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Nahe Tschernobyl-ReaktorWaldbrand in der Sperrzone: Feuerwehr erzielt Löscherfolge

In der Ukraine sind um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl massive Feuer ausgebrochen. Die Einsatzkräfte kämpfen mit einem Grossaufgebot dagegen.

Verbrannte Bäume sind in der Siedlung Poliske in der 30 Kilometer langen Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Bild: Reuters
Verbrannte Bäume sind in der Siedlung Poliske in der 30 Kilometer langen Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Bild: Reuters

Die Feuerwehr in der Ukraine hat nach Behördenangaben erste Löscherfolge bei den Bränden in der radioaktiv belasteten Sperrzone um das Atomkraftwerk Tschernobyl erzielt. «Es gibt kein offenes Feuer», teilte der Katastrophenschutz in Kiew am Dienstag mit.

Es würden vereinzelte Glutherde beobachtet. Unterstützt von Helikoptern und Flugzeugen seien mehr als 400 Feuerwehrleute im Einsatz. Mit schwerer Technik hätten Ingenieure insgesamt 110 Kilometer Brandschneisen gegraben. In der Nacht zum Dienstag hätten auch Regenfälle die Löscharbeiten begünstigt, hiess es. Die Brände gibt es seit über zehn Tagen.

Waldbrand in der Nähe des Ortes Volodymyrivka in der Sperrzone. Bild: Yaroslav Yemelianenko/Keystone
Waldbrand in der Nähe des Ortes Volodymyrivka in der Sperrzone. Bild: Yaroslav Yemelianenko/Keystone

In der Hauptstadt Kiew war am Morgen ein beissender Rauchgeruch zu spüren. Behörden zufolge gab es durch die seit zehn Tagen währenden Brände erhöhte Werte des radioaktiven Stoffs Cäsium-137 in Kiew. Sie seien jedoch unterhalb der Grenzwerte geblieben, hiess es.

In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Zone. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. Zuletzt hatte die Polizei einen 27-Jährigen festgenommen, der einen Brand gelegt haben soll.

Dieses Foto wurde am späten Freitagabend vom Dach des Kernkraftwerks Tschernobyl aufgenommen wurde. Bild: Ukrainian Police Press Office/Keystone
Dieses Foto wurde am späten Freitagabend vom Dach des Kernkraftwerks Tschernobyl aufgenommen wurde. Bild: Ukrainian Police Press Office/Keystone

Nach der Explosion des Blocks vier im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 waren radioaktiv belastete Landstriche um die Atomruine gesperrt worden. Die Explosion am 26. April 1986 war die schwerste Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ging 2005 von bis zu 4000 Toten aus. Andere Experten vermuten weit mehr als 100’000 Todesopfer. Die Zahlen schwanken, weil ein direkter Zusammenhang zwischen Radioaktivität und einer Krankheit oder der Todesursache schwer nachzuweisen ist. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist die Zone für geführte Touristen zugänglich.

Taiga wichtig fürs Weltklima

Umweltschützer in Russland warnen vor schweren Waldbränden in den nächsten Monaten im grössten Land der Erde. Sie befürchten, dass sich eine Katastrophe wie im vergangenen Sommer wiederholen könnte. «Dieses Jahr ist die Situation wegen der Wetterbedingungen noch viel schlimmer», sagte der Brandschutz-Experte Grigori Kuksin von der Organisation Greenpeace in Russland vergangenen Samstag. «Im Winter gab es keinen Schnee und der Frühling kam früh.»

In einigen Regionen Russlands gab es bereits erste Brände. In vielen Fällen wurden sie dem Umweltministerium zufolge von Menschen verursacht. Im Frühjahr verbrennen Dorfbewohner traditionell Laub und trockenes Gras. In vielen Regionen ist es derzeit aber sehr trocken und solche Feuer greifen rasch auf die Umgebung über. Die Waldbrand-Saison werde in diesem Jahr wegen des frühen Beginns wohl länger dauern, sagte Kuksin der Deutschen Presse-Agentur.

In den Sommermonaten 2019 wüteten vor allem in den Wäldern Sibiriens schwere Brände. Betroffen war auch die Taiga. Das ist ein für das Weltklima wichtiger Waldgürtel. Nach Schätzungen von Greenpeace auf Grundlage von staatlichen Satellitendaten fielen insgesamt 15 Millionen Hektar den Flammen zum Opfer. Das ist mehr als ein Drittel der Fläche Deutschlands.

Lesen Sie dazu: Satellitenbilder zeigen «beispiellose» Waldbrände in der Arktis

Eine Rekordhitze facht die Feuer an – und sorgt dafür, dass mehr CO2 freigesetzt wird, als manche Länder im ganzen Jahr verursachen.

Giftiger Rauch lag über vielen Dörfern und Städten. Menschen klagten über Atembeschwerden. Wegen des dichten Qualms wurde es kaum hell. Wohnhäuser waren von den Bränden meist nicht direkt bedroht, weil weite Gebiete Sibiriens nicht bewohnt sind.

Der damalige Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte den betroffenen Regionen Ende 2019 sechs Milliarden Rubel (rund 74 Millionen Euro) Soforthilfe zukommen lassen. Das Geld sollte in eine bessere Überwachung und den Schutz von Wäldern gesteckt werden. Ausserdem sollten die Kapazitäten für Löscheinsätze aus der Luft erhöht werden.

Russland sei diesmal nicht besser vorbereitet, ist Umweltschützer Kuksin aber überzeugt. Die Regierung stelle nicht dauerhaft mehr Geld zur Verfügung, um Brände künftig zu verhindern. «Es gab viele Versprechen, aber sie wurden nicht erfüllt», so der Leiter des Brandschutzprogramms bei Greenpeace. Wichtige Gesetzesinitiativen seien noch nicht umgesetzt.

Greenpeace zufolge dauert es je nach Baumart mehr als zehn Jahre, bis sich ein Wald wieder erholt hat. Die Umweltschützer schätzen, dass allein bei den Bränden im vorigen Jahr rund eine Milliarde Tiere wie Insekten und grössere Waldbewohner den Flammen zum Opfer fielen.

In abgelegenem Gebiet und Teil eines globalen Waldgürtels: Waldbrand in der Ukraine. Bild: Reuters
In abgelegenem Gebiet und Teil eines globalen Waldgürtels: Waldbrand in der Ukraine. Bild: Reuters

In Sibirien kommt es im Sommer immer wieder zu Bränden in Wäldern und auf Steppen. Im vergangenen Jahr fielen sie wegen der Trockenheit heftiger aus als in den Vorjahren. Dem Umweltministerium zufolge wird die weitere Entwicklung auch davon abhängen, ob die Menschen die Brandschutzvorschriften nun einhalten und wie schnell lokale Behörden Brände feststellen und sie löschen können.

Russen zünden traditionell im Sommer unzählige Lagerfeuer an. Manche geraten ausser Kontrolle. Vielleicht seien die Menschen nun achtsamer und würden auch den Feuerwehren mehr beim Löschen helfen, so Kuksin. «Wir hoffen nun, dass sich durch unsere Arbeit die Denkweise der Menschen etwas verändert.»

1 Kommentar
    Sam Yoshihara

    Da kommt ein ganz schlimmer, heisser und trockener Sommer auf uns zu.