Gesundheit

Kein Heimatschutz für das Spital Affoltern

Das klare Ja der Säuliämtler zu ihrem Spital lässt die neue Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli kalt.

Das Spital Affoltern ist zuwenig ausgelastet.

Das Spital Affoltern ist zuwenig ausgelastet. Bild: Samuel Schalch

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Das Bezirk Affoltern steht hinter seinem Spital. So jedenfalls ist das Abstimmungsresultat vor zwei Wochen zu deuten. In den 14 Zweckverbandsgemeinden waren 75 Prozent der Stimmberechtigten für die Weiterführung des Spitals als AG. Gar 82 Prozent stimmten für die Gründung einer Interkommunalen Anstalt (IKA) für die Langzeitpflege.

Gerettet ist das Spital trotzdem nicht. Und Unterstützung vom Kanton ist nicht zu erwarten. Das macht der Regierungsrat in einer Antwort auf eine kantonsrätliche Anfrage zur Zukunft des Spitals deutlich. Darin heisst es: Der Regierungsrat ist weder verpflichtet noch berechtigt, Massnahmen zu ergreifen, um ein nicht mehr benötigtes Spital zu erhalten oder dessen Arbeitsplätze zu sichern.

Zudem sei davon auszugehen, dass aufgrund des Fachkräftemangels die Mehrheit der rund 750 Angestellten eine Beschäftigung in einer anderen medizinischen Einrichtung finden würden.

Treffen mit Rickli

Stefan Gyseler, Präsident der Spital-Betriebskommission, wundert diese trockene Antwort nicht. Der FDP-Gemeindepräsident von Hausen am Albis hat eine Woche nach der Abstimmung die neue Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) getroffen. Sie habe erklärt, dass das Spital Affoltern nicht bevorzugt behandelt werde – oder wie es nun in der Antwort des Regierungsrates heisst: keinen Bestandesschutz geniesse.




«Ein Einzelspital ist in den wenigsten Fällen versorgungsrelevant»
Stefan Gyseler
Präsident der Betriebskommission des Spitals Affoltern

Die Regierung hatte schon vor dem Urnengang erklärt, dass das Spital aufgrund der Belegungszahlen und Versorgungslage verzichtbar sei. An dieser Haltung hat auch das klare Abstimmungsresultat nichts geändert. «Wir respektieren das», sagt Gyseler. «Aber ein Einzelspital ist in den wenigsten Fällen versorgungsrelevant.»

Defizitär und schlecht ausgelastet

Über den Standort Affoltern entscheiden laut Regierungsrat Kriterien, die auch für alle anderen Spitäler gelten: Gute, effiziente und kostendeckende Leistungen, die für die Patientinnen und Patienten einfach und innert nützlicher Frist zugänglich sind. Weitere Faktoren sind Mindestfallzahlen und die Nutzung von Synergien.

Jene Spitäler, die diese Anforderungen erfüllen, erhalten Leistungsaufträge und kommen auf die Spitalliste. Das defizitäre und schlecht ausgelastete Spital Affoltern, das in einer verzettelten und über 100 Jahre alten Infrastruktur betrieben wird, läuft Gefahr, seine Leistungsaufträge zu verlieren und von der Liste gestrichen zu werden.

Gehässiger Abstimmungskampf

Um dies zu verhindern, ging die Spitalführung in die Offensive. Sie schlug vor, den Zweckverband aufzulösen und eine AG zu gründen. Die Langzeitpflege soll von einer Interkommunalen Anstalt (IKA) geführt werden. Die Hälfte der Exekutiven aus den 14 Verbandsgemeinden - darunter der Stadtrat von Affoltern - empfahlen die Ablehnung. Ihnen war das finanzielle Risiko zu hoch. Befürworter und Gegner lieferten sich einen teils gehässigen Abstimmungskampf.

Davon sei nun nichts mehr zu spüren, sagt Gyseler. Bei einem Treffen der Gemeindevertreter, wenige Tage nach dem Abstimmungssonntag, sei es zum Schulterschluss gekommen. «Es ziehen alle mit - auch die, die ein Nein empfohlen hatten.»

Risikogeburten ausserhalb

Ziel sei es nun, die Strategie möglichst schnell umzusetzen und sich bei der Gesundheitsdirektion für Leistungsaufträge zu empfehlen. In Affoltern soll ein Basispaket für die Grundversorgung angeboten werden, inklusive Notfallstationen für Chirurgie und Innere Medizin.

Mit den Zürcher Stadtspital Triemli und dem Kantonsspital Zug will man enger zusammenarbeiten. Sie sollen beispielsweise die Kaiserschnitt- und Risikogeburten übernehmen. In Affoltern wären dann nur noch konventionelle Geburten im Geburtshaus möglich.

«Wir sind mit Regierungsrätin Rickli so verblieben, dass wir ein entsprechendes Gesuch einreichen werden», sagt Gyseler. Behalten möchte man die Altersgeriatrie und Palliative Care, für die Affoltern weitherum bekannt ist. Geplant ist zudem, bis 2020 in Affoltern eine Dialyseabteilung mit acht Stationen zu eröffnen.

2021 entscheidet die Regierung

Um leistungsfähig zu bleiben, muss das Spital die alte Infrastruktur erneuern. Gyseler rechnet mit Investitionen in der Höhe von 100 Millionen Franken. «Diese Planung ist aber noch weit weg. Zuerst müssen wir wissen, welche Leistungen wir anbieten können.»

Nun gelte es zu belegen, dass das Spital Affoltern die Anforderungen der gewünschten Leistungsaufträge erfüllen könne. Nächstes Jahr müssen die Gesuche eingereicht werden. Mitte 2021 will die Gesundheitsdirektion entscheiden, wer 2022 auf der Spitalliste steht.

Erstellt: 31.05.2019, 18:15 Uhr

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