Schule

Türkische Mütter waren verantwortlich

Das türkische Schultheater, das für Wirbel sorgte, wurde von Frauen aus dem Elternbeirat organisiert. Diese hätten die politische Tragweite dahinter nicht erkannt, hält die St. Galler Regierung fest – und stellt sich hinter den HSK-Unterricht.

Das Kriegsspiel der türkischen Kinder geht nicht auf den HSK-Unterricht zurück – es wurde von vier Müttern aus Flawil initiiert.

Das Kriegsspiel der türkischen Kinder geht nicht auf den HSK-Unterricht zurück – es wurde von vier Müttern aus Flawil initiiert. Bild: Facebook

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Sie spielten Krieg – und sorgten damit schweizweit für Schlagzeilen. Als sich Ostschweizer Primarschulkinder im März vor einer türkischen Fahne symbolisch mit Holzwaffen niederschossen und die Schlacht von Gallipoli nachstellten, war die Empörung gross.

Weil die Kinder, die im Theater Rollen übernommen haben, Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) besuchten, geriet der HSK-Unterricht in die Kritik. Das umstrittene Theaterstück geht allerdings nicht auf den HSK-Unterricht zurück, sondern auf vier Mütter aus dem türkischen Elternbeirat Flawil. Dies hält der St. Galler Regierungsrat in seiner Antwort auf eine einfache Anfrage aus dem Kantonsrat fest.

In der Freizeit geprobt

«Wird der HSK-Unterricht für nationalistische Propaganda missbraucht?», wollte die CVP-GLP-Fraktion wissen. Die Anwort der Regierung ist klar: Nein. Dem Bildungsdepartement sei kein Missbrauch vom HSK-Unterricht für politische Propaganda bekannt. Und: Das umstrittene Integrationstheater sei unter der Regie besagter Mütter aus dem Elternbeirat einstudiert worden – in der Freizeit, und ausserhalb des HSK-Unterrichts.

Den Müttern sei die mögliche politische Tragweite ihres Vorhabens wohl nicht bewusst gewesen, hält die Regierung fest. Wie innerhalb einer Elternvereinigung ein Gedenk- oder ein Feiertag einer Nation beziehungsweise Sprachgruppe gefeiert wird, werde nicht geprüft.

Strenge Regeln

Geprüft werden indes die Anbieter des HSK-Unterrichts. Diese stehen dem Bildungsdepartement in einem Online-Tool (www.hsk-sg.ch) zur Verfügung. Angaben und Adressen der Kursanbieter werden dort registriert. Eingetragen wird ein HSK-Kurs erst dann, wenn er eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt, schreibt die Regierung. Etwa, wenn der Anbieter sich als politisch und konfessionell neutral erklärt, und sich offen für die Zusammenarbeit mit den lokalen Schulen und dem Amt für Volksschule zeigt.

Zudem muss er ein pädagogisches Konzept mit groben Zielen und Inhalten je Schulstufe – auf deutsch übersetzt – vorlegen. Nicht zuletzt lädt das Bildungsdepartement die HSK-Lehrpersonen jährlich zu einem Austauschtreffen.

Der Anbieter des türkischen HSK-Unterrichts im Kanton St. Gallen habe bei der Anmeldung für das Online-Tool die für den Eintrag erforderlichen Nachweise erbracht, schreibt die Regierung in ihrer Antwort weiter. Es gäbe keinen Anlass, zu bezweifeln, dass sich die türkischen HSK-Kurse an die verlangten Vorgaben halten.

Die Regierung hält nochmals fest, dass die Rechtsgrundlage fehlt, um den HSK-Unterricht behördlich zu beaufsichtigen. Dem Bildungsdepartement stehe keine Aufsicht über den Inhalt der Kurse zu. «Dessen Qualität ist Sache des Anbieters», hält die Regierung fest. Das Bildungsdepartement sei aber zur Förderung des Spracherwerbes daran interessiert, den bewährten HSK-Unterricht von 17 Sprachgruppen weiterhin organisatorisch zu unterstützen.

Keine gesetzliche Grundlage

Zur bewährten Handhabung der HSK-Kurse sieht der Regierung keine Alternative. Eine intensivere Prüfung würde eine Aufsichtsfunktion und eine solche wiederum eine gesetzliche Grundlage bedingen. Konkret bräuchte es eine Erweiterung des Volksschulgesetzes. Dies würde auf eine Anbindung des HSK-Unterrichts an die Schule hinauslaufen. Es sei aber «zu bezweifeln, ob dafür ein politischer Wille besteht». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.05.2018, 16:04 Uhr

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