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Studie: Staatsbeiträge an Zürcher Landeskirchen sind gerechtfertigt

Die Landeskirchen erhalten vom Kanton Zürich jährlich 50 Millionen Franken - und dies ohne spezifische Zweckbindung: Das sei gerechtfertigt, da die Kirchen Tätigkeiten mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung erbringen, heisst es in einer Studie.

Die Stadtkirche Winterthur.
Die Stadtkirche Winterthur.
Keystone

Die Kirchen müssten aber transparenter aufzeigen, was sie mit dem Geld machen. Die Kirchen erbringen viele ihrer Angebote nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für die Allgemeinheit, sagte Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) am Dienstag vor den Medien. Diesen Leistungen kämen unbestrittenermassen eine grosse Bedeutung zu.

Der Kanton honoriert dies: In der Periode 2014 bis 2019 überweist er den fünf anerkannten Religionsgemeinschaften jährlich 50 Millionen Franken. Laut dem Kirchengesetz handelt es sich um eine Art pauschale Abgeltung für «Tätigkeiten mit Bedeutung für die ganze Gesellschaft, insbesondere in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur».

Der Beitrag kommt im Wesentlichen der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich (26,8 Millionen) und der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich (22,7 Millionen) zu. Die restlichen 0,5 Millionen entfallen auf die christkatholische Kirchgemeinde sowie zwei jüdische Gemeinden.

86'366 kirchliche Angebote

Unklar war bislang, wie die Beitragshöhe von 50 Millionen Franken einzuschätzen ist. Die Justizdirektion sowie die Reformierten und die Katholische Landeskirchen haben deshalb gemeinsam eine Studie beim Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich in Auftrag gegeben.

Die Forschenden haben 86'366 Angebote, welche die beiden grossen Landeskirchen ein Jahr lang erfasst haben, sowie die Finanzzahlen der Kirchen geprüft. Sie berechneten gemäss Studienleiter Thomas Widmer, dass die Reformierte Kirche Leistungen für die Allgemeinheit im Umfang von 35,4 Millionen Franken erbringt, die Katholische Kirche solche im Umfang von 25,9 Millionen.

Die Leistungen sind demnach mit mehr als 61 Millionen Franken höher als der pauschale Staatsbeitrag. Damit sei der Kostenbeitrag «mehr oder weniger deutlich gerechtfertigt», heisst es in der Studie.

Bei den Leistungen für die Gesamtbevölkerung handelt es sich hauptsächlich um solche aus dem Bereich «Soziales» (unter anderem Jugend- oder Flüchtlingsarbeit, Jobbörsen, Sozialberatungen). Ein Viertel der Angebote fallen in die Bereiche Kultur und Bildung (Konzerte, Chöre, Deutschkurse für Migranten).

Ein strenger Massstab

Die Studie sei eine gute, sachliche Grundlage für das Festlegen künftiger Staatsbeiträge an die Kirchen, sagte Jacqueline Fehr. Voraussichtlich 2018 werden Regierungsrat und Kantonsrat entscheiden, welche Mittel sie den anerkannten Kirchen in den Jahren 2020 bis 2025 zukommen lassen werden.

Mit dem Blick auf 2018 sind die Kirchenvertreter über die Studie froh: «Wir haben hier einen objektiven Befund über die eindrücklichen Leistungen der Kirchen», sagte Michel Müller, der Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche. Und Benno Schnüriger, der katholische Synodalratspräsident, meinte: «Die Kirchen sind ihr Geld wert.»

Beide wiesen aber auch darauf hin, dass der Massstab der Studie streng sei. So stuften die Forschenden ein kirchliches Angebot nur dann als Tätigkeit von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ein, wenn es sich an alle Personen unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit wendet und auch effektiv in gewissem Umfang von Nichtmitgliedern genutzt wird.

Dadurch blieben gewisse Angebote in der Studie unberücksichtigt, kritisierte Schnüriger: «Auch Leistungen der Kirchen, die sich nur an ihre eigenen Mitglieder wenden, können für die ganze Gesellschaft bedeutend sein.» So richte sich die Migrantenseelsorge nur an Mitglieder - diese sei aber ein wichtiger Beitrag zur Integration.

Den Fächer öffnen

Die Studie empfiehlt, grundsätzlich am bisherigen System festzuhalten. Den Kirchen rät sie aber, gegenüber den staatlichen Stellen vermehrt Transparenz über die Tätigkeiten von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung schaffen. Dabei handle es sich aber «explizit nicht um eine Rechenschaftspflicht».

Mittelfristig sei zudem zu prüfen, ob angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen bei den Landeskirchen nicht auch andere Religionsgemeinschaften unterstützt werden sollten, wenn sie ähnliche Leistungen für die Gesellschaft erbringen würden, heisst es in der Studie.

SDA/mcp

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