Winterthur

Geologie spielte dem Bohrer einen Streich

Das Kräterchen, das sich gestern plötzlich auf der Vogelsangstrasse auftat, sei eine Folge des Bohrverfahrens in wechselhaften Gesteinszonen, heisst es. Es ist jedoch nicht der erste derartige Zwischenfall in Winterthur.

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Zuerst war da nur eine etwa 40 Zentimeter tiefe Mulde im Belag der Unteren Vogelsangstrasse. Doch das war Grund genug, diese am Dienstag nach Mittag zu sperren. Als ein Maschinist dann mit dem Bagger den Belag zu klopfen begann, brach dieser gleich ein. Zwei kreisrunde Löcher hatten sich unter dem Teer gebildet, und der Bagger rutschte sogar ein Stück weit in das Kieskraterloch.

Unterdessen ist der Belag sauber und weiträumiger weggeschnitten, und mit Schaufeln, Pickeln und Bagger graben sich die Bauarbeiter nach unten. In rund vier Metern Tiefe unter der Strasse liegt das bestehende Kanalisationsrohr, das sie erreichen müssen, um es zu reparieren. Bis Freitag muss es geflickt sein, dann könnte der Regen kommen, und den vermögen die temporären Abwasserschläuche bei der Frohbergstrasse nicht aufzunehmen. Wasser gibt den Arbeitstakt vor.

Lockerer Kies oder Hohlraum

Nochmals eine Etage weiter unten passierte das, was dieses Betonrohr in vier Meter Tiefe bersten liess. Vier Meter unter dem Rohr war eine Tunnelbohrmaschine daran, einen neuen Stollen durch das Gestein zu graben. Und dabei müsse sie auf eine spezielle geologische Zone gestossen sein, sagen die Ingenieure der Stadt, auf einen Bereich mit lockerem Kies oder Hohlraum – man weiss es im Moment nicht. Man weiss nur: Material stürzte hinunter, und die Kanalisation nahm Schaden. Und man weiss, «dass unter der Vogelsangstrasse sowohl Kies als auch verwitterter Fels liegt», wie Rolf Maag sagt, Ingenieur und Projektleiter im Tiefbauamt. Zusammen mit Armand Bosonnet, Leiter Verkehrswege in der Stadt, stand Maag heute am Rand der Baustelle und besprach mit der Baufirma, wie vorzugehen sei: Graben, das Loch sauber spriessen, das Betonrohr flicken und die Strasse so bald als möglich freigeben für Autos und Bus.

Die Tunnelbohrmaschine eine Etage tiefer hat man stillgelegt und lässt sie erst weiterbohren, wenn alles klar ist. Sie frisst sich 420 Meter von der Wylandbrücke bis zum Theater am Gleis durchs Gestein. An beiden Orten wurden Schächte gegraben, um sie runter- und dann wieder raufzubringen.

Maschine ist viel schneller

Das so genannte Microtunnelling-Verfahren wendet die Stadt seit 2009 an. Unter der St.Georgenstrasse war der erste Einsatz der Maschine, die eine spezialisierte Firma bringt und bedient. Später kam sie auch unter der Technikumstrasse zum Einsatz und blieb dort prompt stecken, was Verzögerungen und Mehrkosten verursachte. Die Frage, die nun folgt, hat Armand Bosonnet erwartet und eine Antwort bereit: «Ja, es gab schon mehrere Zwischenfälle, und wir prüfen immer im Voraus, ob wir klassisch offen graben oder mit der Maschine.»

Die Kosten seien jeweils vergleichbar, sagt Bosonnet. Aber zeitlich sei die Maschine, wenn es rund läuft, deutlich schneller. Und – wichtigstes Argument: Der Verkehr wird nicht behindert.

Den Faktor Zeit berechnen Bosonnet und Maag so: Bei normalem Vortrieb schafft die Maschine leicht 10 Meter pro Tag, die 3 Meter langen Betonrohrstücke werden dem Bohrer einfach hinten nach geschoben. Die 420 Meter sind in 40 Arbeitstagen geschafft. Im offenen Bau sind 3 Meter pro Tag schon ein Höchstwert, die ganze Strassenstrecke wäre 30 Wochen in Arbeit – mit manchem Stau. Erschwert wird das offene Graben zudem durch die Tiefe. Warum acht Meter, Herr Maag? «Weil wir eine Kanalisation ersetzen müssen, die noch tiefer unten liegt: unter den Gleisen.»

Erstellt: 15.04.2015, 17:53 Uhr

Strassensperre Untere Vogelsangstrasse

Wie die Stadt heute in einer Mitteilung schreibt, ist die Untere Vogelsangstrasse ab morgen Donnerstag wieder offen. Da weiterhin eine Baustelle besteht und der Verkehr teilweise einspurig geführt wird, ist ein Verkehrsdienst eingerichtet.

Auch die Busse der Linien 4 und 11, die gestern Abend und heute über die Zürcherstrasse umgeleitet wurden, verkehren morgen wieder normal. Allerdings muss wegen der Baustelle nach wie vor mit Verspätungen gerechnet werden.

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