Rapperswil-Jona

Täter von Rapperswil schwebt in Lebensgefahr – Motiv unklar

Der Täter von Rapperswil schwebt in Lebensgefahr, Umfeld und Behörden sind schockiert. Was war sein Motiv? Und muss das Sicherheitskonzept der Stadt angepasst werden?

Zwei Kerzen erinnern am Bahnhof Rapperswil an das Opfer einer Bluttat.

Zwei Kerzen erinnern am Bahnhof Rapperswil an das Opfer einer Bluttat. Bild: Daniel Graf

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Graue Wolken hängen am Montagmorgen über dem Bahnhof Rapperswil, Regen setzt ein. Zwei kleine Kerzen flackern im Wind, der durch die Bahnhofsunterführung weht. Ein Passant läuft vorbei, bemerkt, dass eine der Kerzen erloschen ist, und zündet sie wieder an. Er habe vom Vorfall gehört, sagt er, wisse aber auch nicht mehr, als was in den Medien zu lesen gewesen sei. Ein Abfalleimer oberhalb der Treppe bei der Hochschule Rapperswil (HSR) ist vollgestopft mit dem Absperrband der Polizei. Ansonsten ist es ein Montagmorgen wie jeder andere: Schüler eilen auf den Zug, HSR-Studenten schlendern in kleinen Gruppen auf das Hochschulareal, verteilen sich auf die Unterrichtszimmer oder gehen in der Mensa einen Kaffee trinken. Kaum etwas erinnert daran, dass sich hier vor wenigen Stunden ein Drama mit tödlichem Ausgang abgespielt hat: Am Sonntagnachmittag kurz vor 17 Uhr stach ein 36-jähriger Mann mit einem Messer auf seine 57-jährige Mutter ein. Sie erlag noch am Tatort ihren schweren Verletzungen.

Der mutmassliche Täter flüchtete auf das Areal der Hochschule, wo er sich mit dem Messer selber schwer am Hals verletzte. Die Polizei konnte ihn wenig später festnehmen und ins Krankenhaus bringen.

Opfer arbeitete beim Tennisclub

In der Nacht auf Montag wurde bekannt, um wen es sich beim Opfer handelt. Auf der Webseite des Tennisclubs Rapperswil-Jona ist zu lesen: «Wir haben die traurige Pflicht, euch darüber zu informieren, dass es sich beim Opfer der Gewalttat in Rapperswil-Jona vom Sonntag, 11. August, leider um unsere Clubwirtin Maria handelt.» Clubpräsident und SRF-Kommentator Stefan Bürer meldet sich dort zu Wort: «Die Nachricht hat mich zutiefst schockiert und macht mich unfassbar traurig. Es ist mir ein riesiges Anliegen, meiner Bestürzung Ausdruck zu geben», heisst es auf der Webseite. «Mit Maria verlieren wir unsere gute Seele, den Anker im Clubhaus. Ich bin in tiefer Trauer und in Gedanken bei ihrer Familie», so der Klubpräsident.

Der Täter befand sich am späteren Montagnachmittag noch immer in Lebensgefahr, wie Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei sagt: «Er musste operiert werden und wir konnten ihn folglich noch nicht vernehmen.» Somit bleibt vorläufig unklar, wie es zur schrecklichen Tat kommen konnte: «Wir sind jetzt dabei, in seinem Umfeld zu ermitteln, Angehörige, Freunde und Arbeitskollegen zu befragen. So hoffen wir, bald Licht in die Angelegenheit bringen zu können», sagt Krüsi. Ob und wann der mutmassliche Täter vernommen werden könne, sei noch völlig offen. «Das müssen wir laufend mit den Ärzten anschauen.»

Gang durch Unterführung könnte traumatisieren

Die 25-jährige Barbara F. (Name der Redaktion bekannt) wollte am Sonntag kurz nach der Tat mit drei Kollegen vom Technikum her durch die Bahnhofsunterführung laufen: «Da kam uns ein Polizist entgegengerannt und sagt, wir könnten die Unterführung nicht passieren.» Ein anderer Fussgänger habe sich darüber aufgeregt und auf den Polizisten eingeredet. «Dieser erwiderte bloss, wenn der Passant jetzt durch die Unterführung laufe, werde ihn das traumatisieren. Das hat er dann auch verstanden.»

Kurz darauf seien beim Technikum weitere Kastenwagen mit Polizisten eingetroffen. «Da wussten wir, dass es sich um eine grössere Sache handeln dürfte, und gingen dem See entlang auf die Nordseite des Bahnhofs, weil eine Kollegin noch ihr Velo holen musste», schildert F. Vor dem Gebäude mit dem Avec hätten sie zwei Mädchen angetroffen, die offensichtlich unter Schock gestanden hätten: «Sie zitterten und weinten. Vermutlich hatten sie die Tat mitansehen müssen», sagt F. Als dann ein Security-Mitarbeiter mit blutüberströmten Armen aus dem Bahnhofsgebäude gekommen sei, hätten sie sich endgültig entschieden, so schnell wie möglich vom Bahnhof wegzukommen. «Obwohl man natürlich wissen will, was los ist, wollten wir nicht gaffen. Wir hatten ein mulmiges Gefühl», schildert F.

Stadtpräsidentist entsetzt

Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona (FDP), ist von der Notrufzentrale über den Vorfall informiert worden: «Mir wurde mitgeteilt, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Das Entsetzen über eine so grauenhafte Tat ist gross», sagt er. Seine Gedanken seien auch am Tag danach bei den Angehörigen und Freunden des Opfers.

Gleichzeitig dankt Stöckling der Polizei und den Sicherheitsleuten der Stadt: «Die Zusammenarbeit verlief reibungslos, die Polizei reagierte schnell und professionell.» Auch die Kommunikation sei abgeklärt und unaufgeregt vonstattengegangen. Das Sicherheitskonzept der Stadt tangiert der Vorfall laut Stöckling nicht: «Allem Anschein nach handelte es sich um eine Familientragödie. Das ist schrecklich und da ist vermutlich zuvor schon Vieles schief gelaufen.» Stöckling werde, sobald weitere Details bekannt würden, noch einmal mit der Sicherheitsverwaltung Rücksprache nehmen. «Aber eine solche Tragödie kann man nicht mit einem Sicherheitsdispositiv verhindern. Ausserdem ist für die Sicherheit im öffentlichen Raum grundsätzlich die Polizei zuständig.»

Erstellt: 12.08.2019, 18:56 Uhr

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