Uetikon

Vom Verschwinden von Franz, Flocke und ihren Eiern

Im Hafen von Uetikon brütet ein Paar von Schwänen jeden Frühling im gleichen Nest Eier aus. Sie bleiben jeweils dort, bis die Jungen schlüpfen. Doch dieses Jahr sind die Eier plötzlich verschwunden – und mit ihnen die Schwäne. Was ist passiert? Eine Spurensuche.

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Elsbeth Känzig ist eine Expertin, wenn es um die Schwäne im ­Hafen von Uetikon geht. Seit drei Jahren beobachtet sie mit ihrem Mann Hans­peter Kän­zig ein Pärchen, das unterhalb eines Mäuerchens jeweils im Frühling das gleiche Nest bezieht. Das Weibchen brütet die Eier aus, aus denen nach knapp einem Monat die Jungen schlüpfen. Die Behörden von Uetikon sind ebenfalls über die Schwäne informiert, wie Gemeindepräsident Urs Mettler (parteilos) bestätigt. Sie haben eigens ein Schild aufstellen lassen, das auf die brütenden Tiere hinweist und zur Rücksicht mahnt.

Doch dieses Jahr warten die Känzigs, die als Bootsbesitzer auf die Schwäne aufmerksam wurden, vergeblich darauf, dass Junge schlüpfen. Denn die Eier, die noch nicht brutreif waren, sind seit dem letzten Freitag verschwunden – und mit ihnen auch die beiden Schwäne. Diese werden von Känzigs und anderen Ueti­kern, welche die weissen Wasservögel regelmässig beobachten oder füttern, liebevoll Flocke und Franz genannt.

Erst vier Eier, dann zwei

Elsbeth Känzig, die über die Schwäne seit Jahren Protokoll führt und sogar eine Fotodokumentation produziert hat, kann detailliert über das merkwürdige Verschwinden berichten: ­Ende März hatten die Schwäne im Nest Quar­tier bezogen. Etwas später waren vier Eier zu sehen. Das machte Känzig indes schon mal stutzig, weil das Weibchen in der Regel viel mehr Eier legt, nämlich bis zu acht oder neun.

Danach passierte nichts Ungewöhnliches, bis am Donnerstag, 20. April. An diesem Tag, der eine Frostnacht hinter sich hatte, konnte Känzig bei einem Hafenbesuch nur noch zwei Eier sehen. «Wo waren die anderen zwei?», fragte sich die Ueti­kerin. Hatte sie jemand gestohlen? Etwa, um sie über ein dubioses Onlineportal an Hobbyzüchter zu verhökern? Oder hatten sie die Schwäne selber vor der Kälte versteckt? Beunruhigend war für die Beobachterin auch, dass das Männchen auf einmal ein Loch im Gefieder hatte, das nach einer Verletzung aussah. Känzig dachte ­so­fort an eine Attacke, zumal viele Federn im Nest herumlagen.

Seltsame Vorfälle in Serie

Noch grösser war der Schock am letzten Freitag: Nun waren alle Eier weg. Und nicht nur das: Auch Flocke und Franz waren verschwunden und tauchten nicht mehr im Nest auf. «Da muss ­etwas Schlimmes passiert sein», erklärt Känzig, als wir mit ihr das leere Nest inspizieren. Sie glaubt, dass jemand auf die Schwäne losgegangen ist und die Eier geraubt hat. Diese Meinung teilen auch andere Leute im Hafen, wie etwa der Bootsbesitzer Alex Weidmann: «Es tauchen ab und zu ziemlich seltsame Gestalten hier auf», meint er vielsagend.

«Wo sind die Eier? Da muss etwas Schlimmes passiert sein.»Elsbeth Känzig, Beobachterin aus Uetikon

Wer genau die Schwäne und ­ihre Eier im Visier haben könnte, bleibt aber auch für Känzig eine Spekulation. Sie hat ihre Beobachtungen jedoch dem Wildhüter und dem Gemeindepräsidenten Urs Mettler gemeldet.

Dies auch deshalb, weil Känzig schon früher seltsame Vorfälle im Nest beobachtet hat. So vor zwei Jahren, als plötzlich zwei von acht Eiern zerbrochen auf dem Seeboden lagen. «Die hat jemand in den See geworfen», ist die Ueti­ke­rin überzeugt. Und im letzten Jahr war eines von sieben Eiern plötzlich weg – und durch eine eierförmige Attrappe aus Papier ersetzt worden. Auch hier müsse ein Mensch am Werk gewesen sein, meint Känzig.

Das plötzliche Verschwinden von Eiern und Schwänen beschäftigt auch Gemeindepräsident Mettler. Er findet das Ganze «sehr komisch», wie er sagt. Und er fragt sich, ob da ein «Schwäne-Hasser» unterwegs sei. Die Kantonspolizei teilte dazu mit, dass keine Meldungen zu Misshandlungen von Wasservögeln eingegangen seien – weder bei der Seepolizei noch bei der Fachgruppe Tier- und Umweltschutz. Auf eine neue Spur bringt uns im ­Hafen von Ueti­kon dann etwas unerwartet Eleonore Butt. Sie wohnt in einem Haus gleich gegenüber und ist oft am See unterwegs. Für sie ist klar: «Da hat ein Fuchs zugeschlagen.» Sie habe, so Butt, eine solchen in der Nacht beobachten können. Er ­habe eindeutig etwas «grosses Weisses» in der Schnauze gehabt und sei damit im Garten neben dem Hafen verschwunden. «Ich dachte sofort, das ist eines der Schwaneneier», sagt sie.

Am Ende ein Fuchs?

War es also ein Fuchs, der die Schwäne attackierte und die Eier klaute? Ausgeschlossen ist das nicht, zumal Angriffe von Füchsen oder Hunden durchaus möglich sind, selbst wenn Schwäne durchaus mit heftiger Gegenwehr reagieren können. Sicher ist letztlich aber nur: Bis jetzt ist erst einer der beiden Schwäne wieder im Revier in Hafennähe aufgetaucht: Franz. Das Männchen wurde vom Ehepaar Känzig in Ufer­nähe gesichtet, wie es mitgeteilt hat. Von Flocke, dem Weibchen, fehlt dagegen noch immer jede Spur – und von den Eiern sowieso.

Erstellt: 26.04.2017, 15:22 Uhr

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