Winterthur

Am meisten Chefinnen hat eine Firma, die Frauen nicht fördert

Der Frauenanteil im Kader der grossen ­Winterthurer ­Firmen schwankt zwischen 4 und 39 Prozent. Am meisten ­Chefinnen gibt es bei der Swica – dafür getan hat die Krankenkasse nichts.

Bild: Ruedi Widmer

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Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Unternehmen ist ein Politikum. Oft wird gefragt, ob die Betriebe genug tun, um Frauen zu fördern, indem sie etwa Kaderjobs als Teilzeitstellen anbieten, die Beruf und Familie vereinbar machen sollen. Eine Umfrage bei den zehn grössten Arbeit­gebern in Winterthur zeigt: Einige Firmen haben durchaus viele Chef­innen, während bei anderen fast nur Männer im Kader zu finden sind. Vier Organisationen haben einen Frauenanteil von über 30 Prozent, allerdings erreicht keine näherungsweise die 50-Prozent-Marke (siehe Tabelle).

Am meisten Chefinnen kann die Krankenkasse Swica vorweisen, dahinter folgen die Hochschule ZHAW, die Stadt Winterthur und der Landwirtschafts­verband Fenaco, der die Volg-Läden betreibt. Als Kaderan­ge­stellte galten bei der Befragung alle Personen mit leitender Tätigkeit und Führungs­verantwortung. Es wurde also ein weiter Begriff verwendet, der oberes, mittleres und unteres Kader einschliesst.

«Viele gute Bewerbungen von Frauen»

Bei der Swica weiss man um den hohen Frauenanteil im Konzern. Mit einer Erklärung tut man sich aber schwer. Jedenfalls werden Frauen nicht besonders gefördert, wie Sprecherin Christina Wettstein sagt: «Wir erhalten einfach viele gute Bewerbungen von Frauen.» Spezielle Programme, die die Anliegen von Kaderfrauen berücksichtigen würden, gibt es nicht. Man biete Müttern allerdings nach Möglichkeit an, teilweise von zu Hause zu arbeiten. Vielleicht trage auch die Branche zur hohen Quote bei, denn einige Kaderfrauen kämen aus dem medizinischen Bereich, in welchem viele Frauen arbeiten.

Mit einem Anteil von 27 Prozent nur im Mittelfeld liegt die Versicherung Axa, die als sehr frauenfreundlich gilt und eine eigene Stelle für «Diversity & Family Care» unterhält (siehe auch Interview im angehängten Artikel). Die Medienstelle weist darauf hin, dass sich der Frauenanteil im oberen Management seit 2008 um über 80 Prozent und im mittleren Kader um rund 30 Prozent erhöht habe.

Die Industriefirmen setzen auf Männer

Von Frauenquoten von 30 Prozent und mehr kann man bei den Industriekonzernen nur träumen. Sie haben notorisch tiefe Frauenanteile bei der ganzen Belegschaft, und ebenso im Kader. Sowohl bei Sulzer als auch bei Burckhardt Compression gibt es unter Vor­gesetzten weniger Frauen als total in der Firma, obwohl einige Bereiche mit hohem Kaderanteil wie der Personalbereich und die Kommunikation traditionelle Frauendomänen sind.

Burckhardt-Sprecher Simon Schaeublin kommentiert, man habe das Ziel, den Frauenanteil im Konzern in den nächsten Jahren kontinuierlich auf 15 Prozent zu steigern. Seit 2012 belege überdies erstmals eine Frau einen Sitz im Verwaltungsrat der Firma. Bei den grössten Industriefirmen, Rieter und Zimmer, wollte man keine Angaben zum Frauenanteil machen. Rieter teilt lediglich mit, man fördere die Angestellten «aufgrund von Potenzial und Fähigkeiten», wobei Chancengleichheit ein wichtiger Grundsatz sei.

Nicht alle Frauen sind auf Teilzeitjobs angewiesen

Interessant ist, dass Firmen mit vielen Teilzeitstellen nicht unbedingt mehr Chefinnen haben als andere. Von den Top-4-Firmen in der Rangliste lassen nur die öffentlichen Institutionen ZHAW und Stadt Winterthur viel Teilzeit arbeiten. Bei Fenaco und auch beim Spitzenreiter Swica sind dagegen über 90 Prozent der Kaderleute Vollzeitangestellte.

Bei der Swica arbeiten gar nur 1,5 Prozent der Frauen im Kader Teilzeit – noch weniger als bei den männlichen Kollegen. Auch dafür wird kein klarer Grund genannt. Möglicherweise beziehe ein Teil der Männer einen «Papa-Tag», während die Frauen im Kader oft keine Kinder haben, heisst es; mit Sicherheit könne man dies jedoch nicht sagen.

Erstellt: 01.06.2015, 19:13 Uhr

Frauenanteil bei den grössten Winterthurer Arbeitgebern (Bild anklicken zum Vergrössern).

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