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SOB testet Züge ohne Lokführer

Die Südostbahn übernimmt eine Pionierrolle. Als erstes Schweizer Verkehrsunternehmen wird sie Züge automatisch fahren lassen. Start des Pilotbetriebs soll 2020 sein – ohne Passagiere. Getestet wird im Toggenburg.

Das Rollmatieral der SOB wie der Flirt-Zug können mit relativ geringem Aufwand technisch für den automatisierten Betrieb angepasst werden.
Das Rollmatieral der SOB wie der Flirt-Zug können mit relativ geringem Aufwand technisch für den automatisierten Betrieb angepasst werden.
zvg/SOB

Über das selbstfahrende Auto ­reden viele, und einige Hersteller bauen schon ­daran. Aber Züge ohne Lokführer wirken noch wie Science Fiction. Dies, obschon sie im Gegensatz zur Strasse auf Glei­sen nur eindimensional fahren: vorwärts oder rückwärts. Nun übernimmt die Südostbahn (SOB) eine Vorreiterposition für den automatischen Fahrbetrieb auf der Schiene. Beim Bundesamt für Verkehr hat sie ein Finanzierungsgesuch für die Ausschreibung eines Pilot­betriebs eingereicht. Zum ersten Mal sollen in der Schweiz auf offe­ner Strecke im Mischverkehr Züge automatisch rollen.

Keine Anschaffungen nötig

Für Markus Barth, Mitglied der SOB-Geschäftsleitung, zuständig für Infra­struk­tur, ist das ein logischer Schritt. «Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam ­voran.» Als innovationsfreudiges Bahnunternehmen biete sich der SOB die Pionierrolle für das Projekt Automatic Train Operation (ATO) an. «Ein automatisierter Fahrbetrieb ist auf der bestehenden Infra­struk­tur und mit dem Einsatz von bestehenden Fahrzeugen möglich», begrün­dete Barth das Engagement.

Die Vorteile von ATO zählte der Projektleiter auf: Kapazitätssteigerung, höhere Pünktlichkeit, keine überfahrenen Signale, bessere Wirtschaftlichkeit. Die Unregelmässigkeiten und zuweilen Unzuverlässigkeiten der individuell veranlagten Menschen sollen also durch den Com­puter beseitigt werden. So hätten Untersuchungen in Eu­ropa er­geben, dass die Automatik bis zu 25 Prozent an Fahr­energie sparen hilft.

«Moderne Fahrzeugsteuerungen können schon heute mehr, als wir nutzen», erklärte Barth am Donnerstag an einer Pressekonferenz in ­Zürich. So sei es einfach, Zeit zu gewinnen, indem etwa Wendemanöver dem Computer überlassen würden. Heute muss ein Lokführer für den Fahrtrichtungswechsel 30 Manipulationen ausführen. «Das kann man auch automatisch machen. Die ersten Schritte zum automatisierten Fahren sind kleiner als vermutet», sagte der Projektleiter.

Mit Fahrgästen nicht vor 2023

Noch in diesem Jahr findet die Ausschreibung statt. Mitte 2018 soll der technische Partner gekürt werden. Es braucht ein System, das nicht nur planmässig die Strecke abfahren kann, sondern auch alle Hindernisse im Gleisbereich erkennt und entsprechend reagiert. Eigene Entwicklungen und Investitionen sieht die SOB nicht vor. Hält der Zeitplan, werden die einzusetzenden Fahr­zeuge 2019 ausgerüstet, 2020 beginnt der Testbetrieb. Die Probestrecke zwischen Mogels­berg und Watt­wil im Toggenburg ist rund 15 Kilometer lang, verfügt über moderne Stellwerke und weist nur einen Bahnübergang auf. Später soll führerlos bis Ness­lau gefahren werden – aber nie mit Passagieren.

Falls alle Tests die Funktionstüchtigkeit des Systems bestätigen, könnte zwischen 2023 und 2025 der kommerzielle Betrieb anrollen. «Es ist noch ein weiter Weg», sagte Markus Barth. Die SOB wolle in kleinen Schritten Erfahrung sammeln und nicht blind einem Traum nach­eifern. Das Pilotprojekt «soll nachhaltig sein für die gesamte Bahn in der Schweiz», betonte er.

Noch etwas stellte der Projektleiter klar: «Die SOB will keine Phantomzüge. Wir werden auch in Zukunft Personal auf unseren Zügen haben.» Dennoch werde sich laut Barth das Berufsbild des Lokführers grundsätzlich ­ändern. Er wird zum Über­wacher eines Systems, das ihm im Führerstand die Arbeit abnimmt. Und er bleibt dort vorne wohl auch zur Beruhigung der Menschen hinter ihm im Zug.

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