Bellerivestrasse

Strassensanierung rückt in weite Ferne

Seit bald 20 Jahren ist die Sanierung dieser vierspurigen Hauptverkehrsachse in Zürich entlang dem See ein Thema. Gemäss neuestem Szenario ist frühestens Ende 2024 mit dem Baubeginn zu rechnen.

So leer wie auf diesem Bild ist die Bellerivestrasse nur selten. In Spitzenzeiten sind 1400 Fahrzeuge pro Stunde gezählt worden.

So leer wie auf diesem Bild ist die Bellerivestrasse nur selten. In Spitzenzeiten sind 1400 Fahrzeuge pro Stunde gezählt worden. Bild: Thomas Egli

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Im Sommer vor zwei Jahren, nach etlichen Verzögerungen, sah es erstmals danach aus, als ob die Sanierung der vierspurigen Bellerivestrasse unmittelbar bevorstehe. Die Planung war soweit fortgeschritten, dass der damalige Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) mit seinen Fachleuten das Projekt der Quartierbevölkerung vorstellen konnte. 2019 hätten die Bauarbeiten beginnen und drei Jahre dauern sollen, wobei während der Sanierung nur je eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung gestanden hätte. 87 Bäume entlang der Strassen wären dem Vorhaben zum Opfer gefallen. Die Kosten bezifferte Leutenegger auf 64 Millionen Franken.

Nach den Wahlen 2018 schob die linksgrüne Stadtratsmehrheit Leutenegger ins Schuldepartement ab und teilte Richard Wolff (AL) das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement zu. Das Dossier Bellerivestrasse ist nun bei ihm. Bei der öffentlichen Projektauflage 2017 kam es zu diversen Einsprachen. Nachdem gegensätzliche Forderungen erhoben und politische Vorstösse eingereicht worden waren, stoppte Wolff das Projekt und öffnete den Variantenfächer.

Dazu zwang ihn auch eine Motion der GLP. Sie verlangt, dass eine der vier Autospuren als Veloroute umgenutzt und auf die Baumfällung verzichtet wird. Von den drei verbleibenden drei Autospuren sollen gemäss Motion die beiden äussern eine fixe Fahrtrichtung aufweisen. Die mittlere hingegen soll flexibel je nach Bedarf stadteinwärts oder stadtauswärts zur Verfügung stehen. Damit wollen die Motionäre die neue Vorgabe der Kantonsverfassung einhalten, wonach jeder Kapazitätsabbau auf einer Kantonsstrasse irgendwie kompensiert werden muss.

Verfahrene Sache

Gleichzeitig mit seinem Stopp kündigte Stadtrat Wolff im letzten Oktober «vertiefte verkehrsplanerische Abklärungen» an. Der Stadtingenieur klang resigniert: «Die Sache ist verfahren. Die Wünsche der Quartierbevölkerung und der umliegenden Gemeinden gehen weit auseinander. Wir können die unterschiedlichen Ansprüche zurzeit nicht unter einen Hut bringen.» Daran hat sich bis heute offenbar nichts geändert. Deshalb versucht es das Tiefbaudepartement nun anders. Es schlägt ein «Beteiligungsverfahren» vor, wie es gestern mitteilte. Mit den diversen Playern – Verkehrsverbänden, Gewerbe- und Quartierverein sowie Anwohnern – will man bis im Sommer 2020 ein «konsensfähiges Projekt entwickeln».

Wie Roger Muntwyler, verantwortlich für die Kommunikation, auf Anfrage sagte, sind drei Workshops mit rund 50 Personen geplant. Sie sollen jeweils abends und rund vier Stunden dauern: der erste im Dezember 2019, der zweite im Februar 2020 und der dritte im Mai 2020. Dabei werde man nicht bei Null mit der Diskussion anfangen, sondern auf den in der Zwischenzeit erarbeiteten Verkehrsstudien aufbauen, sagte Muntwyler. Um welche Grundlagen es sich konkret handelt, wollte er nicht sagen – aus Rücksicht auf eine möglichst unbelastete Diskussion.

Entscheid im Herbst 2020

Den definitiven Variantenentscheid samt Schlussbericht terminiert das Tiefbauamt derzeit auf den Herbst 2020. Den Baustart auf voraussichtlich Ende 2024. Auch die Gemeinden Zollikon und Zumikon sollen mitreden dürfen. Die Bewohner der Goldküste gehören zu den Hauptnutzern der Strasse, auf der täglich 25000 Fahrzeuge verkehren.

Zu den grossen Knacknüssen des Projekts gehören die Themen Veloroute und Kapazität. Die linksgrüne Mehrheit findet, die Strasse stehe heute einseitig den Autos zur Verfügung. Sie pocht daher auf Velospuren. «Gäbe es gute Velorouten vom Bellevue bis nach Meilen, würden viele Goldküstenpendler aufs Velo oder Elektrovelo» umsteigen», glaubt etwa der grüne Gemeinderat und Umweltberater Matthias Probst. Bürgerliche Gemeinderatsmitglieder finden hingegen, es existierten genügend andere taugliche Routen für Velofahrende zwischen Bellevue und Bahnhof Tiefenbrunnen. Ein Kapazitätsabbau für Autos auf der Bellerivestrasse ist für sie tabu.

Erstellt: 26.09.2019, 18:18 Uhr

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