Zum Hauptinhalt springen

Neue Regeln für ÖV-BussenUnter 6-Jährige kommen nicht mehr ins Schwarzfahrer-Register

Eine Fünfjährige erhielt vergangenen Sommer eine Busse, obwohl sie eigentlich gratis fahren durfte. Das sorgte landesweit für Kritik. Nun passt der Branchenverband den Tarifvertrag an.

Das Mindestalter für Begleitpersonen wird aufgehoben: Ab Dezember 2021 fahren unter sechsjährige Kinder im ÖV immer gratis.
Das Mindestalter für Begleitpersonen wird aufgehoben: Ab Dezember 2021 fahren unter sechsjährige Kinder im ÖV immer gratis.
Symbolbild: Getty Images/iStockphoto

Die fünfjährige Jara rang mit den Tränen, als sie im August letzten Jahres ihren Namen als Unterschrift auf die Busse zeichnete. Ein Kontrolleur hatte ihr eine Rechnung wegen «Schwarzfahrens» ausgestellt, dies obwohl unter Sechsjährige im ÖV grundsätzlich gratis mitfahren dürfen. Das gilt jedoch nur, wenn sie in Begleitung einer mindestens zwölfjährigen Person sind. Das wurde Jara zum Verhängnis, denn ihre Schwester, die mit ihr fuhr, war erst zehn. Der Billettkontrolleur kannte kein Pardon und stellte dem kleinen Mädchen prompt eine Busse in der Höhe von 100 Franken aus (wir berichteten). Als die Geschichte publik wurde, ging ein immenser Aufruhr durch die Schweiz. Politikerinnen und Politiker forderten, dass die Regel überdacht werden müsse.

In einem Schaffhauser Linienbus wurde im letzten Jahr eine Fünfjährige gebüsst.
In einem Schaffhauser Linienbus wurde im letzten Jahr eine Fünfjährige gebüsst.
Foto: Getty Images/iStock

Nun passt der Branchenverband Alliance Suisse die Regeln tatsächlich an, wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» heute morgen berichtete. Ab Dezember 2021 fahren alle Kinder unter sechs Jahren immer gratis. So soll vermieden werden, dass sich der Vorfall, der der Fünfjährigen widerfahren ist, nicht mehr wiederholen kann.

Verkehrsbetriebe fühlen sich düpiert

Der Grund für die Anpassung der Regel sei jedoch nicht die Berichterstattung über den Fall, vielmehr wolle Alliance Suisse damit Klarheit für die Verkehrsbetriebe schaffen. Diese fühlten sich nämlich auf verlorenem Posten, weil sie die Regeln korrekt anwendeten, dafür aber kritisiert würden.

Eine Umfrage von «Espresso» zeigt jedoch, dass Verkehrsbetriebe mit jungen «Schwarzfahrern» unterschiedlich umgehen. So hätten Kontrolleure in Chur beispielsweise immer Flyers für Eltern dabei, auf denen die Regeln erklärt seien. Kulant sei man dort bei Kindern aber sowieso. Etwas mehr Härte zeige die Postauto AG. Diese erfasse sämtliche fehlbaren Kleinkinder, prüfe aber in jedem einzelnen Fall, ob auch eine Busse ausgestellt werden soll.

23 unter Sechsjährige im Schwarzfahrer-Register

Wer in der Schweiz beim Schwarzfahren erwischt wird, dessen Name kommt für zwei Jahre ins Schwarzfahrer-Register. Seit dem Fall in Schaffhausen vom letzten August seien sieben Kinder unter Sechs neu registriert worden. Damit seien im nationalen Schwarzfahrer-Register bereits 23 unter Sechsjährige registriert. Die Zahl könnte sich bis zur Regeländerung im Dezember 2021 noch erhöhen. Denn bis dahin gilt weiterhin der aktuelle Tarifvertrag. Danach wird es für die Kleinsten und deren Eltern aber auch für die Verkehrsbetriebe klarer und einfacher.

step

28 Kommentare
    Andreas Bollner

    Gesetz ist Gesetz - sagt sich der Kontrolleur. Aber Köpfchen zur Beurteilung besonderer Fälle wäre auch ein wichtiges Kriterium. Davon scheint in den halbstaatlichen, beamtenhaften Betrieben nicht viel vorhanden zu sein.