Winterthur

Spinnerei Sennhof wird geschlossen

Die letzte Baumwollspinnerei der Schweiz wird geschlossen. Es kommt zu einer Massenentlassung.

Die Herrmann Bühler AG in Sennhof bei Winterthur war die letzte Baumwollspinnerei der Schweiz: 139 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Die Herrmann Bühler AG in Sennhof bei Winterthur war die letzte Baumwollspinnerei der Schweiz: 139 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Bild: Moritz Hager

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Es folgt ein weiteres, trauriges Kapitel der Winterthurer Indus­triegeschichte: Die letzte Spinnerei der Schweiz, die Hermann Bühler AG, wird voraussichtlich ihren Betrieb Ende Oktober einstellen. Zwar läuft momentan noch das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren. Doch bereits jetzt ist klar: «Die meisten Mitarbeiter werden ihre Stelle verlieren», sagt CEO Martin Kägi. Für solche Situationen habe die Hermann Bühler AG ­bereits früher einen Wohlfahrtsfonds gegründet. «Da sind erhebliche Mittel drin, um Härtefälle zu mindern.»

Erfinderisch und zäh

In den vergangenen Jahren galt die Hermann Bühler AG als letzte Schweizer Kämpferin in der Spinnereibranche. Und sie machte dabei eine gute Figur. Mit zwei Entwicklungen schaffte sie es, sich von den Konkurrenten abzuheben: Sie stellte Fasern her, die als Garn, als Stoff oder auch erst als Kleidungsstück gefärbt werden können. Das erlaubt Textilienherstellern, schneller und flexibler auf Trends zu reagieren. Die andere Erfindung war das Airjetspinnen, das Rieter in Winterthur entwickelt hatte. Knapp die Hälfte der Versuchsmaschinen standen bei Bühler in Sennhof, so konnte die Firma als Pionierin das Luftspinnen nutzen. Mit dem Verfahren erreicht man eine bessere Garnqualität und spart erst noch Energie.

Starke Konkurrentin Türkei

Und trotzdem steht die Firma nun vor der Schliessung. Es sind zwei Faktoren, wie Kägi sagt, die die Hermann Bühler AG dazu zwingen, die Produktion einzustellen. «Die Aufhebung des Frankenmindestkurses im Januar 2015 war ein heftiger Schlag für uns. Wir waren vorerst zuversichtlich und versuchten den Wechselkurs mit drakonischen Sparprogrammen zu kompensieren.» Doch ab April 2015 kam eine grosse Absatzschwäche dazu. «Und das, obwohl wir schon lange in Euro fakturierten und unsere Preise nicht angehoben hatten, um im europäischen Umfeld wettbewerbsfähig bleiben zu können.» Gegen die Kombination aus Frankenproblematik und Absatzschwäche habe man kein Mittel gefunden.

Kägi sieht in der Absatzschwäche ein gesamteuropäisches Phänomen. Türkische Firmen seien eine harte Konkurrenz für alle westeuropäischen Firmen. «Die Türkei macht gute Produkte zu günstigen Preisen», sagt Kägi. Zudem kämpfe der hochwertige Bereich, in dem die Firma Hermann Bühler AG tätig sei, mit einem starken Nachfragerückgang. «Der Trend zu Billigklamotten legt zu, mittlere bis gehobene Preislagen kämpfen», sagt Kägi. Dann doppelt er nach und wird emotionaler: «Die Aufhebung des Mindestwechselkurses war ein ganz grosser, ein kapitaler Fehler.» Der Schweizer Export leide extrem unter dem Entscheid der Nationalbank. «Klar, vielleicht ist die Schweiz nicht mehr der richtige Ort für die Textilindustrie», sagt Kägi. Aber man müsse in einem grösseren Rahmen denken. Die exportierende Industrie sei entscheidend für den Wohlstand dieses Landes.

Noch kein Plan für die Gebäude

Und was passiert mit den Gebäuden der Hermann Bühler AG in Sennhof? Deren Bewirtschaftung werde ein neues Standbein für die Firma, sagt Kägi, der auch als CEO der Tochterfirma Buhler Quality Yarns in den USA weitermacht, aber in Winterthur wohnen bleibt. «Ich muss mich in ein neues Geschäftsfeld einarbeiten», sagt Kägi. Konkrete Pläne für die Immobilien gebe es aber noch nicht.

Erstellt: 09.06.2016, 15:34 Uhr

«Die Aufhebung des Mindestwechselkurses war ein grosser, ein kapitaler Fehler», sagt Martin Kägi, CEO Hermann Bühler AG. (Bild: Marc Dahinden)

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