«Wir haben kein Interesse daran, Sulzer vollständig zu übernehmen»

Mit dem Kauf zusätzlicher Aktien strebe Renova nicht nach der ­Totalübernahme von Sulzer, hiess es am Medien-Roundtable – hier die wichtigsten Fragen an Renova-Chef Peter Löscher und was er dazu sagte.

Verwaltungsratspräsident von Sulzer und Renova-Chef Peter Löscher während der Generalversammlung von Sulzer in der Eulachhalle. Links von ihm sitzt CEO Klaus Stahlmann.

Verwaltungsratspräsident von Sulzer und Renova-Chef Peter Löscher während der Generalversammlung von Sulzer in der Eulachhalle. Links von ihm sitzt CEO Klaus Stahlmann. Bild: Johanna Bossart

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Sie haben mehr Sulzer-Aktien gekauft und die Grenze von einem Drittel überschritten, was Sie zur Abgabe eines Kaufangebots für die restlichen ­Aktien verpflichtet. Wollen Sie Sulzer ganz übernehmen? Nein, wir haben nicht die Absicht, Sulzer ganz zu übernehmen, den Konzern zu privatisieren. Wir wollen die Aktivitäten von Sulzer nachhaltig und langfristig entwickeln. Sulzer soll eine starke Publikumsgesellschaft mit einer breiten Aktionärsbasis bleiben.

Wieso haben Sie dann mehr Aktien gekauft? Im Februar hat das Sulzer-Management die Strategie «Sulzer Full Potential» vorgestellt. Dazu gehören drei Ziele: eine Erhöhung der Gewinnmarge auf vier bis sechs Prozent bis 2018, die ­Tätigung von Firmenzukäufen und eine Anpassung der Kapitalstruktur des Konzerns. Für den letzten Punkt kann ein Aktienrückkauf sinnvoll sein. Mit unserem Vor­gehen geben wir Sulzer die Möglichkeit dazu. Wir geben Sulzer mehr Flexibilität.

Welche Beteiligungshöhe ­streben Sie an? Es gibt keine Zielhöhe. Wir wollen eine starke Minderheitsbeteiligung von nicht über 50 Prozent.

Vielleicht wollen Sie einfach später alles kaufen. Dann, wenn der Aktienkurs höher ist als heute? Nein, das wollen wir nicht. Wie gesagt: Wir wollen Sulzer mehr Flexibiltät geben. Sollte Sulzer einen Aktienrückkauf vornehmen wollen, kann Renova dies künftig unterstützen. Auch danach könnten wir als Aktionär weiterhin so stark sein, dass wir die Entwicklung von Sulzer strategisch begleiten können, und würden nicht zum reinen Finanzinvestoren degradiert.

Warum erfolgen die Zukäufe gerade jetzt? Sulzer ist heute nicht so bewertet, wie es dem Potenzial der Firma entspricht. Wenn wir unsere Beteiligung jetzt erhöhen und das geforderte Pflichtangebot vorlegen, ist das Risiko äusserst gering, dass dieses Angebot von den Aktionären angenommen wird. Dies belegt übrigens, dass wir die Firma nicht ganz übernehmen wollen: Wir legen ein Angebot vor, das dem aktuellen Börsenkurs vom Freitag entspricht, 99.20 Franken, mit einem Aufschlag von 0,000 Prozent – da wird kein Aktionär zugreifen. Wenn ich jetzt auf meinen Handy nachschaue, sehe ich, dass der Kurs der Aktie seit unserer Ankündigung am Morgen bereits um über fünf Franken gestiegen ist. Wenn jemand seine Aktien verkaufen will, wird er das also auf dem Markt tun, und nicht auf unser tieferes Angebot zurückgreifen.

Was ist, wenn die anderen ­Aktionäre, entgegen Ihren ­Erwartungen, die Aktien doch an Sie verkaufen wollen? Wir würden selbstverständlich Sulzer ganz übernehmen, wenn wir müssten. Wie gesagt ist aber die Chance, dass uns die Aktien zum offerierten Preis angedient werden, extrem gering.

Im Moment sind die Märkte ­instabil: Eine einzelne Meldung zu Griechenland kann die Kurse sinken lassen. Die Frist Ihres Angebots läuft bis am 14. September, da kann viel passieren. Diese Einschätzung teile ich nicht. Mit dem Pflichtangebot ­haben wir die Aktie nach unten stabilisiert, sie wird kaum unter 99.20 Franken fallen. Hinzu kommt, dass die Aktie, betrachtet man einen längeren Zeitraum, tief bewertet ist. Die meisten Aktionäre haben zu einem höheren Preis gekauft. Wenn sie nun für 99.20 Franken verkaufen würden, würden sie Verluste realisieren.

Ihr Vorgehen lässt eine baldige Kapitalherabsetzung durch einen Aktienrückkauf erwarten. Ist eine Fusion mit einer anderen Firma also vom Tisch? Nein, das ist damit nicht gesagt. Ich bin heute als Renova-Vertreter hier, nicht als Vertreter von Sulzer. Der Sulzer-Verwaltungsrat kann frei entscheiden.

Legen Sie als Grossinvestor Sulzer die Daumenschrauben an, bald einen Aktienrückkauf zu tätigen, damit Geld an die Aktionäre ausgeschüttet wird? Nein. Das entscheiden nicht wir, das entscheidet Sulzer. Die neue Sulzer-Strategie ist im Februar von Sulzer-CFO Thomas Dittrich vorgestellt worden.

Sie sagten es vorhin: Sie sind Renova-Chef und zugleich Sulzer-Präsident. Besteht da nicht ein Interessenskonflikt? Um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden, haben wir entscheiden, dass sowohl ich als auch der zweite Verwaltungsrat von Renova, Marco Musetti, in Bezug auf das Pflichtangebot in den Ausstand treten. Gute Corporate ­Governance ist mir persönlich sehr wichtig.

Erstellt: 03.08.2015, 17:13 Uhr

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