Winterthur

Wer sind die Totengräber der Afro-Pfingsten?

Nach dem Konkurs der Afro-Pfingsten ist ein Streit um die Verantwortung der Finanzmisere entbrannt.

Begräbt der einstige geistige Vater die Veranstaltung, indem er sie mit einem fast identischen Anlass konkurrenziert? Holzmasken am Afro-Pfingsten Weltmarkt.

Begräbt der einstige geistige Vater die Veranstaltung, indem er sie mit einem fast identischen Anlass konkurrenziert? Holzmasken am Afro-Pfingsten Weltmarkt. Bild: Heinz Diener

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«Ausgetrommelt», «Definitiv keine Afro-Pfingsten», «Mr. Afro-Pfingsten wills wieder wissen»: Wer die Turbulenzen rund um das traditionsreiche Winterthurer Afrikafestival verpasst hat, dem dienen diese «Landbote»-Schlagzeilen der letzten Wochen eigentlich schon als gute Zusammenfassung. Trotzdem ein kurzer Rückblick: Ende Oktober wurde bekannt, dass der Verein Afro- ­Pfingsten sowie die Trägerfirma Fairmeetings AG vor dem Konkurs stehen. In den letzten drei Jahren häuften sie 702 000 Franken Schulden an. Stadt und Veranstalter sagten das Festival deshalb für das Jahr 2016 ab, woraufhin Afro-Pfingsten-Gründer Daniel Bühler vor einer Woche eine Alternative aus dem Hut zauberte: einen abgespeckten Weltmarkt namens One World.

Der Soloschritt von Bühler, der sein Festival bereits 2012 an die Fairmeetings AG verkauft hatte, stösst einem Mann sauer auf: Roger-René Müller, Sanierungsbeauftragter der Afro-Pfingsten und CEO der Marketing-Manufaktur AG (das wiederum ist die Mutterfirma der Fairmeetings AG).

Müller wirft «Mr. Afro-Pfingsten» Daniel Bühler Unehrlichkeit vor. «Es geht ihm nicht um die Afro-Pfingsten, sondern nur darum, sein neues Produkt zu promoten.» Der One-World-Markt finde zur gleichen Zeit und mit den gleichen Inhalten statt. «Der geplante Markt ist nicht mehr als eine Afro-Pfingsten light. Das ist alter Wein in neuen Schläuchen.»

Bevor Bühler mit der Idee eines neuen Weltmarktes an die Medien gelangte, informierte er vor zwei Wochen den Afro-Pfingsten-Förderverein. Die Meinung dort war einhellig: Wenn der One-World-Markt komme, mache eine Fortführung der Afro-Pfingsten wenig Sinn, zu ähnlich seien sich die beiden Veranstaltungen. Für Müller ist klar: «Wenn Bühler das Konkurrenzprodukt tatsächlich auf den Markt wirft, ist er der eigentliche Totengräber der Afro-Pfingsten.»

Bühler stellt sich laut Müller zudem als «Unschuldslamm» dar, was das Defizit des Festivals betrifft. «Bühler war als Präsident des Träger- und Fördervereins bis 2014 sowie als künstlerischer Leiter bis im Sommer 2015 zu einem grossen Teil mitverantwortlich für die finanzielle Misere», sagt Müller, räumt aber zugleich ein, das interne Controlling habe phasenweise versagt.

Keine Lust auf Streit

Bühler selber, der derzeit in Israel weilt, hat «eigentlich überhaupt keine Lust, zu streiten». Dennoch will er den Vorwurf der Mitverantwortung entkräften. «Ich hatte im Rahmen meiner Mandate in den letzten zwei Jahren praktisch keinen Einfluss mehr auf die Programmation der Grosskonzerte.» Die diesbezüglichen Aussagen seien «schlicht falsch». Zudem dürfe jeder einen Weltmarkt organisieren: «Es weiss ja niemand, ob die Afro-Pfingsten je wieder auf die Beine kommen.»

«Wir prüfen rechtliche Schritte», sagt Müller. «Dem schaue ich gelassen entgegen», sagt Bühler. Heute in einer Woche lädt er in die Alte Kaserne zum «One World»-Kick-off-Meeting. Anfang Januar schaut er sich zusammen mit den Behörden den Platz in der Altstadt an.

Erstellt: 10.12.2015, 21:03 Uhr

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