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Stadelhofen-Ausbau gefährdet

Die Zürcher Regierung hält den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen für gefährdet. Die Gefahr bestehe, dass er aus dem Ausbauprogramm 2030 des Bundes falle.

Der Bahnhof Stadelhofen während des letzten Ausbaus am 4. Februar 1988.
Der Bahnhof Stadelhofen während des letzten Ausbaus am 4. Februar 1988.

Mit 81 000 Fahrgästen täglich ist der Bahnhof Stadelhofen der achtgrösste Schweizer Bahnhof. Er ist stärker frequentiert als die Bahnhöfe Genf, St. Gallen oder Zürich-Flughafen. Weil Stadelhofen aber nur drei Gleise hat und die Abzweigung an die Goldküste nicht kreuzungsfrei erfolgt, ist er das Nadelöhr im S-Bahn-System. Jede Störung hat Auswirkungen auf grosse Teile des Gesamtsystems.

Für den Kanton Zürich hat das vierte Gleis am Stadelhofen deshalb höchste Priorität. Und damit verbunden ebenso der Ausbau auf eine Doppelspur Richtung Bahnhof Tiefenbrunnen. Drei FDP-Kantonsräte machen sich aber Sorgen, weil das Bundesamt für Verkehr den Stadelhofen-Ausbau nur in zweiter Priorität in der Planung hat. Und dort steht er zudem in Konkurrenz zu anderen Bahnprojekten. Die drei Parlamentarier reichten deshalb eine Anfrage ein, die der Regierungsrat nun beantwortet hat.

Aus der Antwort geht hervor, dass die Sorge der Kantonsräte sehr berechtigt ist. Die Regierung schreibt nämlich: «Die Aufnahme des Bahnhofs Stadelhofen in den Ausbauschritt 2030 ist (...) heute keineswegs sichergestellt, sondern sogar gefährdet.» Für den Bau des vierten Gleises sei die Aufnahme in diesen Ausbauschritt (Step) zwingend erforderlich. Laut Angaben der Regierung bereitet der Bund derzeit zwei Varianten dieses Ausbauschrittes vor: eine im Umfang von 7 Milliarden und eine von 12 Milliarden Franken.

Neue Grenzwerte

Gemäss heutigem Informationsstand sei Stadelhofen in der kleinen Variante überhaupt nicht enthalten. Dies aufgrund einer Neudefinition der Grenzwerte für überlastete Züge, die der Bund vorgenommen hat. Diese Neudefinition habe zur Folge, dass das Projekt Stadelhofen auf Bundesebene mit geringerer Priorität eingestuft worden sei. In der grösseren Ausbauvariante des Bundes stehe Stadelhofen in grosser Konkurrenz zu anderen Ausbauten, schreibt die Regierung.

Die neuen Grenzwerte für überlastete Züge beruhen auf einem gegenüber heute wesentlich höheren Anteil an Stehplätzen in den Zügen. Ein Zug muss also viel mehr Passagiere aufnehmen als heute, was laut Regierung zu längeren Ein- und Aussteigezeiten und damit zu überlangen Haltezeiten führt. «Damit werden die Probleme für einen Bahnhof wie Stadelhofen nicht gelöst, sondern verschärft», schreibt die Regierung.

Sie werde sich beim Bund mit allen Mitteln dafür ­einsetzen, dass der Stadelhofen-Ausbau im Programm 2030 enthalten sein werde. Ein klares Bekenntnis des Bundes dazu sei dringend erforderlich. Der Bundesrat werde dem Parlament die Botschaft 2018 unterbreiten. Ein Entscheid sei 2019 zu erwarten.

Doppelt so viele Passagiere

Bahnplaner gehen davon aus, dass sich die Passagierzahl auf dem Zürcher S-Bahn-System langfristig verdoppelt – sofern die entsprechenden Ausbauten in die Infrastruktur erfolgen. Den grössten Ausbaubedarf orten Planer in den beiden Korridoren Zürich-Stadelhofen-Uster-Wetzikon sowie Zürich-Stadelhofen-Winterthur.

«Für die Behebung dieser Engpässe sind bis 2030 die beiden Schlüsselausbauten Brüttener Tunnel und Bahnhof Stadelhofen zwingend erforderlich», schreibt die Regierung. Ohne den Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen seien keine weiteren Verdichtungen des Fahrplans mehr möglich.

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