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Wie der Veloschlauch in die Reisetasche kam

Der Taschenhersteller Freitag bringt eine Reisetasche mit Rädern auf den Markt. Im Zippelin steckt eine Innovation. Und die renommierte Zürcher Firma geht auch in der Vermarktung neue Wege.

Die Reisetasche Zippelin von Freitag fasst 85 Liter. Sie kann zusammengerollt und verstaut werden. Kommt sie zum Einsatz, wird kurzerhand ein Veloschlauch aufgepumpt.
Die Reisetasche Zippelin von Freitag fasst 85 Liter. Sie kann zusammengerollt und verstaut werden. Kommt sie zum Einsatz, wird kurzerhand ein Veloschlauch aufgepumpt.
zvg

Freitag-Taschen sind aus dem Zürcher Stadtbild kaum mehr wegzudenken. Die meist wasserabweisenden und robusten Produkte aus gebrauchten LKW-Planen stehen für Kreativität und Ökologie. Seit den Anfängen 1993 wurde die Modellpalette stark ­erweitert. Längst sind neben den Urmodellen zahlreiche weitere Varianten der meist bunten Taschen auf dem Markt. Dazugekommen sind unter anderem Rucksäcke, Portemonnaies, Handy- und Laptop-Hüllen, Necessaires und Agenden. Die Firma beschäftigt mittlerweile rund 170 Personen und sie gehört nach wie vor den Gebrüdern Markus und Daniel Freitag. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich seit ein paar Jahren im Gewerbehaus Noerd in Zürich-Oerlikon.

Freitag produziert laut eigenen Angaben jährlich rund 400 000 Produkte. Seit der Gründerzeit wurden die Freitag-Produkte bereits mehrfach ausgezeichnet. Das Urmodell wurde 2003 sogar in die Designsammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York aufgenommen.

Schlauch löst Gewichtsproblem

Was bei aller Vielfalt bisher fehlte, war eine grosse Reisetasche auf Rädern. Da man beim Grundmaterial nicht von den unvermeidlichen LKW-Planen abweichen wollte, war das Gewicht der Knackpunkt. Die Planen wiegen schwerer als Materialien, die von anderen Reisegepäckherstellern eingesetzt werden. Zusätzliches Gewicht fällt an durch den Rahmen, welcher der Tasche ihre Stabilität verleiht.

Produktentwickler Nicola Stäubli – der ETH-Architekt und ehemalige Velokurier – kann nicht mehr genau sagen, wann ihm die zündende Idee kam: «Ich habe Zelte gesehen, die mit Luft stabilisiert werden statt mit Zeltstangen», sagt Stäubli. Und dann seien Fahrradschläuche ja schon immer zum Einsatz gekommen bei der Produktion von Freitag-Taschen. Ein herkömmlicher Fahrradschlauch ist es nun auch, der bei der Reisetasche Zippelin mit einem Volumen von 85 Litern für Stabilität sorgt. Bei einem Gewicht von nunmehr 3,6 Kilogramm kann das Luftschiff von Freitag mit der Konkurrenz mithalten.

Bild: zvg

Der Schlauch ist in einem Kanal auf der Unterseite der Tasche eingezogen. Mit einer Pumpe wird er auf rund 2 Bar aufgepumpt – das ist deutlich weniger als die 4 bis 5 Bar, welche für ein Rennvelo nötig sind. Der Veloschlauch verleiht der Tasche die notwendige Stabilität. Das funktioniert ohne weiteres auch bei einem Gewicht von 25 oder mehr Kilogramm. Ein defekter Schlauch kann dank eines Reissverschlusses einfach herausgenommen und ersetzt werden. Zur Not lässt sich die Tasche aber auch ohne Schlauch verwenden.

Freitag lanciert Tascheauf Kickstarter

Wer nicht auf Reisen ist, lässt die Luft kurzerhand aus dem Veloschlauch und kann die Tasche zusammenrollen. So kann man den Zippelin auf kleinem Raum verstauen.

Freitag hat sich nicht bloss bei der Entwicklung des neuen Produktes einiges einfallen lassen, auch in der Vermarktung geht das Unternehmen neue Wege. Erstmals arbeitet Freitag nämlich mit der Crowdfunding-Plattform Kickstarter zusammen (siehe Kasten). Auf Kickstarter können Interessierte bis zum 12. Oktober den Zippelin anschauen, das Projekt unterstützen und sich so eine Reisetasche sichern. Gegenüber dem angegebenen Verkaufspreis von 520 Euro profitiert man von einem Preisnachlass.

Die 100 000 Euro, die erreicht werden mussten, damit der Zippelin überhaupt in Produktion geht, waren innert weniger Stunden zugesichert, wie Elisabeth Isenegger, die Kommunikationsverantwortliche von Freitag, sagt. Mit dem Kickstarter-Projekt wollte Freitag herausfinden, ob eine Nachfrage nach einer solchen Reisetasche besteht, bevor Hunderte von Taschen hergestellt werden. Schliesslich wird für einen Zippelin fünfmal so viel Plane verbraucht wie für eine herkömm­liche Freitag-Tasche. Reisetaschen, die im Rahmen der Kickstarter-Aktion bestellt werden, wird Freitag bestimmt produzieren. Ob der Zippelin später tatsächlich in die Läden kommt, ist im Moment noch nicht entschieden.

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