Klima

Studierende wollen Forschungsverbot für fossile Energien

Eine Arbeitsgruppe von Studierenden hat einen Katalog an Forderungen erarbeitet, um Hochschulen klimafreundlicher zu machen.

Klimademo im April in Zürich. Jetzt stellen Studierende der Hochschulen konkrete Forderungen, unter anderem ein Forschungs- und eine Fleischverbot.

Klimademo im April in Zürich. Jetzt stellen Studierende der Hochschulen konkrete Forderungen, unter anderem ein Forschungs- und eine Fleischverbot. Bild: Sabina Bobst

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Sie repräsentieren zwar nur einen Bruchteil aller Studierenden an den Zürcher Hochschulen, sind aber sehr engagiert: Die Studierenden der Arbeitsgruppe Klimastreik, wie sie sich nennen. Im Gruppenchat angemeldet sind 300 bis 400 Leute, wie ihr Sprecher Samuel Lüthi auf Anfrage sagt. Sie studieren an der Uni, ETH, ZHAW, HSR, ZHdK oder PHZH. Laut Lüthi hält die Gruppe schon seit Anfang Jahr Sitzungen ab, in denen Massnahmen gegen den Klimawandel zur Debatte stehen. 50 bis 100 Leute nähmen jeweils an solchen Sitzungen teil.

Am letzten Samstag dauerte die Sitzung besonders lang – von morgens neun Uhr bis nach Mitternacht. Am Schluss war nur noch der harte Kern von etwa 30 Leuten dabei. Dass es so lange dauerte, lag daran, dass die Gruppe einen umfangreichen Forderungskatalog mit Massnahmen gegen die Erderwärmung verabschiedete. Es sind solche, welche die Hochschulen aus Sicht der Arbeitsgruppe ergreifen müssen. Der Katalog soll am Freitag den Rektoraten der Hochschulen übergeben werden.  

Einstimmig verabschiedet

Unter den Forderungen befinden sich auch solche, die selbst in der Arbeitsgruppe umstritten waren, wie Lüthi berichtet. So etwa das Forschungsverbot im Bereich fossiler Energien. «Am Schluss haben wir aber alle Forderungen einstimmig verabschiedet», sagt  Lüthi. Er hat soeben den Master in Atmosphären- und Klimawissenschaft an der ETH gemacht, beim bekannten Klimawissenschafter Reto Knutti. Beim Forschungsverbot sei die Debatte besonders intensiv gewesen. Das aufklärerische Argument, wonach man keine Forschung verbieten solle, stand dem Einwand entgegen, dass die Forschung nicht an neuen Methoden zur Erdölsuche arbeiten dürfe.

Strittig war auch die Forderung, wonach die Hochschulen nur Geld von Sponsoren annehmen dürfen, die nicht grosse Klimasünder sind, indem sie etwa viel zu viel fliegen. Im Sinne eines Kompromisses wollen die Studierenden nun eine Ausnahme machen, wenn das Geld dem Wandel hin zu einer Netto-Null-Gesellschaft dient. 

Weiter fordert die Arbeitsgruppe studienunabhängige Pflichtvorlesungen zum Thema Klimakrise sowie obligatorische Weiterbildungen dazu für Dozierende und Mitarbeitende. Die Hochschulen sollen, so eine weitere Forderung, bis 2025 keine Treibhausgase mehr ausstossen. Flüge für Forschungsreisen sollen verboten oder zumindest massiv reduziert werden. Vorgaben soll es auch an den Kantinen geben: Fleischmenüs will die Arbeitsgruppe verbieten, auf den Tellern sollen regionale und saisonale Dinge kommen, die keine langen Transportwege hinter sich haben. 

 «Wir wissen, dass dies starke Forderungen sind», sagt Lüthi. Aber die Hochschulen hätten als Vorreiter der Gesellschaft eine besondere Verantwortung. Den Entscheidungsträgern an den Hochschulen attestiert er ein generell offenes Ohr für Klimafragen. Etliche Forscher reagierten trotzdem betupft, wenn man ihnen Vorschriften machen wolle. Anders als die Aktivisten der Extinction Rebellion, die hart an der Grenze der Legalität operieren, wolle die Arbeitsgruppe der Hochschulen nicht auf Konfrontationskurs gehen, sagt Lüthi. Zumindest vorläufig nicht.

Bis Ende Monat erwarten die Studierenden eine Stellungnahme. Und bis im Februar einen Bericht von den Hochschul-Verantwortlichen darüber, was sie getan haben und noch zu tun gedenken.

Erstellt: 09.10.2019, 17:26 Uhr

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