Verkehr

Warnung an Kinder (und Erwachsene): Der Tote Winkel kann todbringend sein

Die Stadtpolizei Winterthur hat in Kooperation mit den Kollegen in Zürich einen Fernsehspot produzieren lassen, der auf die Gefahren des Velofahrens neben einem Lastwagen hinweist. Am Dienstag hat eine Schulklasse genau dies hautnah erlebt.

Einzeln dürfen die Viertklässler in die Fahrerkabine und sehen dann, wie wenig ein Chauffeur von dem sieht, was um den Laster herum ist.

Einzeln dürfen die Viertklässler in die Fahrerkabine und sehen dann, wie wenig ein Chauffeur von dem sieht, was um den Laster herum ist. Bild: Marc Dahinden

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Der kurze Film «Toter Winkel», der seit einigen Tagen bei den Lokalsendern Tele Top und Tele Züri zu sehen ist, ist krass. Er zeigt erschreckend klar, wie wenig ein Lastwagenchauffeur im Grunde von dem sieht, was links und rechts und vor seiner Fahrerkabine vor sich geht. Der Tote Winkel ist riesengross. Deutlich wird das im TV-Spot, wenn die Kamera dank Drohne in die Höhe steigt und all die Kinder zeigt, die sich neben und vor dem schweren Fahrzeug befinden.

TV-Spot «Toter Winkel». PD Stadtpolizei Winterthur

Am Dienstag, zur Lancierung der Kampagne, hatte die Polizei in den Verkehrsgarten in der Grüze eingeladen: Die Viertkässler von Reto Romann aus dem Schulhaus Tägelmoos waren da, einige Medienleute sowie Verkehrsinstruktoren der Stadtpolizei, und mittendrin stand ein grosser gelber Toggenburger-Lastwagen.

Nach einer kurzen Theorie-Lektion mit Verkehrsinstruktor Markus Sieber durften die Kinder eins nach dem anderen auf den Chauffeursessel klettern und sich selber ein Bild davon machen wie wenig man von dort oben sieht. Oder anders gesagt: Wie viele tote Winkel so ein Lastwagen trotz mehrerer Spiegel links und rechts immer noch hat.

So erlebt es der LKW-Fahrer

Dieser Toggenburger-Lastwagen hat sogar noch einen Spiegel mehr als üblich: Auf der rechten, der supergefährlichen Seite ist auch einer horizontal montiert, damit der Fahrer ein Stück weit nach unten sieht. «Damit kann die Sicht etwas verbessert werden, und natürlich haben wir eine Rückfahrkamera, aber ein Toter Winkel bleibt immer», sagt Ralph Huber, der seit zwölf Jahren bei der Firma Toggenburger arbeitet. Zuerst war er selber Chauffeur, heute koordiniert er die Einsätze von 85 Kollegen und fast ebenso vielen Fahrzeugen.

In Winterthur werden die Viertklässler zum Thema «Toter Winkel» aufgeklärt – und sie sollen die Botschaft auch nach Hause zu den Eltern tragen. Video: SDA

Auch er selber sei erschrocken, als er beim Drehen des Spots sah, wie gross dieser Tote Winkel effektiv sei, sagt Huber. Doch müsse man unterscheiden zwischen diesem statischen Zustand und jenem, den er als Fahrer erlebe: Er verfolge Radfahrer mit den Augen und wisse, wo diese sich befinden, auch wenn er sie nicht sehe. Frage an den Profi: Wären elektronische Systeme mit seitlichen Kameras oder Radar sowie mit Warnsignalen hilfreich? Abstandswarner seien nicht immer zielführend, glaubt Huber, denn auf Baustellen müsse man oft nahe an Hindernisse ranfahren. Es gebe aber Entwicklungen in der Laswagenbranche, die in Richtung Abbiegeassistenten gehen.

Hier stellt sich natürlich die Frage: Müssen nur die Kinder (und die erwachsenen Velofahrer) achtgeben, müsste nichtvielmehr auch die Laswagenbranche das Ihrige für mehr Sicherheit tun?

Das sagt die Lastwagenbranche

Wir fragen nach beim Astag, dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband. Ein Sprecher verweist zunächst auf «gezielte Aus- und Weiterbildungskurse für Chauffeure» sowie auf Präventionsmassnahmen, um Velofahrer auf die Gefahr des Toten Winkels hinzuweisen. Dazu gehören eine Broschüre sowie Figuren für die Verkehrserziehung. Technische Hilfen an den Lastwagen, so genannte Abbiegeassistenten, sind hingegen erst im Kommen. Mercedes-Benz habe als erster grosser Lastwagenbauer ein entsprechendes System entwickelt. Auch ein System, mit dem Lastwagen nachgerüstet werden können, ist laut dem Nutzfahrzeugverband jetzt auf dem Markt.

Die Diskussion überdie Notwendigkeit elektronischer Assistenten wird vorab in Deutschland derzeit intensiv geführt. Laut dem Fahrrad-Club ADFC liessen sich mit einem Abbiegeassistenten rund 60 Prozent der schweren Abbiegeunfälle vermeiden. In Deutschland kamen laut ADFC bei Abbiegeunfällen mit einem LKW im letzten Jahr 38 Radfahrende ums Leben. Im Kanton Zürich waren es dieses Jahr rund 30 Unfälle mit einem Dutzend schwer Verletzten.

Erstellt: 18.09.2018, 16:29 Uhr

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