Zürich

Guter Sommer für Zürcher Hotels

Die Zürcher Hotels spüren nach wie vor den starken Franken, profitieren aber vom Ruf der Schweiz als sicheres Land. Das Geschäft läuft besser als 2015. Mit stets neuen Anbietern bleibt der Konkurrenzdruck aber hoch.

Touristen auf dem Lindenhof:?In Zürich steigen die Übernachtungszahlen wieder, während der Schweizer Tourismus insgesamt rückläufig ist.

Touristen auf dem Lindenhof:?In Zürich steigen die Übernachtungszahlen wieder, während der Schweizer Tourismus insgesamt rückläufig ist. Bild: Keystone

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«Besser als letztes Jahr.» Matthias Ramer äussert sich zufrieden über den bisherigen Verlauf des Tourimusjahres 2016. Er ist Vizepräsident des Zürcher Hotelierverbandes und Direktor im Sorell-Hotel Seidenhof in Zürich. Der Sommer sei sehr erfreulich verlaufen, sagt er. Juni und September, wenn die Zürcher Hotels jeweils am besten belegt sind, bezeichnet er gar als «gut bis hervorragend». Dafür gesorgt hätten vor allem Gäste aus weiter entfernten Ländern.Letztes Jahr machte den Zürcher Hotels vor allem die im Januar erfolgte Freigabe des Frankenkurses durch die Schweizerische Nationalbank zu schaffen. Sie verteuerte Ferien in der Schweiz spürbar. Der hohe Frankenkurs mache sich weiterhin bemerkbar, sagt Ramer. Nach diversen Terroranschlägen in Europa profitiere die Schweiz nun aber davon, dass sie als sicher gelte. Ueli Heer, Mediensprecher bei Zürich Tourismus, teilt diese Einschätzung.

Er hat die neuesten Zahlen. Demnach konnte die Region Zürich von Januar bis August mit 2,93 Millionen Übernachtungen um 0,3 Prozent zulegen gegenüber dem Vorjahr. Die Angaben umfassen die Stadt Zürich, die Flughafengemeinden, das Limmattal und das Knonaueramt. Das Plus sei zwar bescheiden, weil der August eher schwach war, sagt Heer. Aber im Vergleich zur Restschweiz sei das immer noch ein starkes Ergebnis, weil dort im gleichen Zeitraum ein Minus von 1 Prozent verbucht wurde.

2016 vermutlich mit Plus

Definitive Zahlen für den September liegen noch nicht vor. Doch zeichne sich ab, dass dieser den schwachen August mehr als kompensieren werde, sagt Heer. «Zudem gehen wir davon aus, dass die restlichen Monate des Jahres ebenfalls positiv sind, womit wir für 2016 von einem guten Wachstum ausgehen.»

Eine grössere Zunahme bei den Übernachtungen in Zürcher Hotels war festzustellen bei den Gästen aus der Schweiz (plus 5,2 Prozent), aus Nordamerika (5 Prozent) und aus Grossbritannien (5,5 Prozent). Weiterhin rückläufig sind die Übernachtungen der Gäste aus Deutschland, das Minus belief sich auf 1,7 Prozent. Gesamtschweizerisch betrug es aber sogar 5,1 Prozent. Beliebt war Zürich bei Gästen aus Italien (plus 8,2 Prozent), Spanien (plus 4,7 Prozent) und Österreich (plus 2,9 Prozent).

Fantasie ist gefragt

Nicht trüben kann die Statistik, dass markant weniger Touristen aus China angereist sind (minus 21,3 Prozent), dies aufgrund von verschärften Visumsvorschriften für den Schengenraum.

Alles bestens somit? Ein Selbstläufer sei das Geschäft nicht, betont Seidenhof-Direktor Ramer. Der Preisdruck bleibe hoch. Fantasie sei gefragt, um den Umsatz zu halten. Als Beispiele nennt er Zusatzleistungen wie das Organisieren von Tickets für Events oder kombinierte Angebote von Übernachtung und Verpflegung im ­hoteleigenen Restaurant. Als sehr wichtig bezeichnet er die Kon­taktpflege und den Aufbau einer Stammkundschaft. Im Durchschnitt 30 bis 60 Prozent der Übernachtungen in den Zürcher Hotels entfielen auf Dauergäste, schätzt Ramer. Darin kommt zum Ausdruck, dass neben Touristen auch viele Geschäftsleute in Zürich haltmachen.

Immer mehr Betten

Aber nicht nur der starke Franken fordert die Branche heraus. Hinzu kommen über das Internet vermittelte Übernachtungsmöglichkeiten auf privater Basis und die steigende Macht der Buchungsplattformen. Zürich Tourismus bietet den Hotels Hilfe an, die Buchung auf ihren eigenen Webseiten bedienungsfreundlich zu gestalten. «Das bringt mehr Direktbuchungen, die Hoteliers müssen keine Kommissionen an Plattformen zahlen», erklärt Heer.

Eine weitere Herausforderung ist die stetig wachsende Zahl an Hotelbetten. Bemerkbar machen wird sich im nächsten Jahr in der Stadt Zürich die Eröffnung des Motels One, das sich gleich über vier Liegenschaften an der Brand­schenkestrasse erstrecken und 380 Hotelzimmer umfassen wird. Hinter dem Projekt steht das Münchner Unternehmen Motel One Group. Es verspricht schickes Design zu günstigen Preisen.

Wie reagiert die angestammte Hotellerie am besten auf die neue Konkurrenz? «Mit noch mehr Service für den Gast», sagt Ramer. Wofür jedes Hotel selbst besorgt sein muss. Zürich Tourismus, teils getragen von den Hoteliers und der Tourismusförderung ver­pflichtet, betrachte die Entwicklung als Medaille mit zwei Seiten, wie Heer ausführt. Man sehe die Probleme, die der Kostendruck den Hotels verursache. Andererseits ermöglichten mehr Hotelzimmer auch, dass mehr Touristen nach Zürich kämen.

Erstellt: 17.10.2016, 23:03 Uhr

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