Kantonsrat

Was die Wahllisten verraten

Die Parteien mussten kürzlich die Listen für alle 18 Wahlkreise den Behörden abliefern. Ein Streifzug durch ausgewählte Wahlkreise und Wahllisten.

Noch sind die Wahllisten 2019 nicht bei den Wählenden. Spätestens am 24. März gilt es dann aber, mit diesen Listen die Weichen zu stellen.

Noch sind die Wahllisten 2019 nicht bei den Wählenden. Spätestens am 24. März gilt es dann aber, mit diesen Listen die Weichen zu stellen. Bild: Eddy Risch

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Die SVP ist mit 55 Sitzen die grösste­ Partei im Kantonsrat. Und sie steht vor der grössten Herausforderung kurz vor den Kantonsratswahlen. Zum einen erlebte sie ein Debakel in den Kommunalwahlen vom Frühling und muss da­mit rechnen, dass sie noch immer im Gegenwind steht. Zum andern treten 15 Leute der Fraktion am 24. März nicht wieder an – so viele wie in keiner andern Fraktion. Mit neuen, noch wenig bekannten Leuten ist es in der Regel schwieriger, den Besitzstand zu verteidigen.

Diese Ausgangslage zeigt sich in diversen der 18 Wahlkreise. Etwa­ im Wahlkreis 6 der Stadt ­Zürich (Stadtkreise 11 und 12), wo die 12 Sitze so verteilt sind: Die SVP und SP haben je drei, die FDP zwei Sitze, die GLP, Grünen, CVP und AL je einen Sitz. Aus­ser der SVP können alle Parteien ihre Man­date mit Bisherigen vertei­digen. Die SVP kann nur einen einzigen Bisherigen aufbieten.

Im Wahlkreis Hinwil ist die Lage­ für die SVP ähnlich. Von den 11 zu verteilenden Sitzen hat die SVP deren vier, für die aber nur zwei Bisherige antreten: Daniel Wäfler und Elisabeth Pflugshaupt. Die Frage in Zürich, Hinwil und anderswo ist also, ob die SVP ihren Besitzstand zu wahren vermag. Und wer profitieren kann, sofern das nicht der Fall ist.

Härterer Verteilkampf

In Hinwil sitzen beispielsweise die Grünen auf der Lauer. Sie wollen ihre Parteipräsidentin Marionna Schlatter, Soziologin und Pilz­kontrolleurin, ins Parlament bringen. Die Krux ist, dass auch sie eine Neue ist. Schlatter will das Mandat des nicht mehr antretenden Max Homberger (Wetzikon) verteidigen. Nicht besser geht es der SP und GLP, die beide über je ein Mandat verfügen, dieses aber mit Neuen besetzen wollen. Demgegenüber sind CVP, EVP, BDP und EDU insofern im Vorteil, dass die Bisherigen wieder kommen. Spannend ist die Ausgangslage in Hinwil, weil es einen Sitz weniger zu verteilen gibt als 2015.

Langweilig wäre die Situation im kleinen Wahlkreis 1, der die Stadtzürcher Kreise 1 und 2 umfasst, wenn da nicht zwei Faktoren wären: Zum einen gibt es einen Sitz mehr zu verteilen als 2015, nämlich fünf statt vier Sitze. Zum andern figuriert kurioserweise CVP-Nationalrätin Kathy Riklin auf der CVP-Liste. Sie ist auf der CVP-Nationalratsliste nicht mehr willkommen. Auf der Kantonsratsliste steht sie allerdings nur auf Platz zwei. Zudem hat die CVP in diesem Wahlkreis noch kein Mandat. 2015 war es die GLP, die ihren einzigen Sitz verlor. Aktuell ist es so, dass SVP, SP, FDP und Grüne je ein Mandat haben. Und alle kommen mit Bisherigen. Bemerkenswertes Detail: Auf der Liste der Grünen figuriert an erster­ Stelle Beat Bloch, Mitglied der CSP. Er politisiert schon lange in der Grünen-Fraktion. Der CSP steht auch CVP-Nationalrätin Riklin nahe. Sie liebäugelt damit, auf der CSP-Liste erneut für den Nationalrat zu kandidieren. Die Frage im Wahlkreis 1 lautet also: Wer holt den zusätzlichen Sitz?

Angriff auf Platzhirsche

Delikat ist die Ausgangslage im Wahlkreis 5, zu dem die Stadtzürcher Kreise 7 und 8 gehören. Sechs Sitze sind dort zu verteilen. Die Platzhirsche heissen SP und FDP mit je 2 Mandaten, während SVP und Grüne nur je einen Sitz haben. SP, FDP und Grüne kommen mit Bisherigen. Die Grünen etwa mit Fraktionschefin Esther Guyer. Aller Augen sind auf die SVP gerichtet, weil diese ihren Sitz mit dem bekannten Milieu-Anwalt Valentin Landmann verteidigen will.

Wegen Landmann ist es für SVP-Kantonsrätin Nina Fehr Dü­sel­­ sehr ungemütlich geworden. Es war ihr Sitz im Kreis 8 und sie hätte gern nochmals in der Stadt kandidiert. Weil sie aber in den Wahlkreis Meilen zügelte, muss sie nun auch dort antreten. Die Par­tei setzte sie hinter die Bishe­rigen auf den fünften Listenplatz. Dort droht ihr die Abwahl, weil die SVP im Bezirk Meilen aktu­ell nur vier Sitze hat, um die sich fünf Bisherige balgen. Anstrengen muss sich dort auch die FDP. Sie hat wie die SVP vier von 13 Sitzen. Die Freisinnigen haben aber nur drei Bisherige, währen alle andern Par­teien Altgediente an­treten lassen­: die SP zwei; GLP, Grüne und CVP je einen. Der Kampf wird für alle härter, weil in Meilen nur noch 12 statt 13 Sitze verteilt werden­.

Auf verschiedenen Wahllisten figurieren auch Namen, die schon einmal im Kantonsrat waren und jetzt auf ein Comeback hoffen. Bei den Grünen auf der Liste Winterthur-Land steht auf dem Spitzenplatz etwa Biobauer Urs Hans, der einst abgewählt wurde. Hans soll den Grünen-Sitz zurückholen, der 2015 an die SVP ging. Im Wahlkreis Pfäffikon führt Andreas Hasler, Geschäftsführer von Pro Natura, die GLP-Liste an. Auch er hat eine Abwahl hinter sich. Die EDU hat in Meilen nochmals Alt-Kantonsrat Heinz Kyburz auf Platz eins gesetzt.

Auf Spitzenplätzen stehen normalerweise auch die Regierungsratskandidaten der kleinen Parteien. Anders ist es bei der AL: Wal­ter Angst figuriert auf dem letzten Platz im Bezirk Horgen. «Ich will Regierungsrat werden, nicht Kantonsrat», sagt Angst au­gen­zwinkernd. Er wohnt in Zü­rich­ und sitzt dort im Stadtparlament. Der Bezirk Horgen passe zu ihm, da er in Wädenswil aufgewachsen sei.

Erstellt: 21.01.2019, 08:33 Uhr

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