Winterthur

Sulzer schliesst Werk in Oberwinterthur

Der Industriekonzern Sulzer plant, die Produktion in Oberwinterthur zu schliessen. Davon betroffen sind 90 Mitarbeitende. Die Entlassungen sollen in diesem Jahr starten und bis Mitte 2017 in Kraft treten.

Betroffen vom Stellenabbau: Die Chemtech von Sulzer in Oberwinterthur.

Betroffen vom Stellenabbau: Die Chemtech von Sulzer in Oberwinterthur. Bild: Heinz Diener

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Der Industriekonzern Sulzer streicht weitere Stellen. Betroffen sind 90 Mitarbeitende in der Sparte Chemtech, das Produktionswerk in Oberwinterthur wird geschlossen. Das wird jedoch erst der Auftakt für einen weiteren umfassenden Stellenabbau des Konzerns sein.

Die Entlassungen im Chemtech-Werk in Oberwinterthur sollen nach Abschluss des obligatorischen Konsultationsverfahren in diesem Jahr starten und bis Mitte 2017 abgeschlossen sein, wie Sulzer heute mitteilte.

Verwaltung, Forschung und Entwicklung darf bleiben

Mit dem Stellenabbau reduziert sich die Zahl der Angestellten von Chemtech in Oberwinterthur gemäss der Medienstelle von heute 260 auf noch 170. In Oberwinterthur verbleiben die Verwaltung, Forschung und Entwicklung.

Damit reduziert Sulzer in der Schweiz die Zahl der Mitarbeiter der Sparte Chemtech weiter. Bereits Mitte des letzten Jahres gab der Konzern bekannt, dass es im Chemtech-Werk Allschwil BL die Angestelltenzahl von 114 auf 94 reduziert.

Im Gegensatz zu Oberwinterthur produziert Sulzer in Allschwil weiter. Nach dem Abbau in Winterthur wird Sulzer in der Schweiz neben Allschwil nur noch in Haag SG ein Produktionswerk haben. Insgesamt beschäftigt Sulzer in der Schweiz noch rund 1100 Personen.

Am Standort Oberwinterthur produziert die Sulzer-Sparte Chemtech Kolonnenböden, Kolonneneinbauten, statische Mischer und strukturierte Packungen für den Öl- und Gasmarkt. Die Herstellung soll an andere Produktionsstandorte innerhalb des Produktionsnetzwerks von Sulzer verlagert werden. Sonderprojekte und Projekte mit kurzen Lieferzeiten sollen von Partnerfirmen im EU-Raum übernommen werden.

Verschärftes Sparprogramm

Als Grund für die Schliessung gibt Sulzer das zunehmend anspruchsvolle Marktumfeld, insbesondere im Öl- und Gasmarkt an. Um den Preisdruck abzuschwächen, möchte das Unternehmen weltweit auf weniger Produktionsstandorte fokussieren. Sulzer verweist dazu auf den wachsenden Wettbewerb, den signifikanten Zerfall des Ölpreises sowie den starken Franken, die die Produktionskosten in der Schweiz nachhaltig unter Druck setzen.

Dass Sulzer 2016 den Personalbestand weiter reduzieren wird, war bereits seit längerer Zeit absehbar. So lancierte Sulzer vor einem Jahr ein Effizienzsteigerungsprogramm mit dem Ziel bis 2018 die laufenden Kosten um 120 bis 180 Millionen Franken zu senken.

Empörte Gewerkschaften

Bei den Gewerkschaften stösst die Ankündigung der Produktionsschliessung auf Unverständnis. Für Angestellte Schweiz ist es gemäss Communiqué unverständlich, dass «Viktor Vekselberg, der als Hauptaktionär Sulzer kontrolliert, nicht in den Standort Schweiz und die Arbeitsplätze investiert».

Der Arbeitnehmerverband verlangt vom Management von Sulzer Chemtech, in der jetzt gestarteten Konsultationsphase Alternativen zur Schliessung zu prüfen.

Und die Gewerkschaft Unia zeigt sich darüber empört, dass der Konzern den Aktionären eine Sonderdividende ausschüttet und gleichzeitig Arbeitsplätze abbauen will. Der Konzern stelle Profitgier über alles andere, heisst es in der Mitteilung vom Freitag. Unia fordert Sulzer auf, die Stellen in Winterthur zu erhalten.Link (mcp/sda)

Erstellt: 11.03.2016, 11:32 Uhr

Hunderte weitere Stellen in Gefahr

Der Aderlass dürfte weitergehen. Denn das Unternehmen tritt in den nächsten Jahren kräftig auf die Kostenbremse. Bis 2018 sollen die jährlichen Ausgaben nachhaltig um 200 Millionen Franken gesenkt werden, kündigte der neue Sulzer Chef Greg Poux-Guillaume Ende Februar an der Bilanzmedienkonferenz an. Er hatte damit das bereits vor einem Jahr eingeleitete Sparprogramm verschärft. Bisher lautete das Kostensenkungsziel auf 120 bis 180 Millionen Franken.

Im Rahmen dieses Programms hat Sulzer im vergangen Jahr die Kosten um 36 Millionen Franken gesenkt. In diesem Jahr sollen die Einsparungen 64 bis 84 Millionen Franken betragen. Das wird einen Abbau von Hunderten von Stellen zur Folge haben. Sulzer nennt dazu keine Zahlen. «Es werden alle Standorte auf ihre Wettbewerbsfähigkeit geprüft», sagte Sulzer-Sprecher Matthias Hochuli lediglich auf Anfrage.

Einen Anhaltspunkt für den künftigen Stellenabbau liefert jedoch das vergangen Jahr. 2015 hat Sulzer im Rahmen des Kostensenkungsprogramms 1128 Vollzeitstellen abgebaut. Ende 2015 beschäftigte Sulzer weltweit noch 14'253 Personen.

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