Zürich

Wer die SBB im Visier haben könnte

Nach den Verursachern des Kabelbrandes vom Dienstag wird gesucht. Ein politischer Hintergrund des Brandanschlags ist nicht ausgeschlossen.

Kleine Ursache, grosse Wirkung: SBB-Mitarbeiter am Dienstag am Ort des Kabelbrandes.

Kleine Ursache, grosse Wirkung: SBB-Mitarbeiter am Dienstag am Ort des Kabelbrandes. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem vermutlich vorsätzlich gelegten Brand beim Bahnviadukt Zürich-Seebach war der Bahnverkehr in Zürich am Dienstag den ganzen Tag über schwer beeinträchtigt. Einige beschä­digte Kabel haben dazu gereicht. Verstärken die SBB nun ­aufgrund des Vorfalls ihre Si­cher­heits­massnahmen? «Über unsere ­Sicherheitsmassnahmen geben wir generell keine Auskünfte»,sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli.

Während der Bahnbetrieb seit Dienstagabend wieder reibungslos funktioniert, läuft die Suche nach den Tätern weiterhin auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft wollte gestern mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen jedoch keine Auskünfte dazu erteilen.

Wer könnte überhaupt ein Interesse daran haben, den Bahnbetrieb so massiv zu stören? Vielleicht ein frustrierter ehemaliger Angestellter, der genau wusste, wie wichtig die entlang der Gleise verlegten Leitungen für den Bahnbetrieb sind? Oder war das Ganze nur ein Lausbubenstreich mit unerwartet grossen Folgen?

Am Dienstag hiess es seitens der Stadtpolizei, dass auch ein politischer Hintergrund «nicht ausgeschlossen» werde. Zudem würden mögliche Zusammenhänge zu einem Brand im Tramtunnel Schwamendingen vom31. Dezember 2015 geprüft. Auch dort vermuteten Ermittler Brandstiftung. Brennende Elek­troverteilerkästen hatten zum Ausfall von Signalen und Zug-sicherung geführt. Weder zum Brand im Tramtunnel noch zu demjenigen im Kabelschacht gibt es Bekennerschreiben.

In der deutschen Hauptstadt Berlin kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren ähnlich ausgeführten Brandstiftungen, die den S-Bahn-Verkehr beeinträchtigten. Im Gegensatz zu den beiden Vorfällen in Zürich gab es in Berlin jeweils Bekennerschreiben aus linksradikalen Kreisen. Als Begründung für die Taten wurde mehrfach die Situation von Flüchtlingen genannt.

Farbanschlagwar «nur der Anfang»

Eine ähnliche Vorgehensweise allein reicht natürlich nicht aus, um eine Täterschaft aus dem linksex­tremen Milieu zu vermuten. Klar ist hingegen, dass die SBB durchaus auch im Visier dieser Kreise stehen. Meist erregen Vorfälle in diesem Zusammenhang keine grosse Aufmerksamkeit, weil deren Folgen im Vergleich zu dem Kabelbrand in der Nacht auf Dienstag gering sind. Vor etwas mehr als einem Monat beispielsweise wurden zwei vorbeifahrende Züge im Kanton Bern mit Farbe besprüht. Zu der Aktion haben die Täter ein Bekennerschreiben und ein Video im Internet veröffentlicht. Die SBB «verdienen Geld am Elend anderer», ist dort zu lesen, weil sie zusammen mit Securitas einen «Jailtrain» betrieben, der für den Transport von Häftlingen sowie Migranten auf dem Weg zur Ausschaffung aus der Schweiz genutzt werde. Die Sprühaktion mit schwarzer Farbe sei «nur der ­Anfang» gewesen, heisst es gegen Ende der Mitteilung.

Wie häufig die SBB Opfer von Sachbeschädigungen aus politischen Gründen werden, ist nicht bekannt. «Wir führen keine Statistik zu den Motiven von Sach­beschädigungen», sagt Schärli.

In Zürich waren sowohl die SBB wie auch die Securitas schon mehrfach Zielscheibe von Angriffen militanter Linker. Das SBB-Immobilienprojekt Europaallee beim Zürcher Hauptbahnhof gilt ihnen als verhasstes Symbol der Gentrifizierung. Ende April wurde auch der Securitas-Sitz in Zürich während eines Saubannerzugs gezielt angegriffen.

Brandanschlag wegenFlüchtlingstransporten

Wer sich der «Deportation» von Flüchtlingen mitschuldig macht, muss offenbar mit einem Brandanschlag rechnen. Diese Erfahrung jedenfalls hat ein Zürcher Carunternehmer gemacht, der im Auftrag der Asylorganisation Zürich (AOZ) Asylsuchende transportierte. In der Nacht auf Sonntag, 13. März, «wurde sein Privatauto vor seiner Hütte ab­gefackelt», wie es im Bekennerschreiben heisst.

Unweit des Ortes, an dem in der Nacht auf Dienstag Feuer gelegt wurde, gerieten die SBB bereits einmal in einen Konflikt mit einigen Besetzern, die dort ab September 2014 in Bauwagen wohnten. Anfang Januar 2015 wurde das Areal geräumt, Versuche zu einer gütlichen Einigung scheiterten im Vorfeld.

Die SBB wollten die Besetzung unter dem Bahnviadukt nur schon aus Sicherheitsüberle­gungen nicht dulden – ein Brand an einem solchen Ort würde schliesslich den Bahnbetrieb gefährden. Eine Begründung, die sich in der Nacht auf Dienstag als korrekt herausgestellt hat – wer auch immer dafür die Verantwortung trägt. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.06.2016, 10:23 Uhr

Artikel zum Thema

Brandsatz stiftet Chaos im Grossraum Zürich

Zürich Im Grossraum Zürich ist es am Dienstagmorgen zu Zugausfällen und Verspätungen gekommen. Grund war ein absichtlich gelegtes Feuer in Gleisnähe. Mehr...

Untersuchungen zum Zürcher ÖV-Chaos laufen auf Hochtouren

Zürich Einen Tag nach dem absichtlich gelegten Brand in Zürich-Nord, der ein grosses Chaos im Zürcher ÖV ausgelöst hat, gibt es noch keine Hinweise auf eine mögliche Täterschaft. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.