Zum Hauptinhalt springen

Pop-BriefingUnerwartete Teamarbeit mit The Streets und dem Nachwuchs eine Chance

In der wöchentlichen Popmusik-Rundschau: zwei unerwartete Comebacks. Und: Der DJ-Nachwuchs schläft nicht.

Singt über das, was ihm am liebsten ist: Mike Skinner und sein Telefon.
Screenshot: Youtube / The Streets

Das muss man hören

Nicht wenige dürften es für einen Scherz gehalten haben. Mike Skinner, der als Rapper-Produzent The Streets firmiert, kündigte am 1. April einen gemeinsamen Track mit dem Australier Kevin Parker an. Dessen Projekt Tame Impala geht mit seinen poppigen Psychedelia doch arg in die andere Richtung. Aber es stimmt: Am vergangenen Ostermontag veröffentlichte der Brite «Call My Phone Thinking Im Doing Nothing Better», und siehe da, es geht auf. Streicher, Piano, ein Touch Tame Impala, und Skinner sinniert mal wieder über sein Lieblingsgerät, das Telefon. Unerwartet und interessant.

Tocotronic schenken ihren Fans «Hoffnung». Eigenem Bekunden nach arbeiteten die Hamburger zuletzt an jenem Song, den sie jetzt vor einem neuen Album veröffentlichen. Der Text sei zwar schon ein Jahr alt, passe aber ganz gut in die heutige Zeit. «Ein kleines Stück Lyrics and Music gegen die Vereinzelung.» Stimmt. Musikalisch schlagen Tocotronic wieder einmal neue Wege ein, ungewöhnlich üppig tönt «Hoffnung».

Wie das deutsche Magazin für elektronische Musik «Groove» vermeldet, hat Richard David James, besser bekannt als Aphex Twin, unlängst seinen Vater verloren. Ob er die Trauer in der neuen Musik, die er danach auf Soundcloud geladen hat, zu verarbeiten versucht, ist reine Spekulation. Die Nummer mit dem typisch kryptischen Namen «qu1» steht in der Tradition der ganz grossen Ambient-Tracks von Aphex Twin. Das Bild zum Upload zeigt seinen verstorbenen Vater.

Darüber wird gesprochen

Muff Potter haben wohl nie Mainstream-Luft geschnuppert, trotz zwischenzeitlicher Unterstützung durch das Major-Label Universal. Nach einigen hörenswerten Alben in den Neunziger- und Nullerjahren löste sich die Band Ende 2009 auf. Vergangene Woche liess die Band aus Deutschland aufhorchen, als sie weitgehend ohne Vorankündigung einen neuen Song veröffentlichte. «Was willst du» entfaltet seinen Charme erst beim zweiten Hören. Dann aber richtig.

Das Schweizer Fenster

Auch der Zürcher Pop-Paradiesvogel Dodo verbreitet musikalische Durchhalteparolen: Er hat kurzerhand sein «Heb dure!» vom 2015er-Album «Anti-Brumm» durchaus tanzbar geremixt. «Steck de Chopf nöd in Sand, usserd liisch am Strand.»

Was blüht

Wie steht es eigentlich um den Schweizer Festivalsommer? Die Veranstalter halten sich noch bedeckt, was vermutlich auch mit vertraglichen Verpflichtungen zu tun hat. Da aber schon das M4Music sowie das Basler BScene vom kommenden Wochenende abgesagt wurden und das Montreux Jazz Festival die Verkündung seines diesjährigen Programms auf unbestimmte Zeit verschoben hat, dürfte es wohl nicht gut aussehen für die grossen Veranstaltungen, die zum Teil ja schon im Mai und Juni stattfinden sollten. Vor allem bei der Bad-Bonn-Kilbi sowie bei den frühen Festivals Greenfield und Open Air St. Gallen müssen wohl bald Entscheidungen her.

Andernorts sind schon grosse Musikfestivals abgeblasen worden: Die Fusion in Deutschland findet dieses Jahr nicht statt, ebenso die dänische Mutter aller Rock-Happenings, das Roskilde. Für einigen Wirbel sorgte auch die Aussage des Experten Zeke Emanuel in der «New York Times», der meinte: Konferenzen, Konzerte und dergleichen wären wohl das Letzte, was nach der Corona-Krise wieder stattfinden würde.

Das Fundstück

Wie beschäftigen eigentlich Musiker ihren Nachwuchs im Lockdown? Norman Cook, der als Fatboy Slim seit über zwei Jahrzehnten tanzwütige Massen weichkocht, lässt einfach seine Tochter an die Regler. Nelly Cook hat für ein knapp einstündiges Set, welches die Handschrift des alten Manns trägt, das Alias Fat Girl Slim angenommen. Die Zehnjährige beweist Rhythmusgefühl und lässt sich auch nicht durch den maskiert tanzenden Vater aus dem Konzept bringen. Durchaus augenzwinkernd sampelt sie Greta Thunberg, und wo es bei den Übergängen noch etwas knifflig ist, hilft der Papa aus.

Die Wochen-Tonspur

Neu in der laufend aktualisierten Spotify-Playlist: Neben den meisten hier besprochenen Titeln Neues von Pablo Nouvelle und ein herausragender Remix zu Caribous «Never Come Back».