigten. Auch vom Erlös des Verkaufs dieser Artikel sah der Pfarrer nichts.

«Der Beschuldigte wusste, dass der Pfarrer der  Menschenliebe und der Hilfe gegenüber  Notleidenden aus Glaube und Beruf verpflichtet war.»Aus der Anklageschrift

Doch damit nicht genug. Um die gegenüber dem Mediamarkt ausstehenden Zahlungen zu begleichen, übergab der Pfarrer dem Clan eine Standuhr mit dem Auftrag, diese für mindestens 2500 Franken zu verkaufen. Der Beschuldigte tat dies, behielt aber die Einnahmen für sich, statt sie wie vereinbart dem Geschädigten zu übergeben. Dasselbe Vorgehen wiederholte sich mit einer Kuhglockensammlung im Wert von über 800 Franken.

Zweiten Mann mit SMS-Drohungen erpresst

Etwa ein halbes Jahr nach diesen Vorfällen tauchte der Beschuldigte zusammen mit einem anderen Clanmitglied beim Pfarrer zuhause auf. Sie forderten je 900 Euro Bargeld. Der Pfarrer wollte nicht bezahlen. Der Beschuldigte und sein Mittäter drohten ihm daraufhin mit der Veröffentlichung von Bildern, die den Pfarrer bei sexuellen Handlungen mit Dritten zeigten. Auch Informationen über eine sexuelle Beziehung zwischen dem Mittäter des Beschuldigten und dem Pfarrer würden sie öffentlich machen. Trotz dieser massiven Drohung bezahlte der Pfarrer nicht. Kurz darauf wurden der Beschuldigte und sein Mittäter verhaftet.

«Ein Teufel, den man töten oder zumindest schlagen sollte»Aus der Anklageschrift

Mit einer ähnlichen Masche hatten der Beschuldigte und sein Clan bereits einen anderen gläubigen Mann um 7000 bis 10 000 Franken erleichtert. Auch hier hatten sie die Gläubigkeit laut Anklageschrift schamlos ausgenützt. Der Beschuldigte und zwei weitere Männer des Clans überredeten den Mann dazu, sie in eine Verkaufsfiliale von Mobile Zone zu begleiten. Dort drin setzten sie ihn derart unter Druck, dass er ihnen jeweils ein neues Smartphone kaufte. Vom Beschuldigten war er zuvor mit drohenden SMS eingeschüchtert worden. Darin hiess es, er habe mit jungen Roma Sex gehabt, was verboten sei, dass er ein Teufel sei, den man «töten oder zumindest schlagen sollte».

Gemäss Anklageschrift hat sich der Beschuldigte der mehrfachen Veruntreuung, des gewerbsmässigen Betrugs und der versuchten gewerbsmässigen Erpressung schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 40 Monaten und fünf Jahre Landesverweis. (Landbote)

Erstellt: 04.12.2018, 17:05 Uhr

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