Winterthur

Verdacht auf Lohndumping in Neuhegi

Die Gewerkschaft Unia hat heute Morgen eine Baustelle der Implenia in Neuhegi vorübergehend lahm gelegt. Grund dafür ist der Verdacht auf Lohndumping.

Frühmorgendliche Aktion: Noch im Dunkeln hängten Gewerkschaftsmitarbeiter der UNIA ein Transparent bei der Baustelle auf und blockierten den Zugang bis die Polizei kam.

Frühmorgendliche Aktion: Noch im Dunkeln hängten Gewerkschaftsmitarbeiter der UNIA ein Transparent bei der Baustelle auf und blockierten den Zugang bis die Polizei kam.

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Um 6.40 Uhr blockierten sechs Fahrzeuge und 15 Mitarbeitende der Unia den Zugang zur Baustelle des Wohnkomplexes «Roy» an der Else-Züblin-Strasse in Neuhegi. Die Gewerkschaft vermutet einen gravierenden Fall von Lohndumping. Im Verdacht steht die Gipserfirma Rheintal Gips + Fassade AG aus Au (SG), sie soll über eine deutsche Tochter Gipser aus dem Osten als Scheinselbstständige beschäftigen und Löhne weit unter dem Marktüblichen bezahlen.

Redeverbot für Arbeiter?

Die beschuldigte Firma soll ihren Mitarbeitern vor Ort untersagen, die Löhne gegenüber der Gewerkschaft offen zu legen. «Es gibt kein Redeverbot», sagt hingegen Volker Kaufmann, Geschäftsführer der Rheintal Gips + Fassaden AG. «Hier werden falsche Anschuldigungen in die Welt gesetzt.» Nach Kaufmanns Aussagen sind denn auch die Vertragsbedingungen der Arbeiter korrekt. «Es handelt sich nicht um Scheinselbstständigkeiten», sagt Kaufmann. Vielmehr seien die Arbeiter echte Selbstständigerwerbende, da sie auch für andere Auftraggeber arbeiten würden. «Die Werkverträge sind tadellos und vom Migrationsamt abgesegnet.»

Ähnlich schätzt auch ein vor Ort befragter Arbeiter seine Arbeitsbedingungen ein. Der nach Arbeitsfortschritt - sprich Quadratmetern - bezahlte Gipser gab an, 3'000 bis 4'000 Franken brutto zu verdienen und rund 50 Stunden wöchentlich zu arbeiten. Für Ihn gehe diese Rechnung auf, sagte der in Osteuropa beheimatete Familienvater.

Koordiniertes Abrücken

Die Unia hingegen spricht von einem klassischen Fall von Scheinselbstständigkeit. Die Gipser seien allein für ein einziges Unternehmen tätig, zu weitaus zu tiefen Löhnen und ohne Sozialleistungen. Die Unia fordert eine ordentliche Beschäftigung der Arbeitskräfte und Lohnnachzahlungen. In der Pflicht sieht sie die Generalunternehmerin Implenia, die das Bauprojekt entwickelt hat, sowie die Credit Suisse als Investorin. Die Bauherrschaft müsse die Verantwortung übernehmen, sagte Unia-Sprecher Lorenz Keller, der damit auch die Lohndumping-Initiative der Gewerkschaft anklingen liess.

Nach einer knappen halben Stunde war in Neuhegi die Polizei vor Ort und besprach sich mit den Gewerkschaftsleuten sowie Vertretern der Implenia. Der Austausch lief auffallend geordnet ab. Um 7.40 Uhr wurde die Zufahrt zur Baustelle wieder frei gegeben und die Unia rückte ab. Man werde jetzt das Gespräch mit der Credit Suisse und dem Implenia-Management suchen, sagte Keller.

Erstellt: 28.10.2015, 08:52 Uhr

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