Zürich

Denkmalpflege gibt tiefe Einblicke in bedeutende Bauten

Die kantonale Denkmalpflege hat ihren 20. Bericht präsentiert. Er befasst sich mit Restaurierungen von Baudenkmälern, die 2009 bis 2010 abgeschlossen wurden. Unappetitliches war zum Thema Fett- und Nikotinschichten zu hören.

Angespanntes Verhältnis: Das Gemälde im Schloss Wülflingen zeigt den heiligen Antonius mit einem Wildschwein. Dazu in lateinischer Schrift: «Gleich und gleich gesellt sich gern».

Angespanntes Verhältnis: Das Gemälde im Schloss Wülflingen zeigt den heiligen Antonius mit einem Wildschwein. Dazu in lateinischer Schrift: «Gleich und gleich gesellt sich gern». Bild: pd

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Die kantonale Denkmalpflege präsentierte ihren sorgfältig und aufwendig gestalteten 20. Bericht gestern im Schloss Wülflingen. Der Ort wurde nicht zufällig gewählt. Bilden doch Objekte in Winterthur – unter ihnen auch das Schloss – einen Schwerpunkt im Bericht. Denkmalpfleger Beat Eberschweiler sagte, der Bericht bringe alle zwei Jahre die Tätigkeit der Denkmalpflege zwischen zwei Buchdeckel.

«Es steckt viel Geld drin, und da ist es nur recht, wenn man zeigt, was mit dem Geld gemacht wurde.» Ausserdem gehe es darum, Wertschätzung ge­gen­über Eigentümern, Architekten und Handwerkern zu zeigen, die sich für die Objekte einsetzen würden. Den Auftakt des Berichts bilden zwei längere Artikel. Der eine befasst sich mit historischen Verkehrswegen, der andere mit der Bedeutung der Webmaschinensammlung, die 2010 von Rüti ins Neuthal überführt wurde.

Grosse Vielfalt

Als Kernstück des Berichts folgen ausführliche Beiträge zu 37 Restaurierungen. Breit gefächert sind die Gebäudetypen. Die Auswahl reicht von unscheinbaren Infrastrukturbauten wie dem Quellwasserreservoir Steinacker in Ossingen bis zu grossen En­sem­bles wie der ehemaligen Baumwollspinnerei Oberkempttal in Illnau-Effretikon. Kirchen (Oberrieden, Stallikon) und Pfarrhäuser (Eglisau, Gossau, Maschwanden) stehen neben bedeutenden Bauern- und Bürgerhäusern (Gossau, Männedorf, Russikon, Wädenswil) und früheren Gewerbebauten (Andelfingen). Gross ist auch die Bandbreite, was das Alter der Gebäude anbelangt. Die Zeitspanne reicht vom späten Mittelalter bis 1970.

Der 20. Bericht der Denkmalpflege vermittelt den aktuellen Wissensstand zu den restaurierten Objekten, wie Thomas Müller, Leiter Dokumentation der Denkmalpflege, anlässlich der Präsentation sagte. Bei den Restaurierungen erhalte man jeweils tiefe Einblicke in die Gebäude.

Nur noch sieben historische Hozbrücken

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Müller verschwieg nicht, dass seit Bestehen der Denkmalpflege Ende der 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts «enorm viel Substanz verloren gegangen ist». Als aktuelle Beispiele aus dem vorliegenden Bericht erwähnte Müller die gedeckte Holzbrücke in Opfikon, die 2009 Opfer einer Brandstiftung wurde. Die Brücke war 1810 vollendet worden. Mit der Brandzerstörung hat sich die Zahl der historischen Holzbrücken im Kanton auf sieben Exemplare verringert.

Mit dem Abriss des 450-jährigen Bauernhauses am Alten Fällanderweg 12 in Ebmatingen verlor das Dorf seinen bedeutendsten Profanbau. Er musste 2010 einem Ersatzbau weichen, nachdem der Gemeinderat die Unterschutzstellung aufgehoben hatte.

Ein Schlossherr mit Humor

Roland Böhmer von der kantonalen Denkmalpflege gab am Ort des Geschehens interessante Details im Zusammenhang mit dem Umbau und der Restaurierung des Schlosses Wülflingen (1644 bis 1647 erbaut) zum Besten. Ein Highlight ist das bemalte Wandtäfer in der Gerichtsstube im Erdgeschoss. Es wurde um 1767 von Christoph Kuhn mit Szenen aus dem Leben des Generals Salomon Hirzel und seiner drei Söhne in Wülflingen bemalt.

Der Auftrag für die Bilder erging von einem der Söhne, der das Schloss nach dem Tod seines Vaters gekauft hatte. «Hirzel bewies Humor», wie Roland Böhmer sagte. Als Sujets für die Wandbemalung wählte er Darstellungen, die beispielsweise das angespannte Verhältnis zum Pfarrer von Pfungen versinnbildlichen.

Überzug aus Nikotin

Bei einer Restaurierung der Gemälde 1947/48 war ein gelbgrün glänzender Lack aufgetragen worden. «Über die Jahre kam mit der Nutzung als Wirtschaft ein weiterer Überzug aus Nikotin und Fett dazu», sagte Böhmer. Der Lack erwies sich im Rahmen der aktuellen Restaurierung nicht nur ästhetisch als unschön. Er hätte langfristig auch die Gemälde gefährdet, weil er sich kaum mehr entfernen liess. Mit einem Lösemittelgemisch ist man nun der Lack-, Fett- und Nikotinschicht zu Leibe gerückt. Das Resultat ist ein schöneres Erscheinungsbild und ein blaugrauer Farbton, der nah am Original liegt. Patrick Gut

Angespanntes Verhältnis zum Pfarrer von Pfungen: Das Gemälde im Schloss Wülflingen zeigt den hl. Antonius mit einem Wildschwein. Dazu eine lateinische Inschrift. Sie bedeutet: «Gleich und Gleich gesellt sich gern.» pd

Erstellt: 29.05.2015, 15:48 Uhr

Information

Zürcher Denkmalpflege,
20. Bericht 2009–2010, 384 Seiten, 60 Fr.

ISBN 978-3-905681-70-3,

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