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Verändertes Verhalten der SNBWarum die Nationalbank plötzlich keine Devisen mehr kauft

Nach der Kritik der USA, die Nationalbank betreibe Währungsmanipulation, verweisen Daten auf eine deutliche Änderung in deren Vorgehen. Einen Kniefall vor den Amerikanern stellt das dennoch nicht dar.

Aktuell muss er sich wegen des Aussenwerts des Frankens weniger sorgen: Nationalbankpräsident Thomas Jordan.
Aktuell muss er sich wegen des Aussenwerts des Frankens weniger sorgen: Nationalbankpräsident Thomas Jordan.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Noch keinen Monat ist es her, dass die USA die Schweiz als Währungsmanipulator bezeichnet hat. Einer der Gründe dafür sind die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an den Devisenmärkten, um eine für die Schweizer Wirtschaft schädliche Aufwertung des Frankens zu verhindern. Gemäss Ende der letzten Woche von ihr veröffentlichten Daten hat die SNB von Januar bis September 2020 für mehr als 100 Milliarden Franken Devisen gekauft. Doch in den letzten Wochen hat sie eine Art Schubumkehr vollzogen.

Die jüngste Zurückhaltung der SNB

Die SNB schweigt sich wie immer über ihre jüngsten Interventionen auf den Devisenmärkten aus. Immerhin veröffentlicht sie neu mit einem Quartal Verzögerung ab 2020 Daten dazu. Eine andere Datenreihe liefert aber gute Näherungswerte für ihr aktuelles Vorgehen: die Giroguthaben, die die Banken auf den Konten bei der SNB halten, da die SNB Devisengeschäfte über diese Konten abwickelt.

Die Grafik verweist auf eine deutliche Reduktion der Interventionen. Im Dezember sind die Guthaben auf den Girokonten sogar um fast vier Milliarden Franken gesunken.

Keine Antwort auf die Amerikaner

Trotz dem Vorwurf der Amerikaner, unter anderem mit den Devisenkäufen die Währung zu manipulieren, hat die Nationalbank erklärt, dass sie solche Käufe im Bedarfsfall weiter vornehmen werde. An seiner Pressekonferenz im Dezember sagte Präsident Thomas Jordan auf Englisch auf eine Journalistenfrage – aber wohl auch an die Adresse der Amerikaner: «Um es sehr deutlich zu sagen: Der Report des US-Finanzdepartements hat keinen Einfluss auf unsere Geldpolitik.» Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen kann, als hätte die Nationalbank nun doch ihre Politik geändert, ist das nicht der Fall. Die Zurückhaltung an den Märkten liegt vielmehr an der Entwicklung der Währungskurse.

Geringerer Aufwertungsdruck

Interveniert hat die Nationalbank bisher vor allem, um eine zu hohe Bewertung des Frankens gegenüber dem Euro abzuwenden, was sich in einem sinkenden Eurokurs zeigen würde. Doch dazu hat sie seit längerem keinen Anlass mehr. Seit Mitte November kostet der Euro meist mehr als 1.08 Franken. Von einem Europreis von knapp über 1.05 Franken wie im vergangenen Frühling ist das Währungsverhältnis weit entfernt.

Eine deutliche Aufwertung hat der Franken hingegen zum Dollar erfahren, der aktuell noch knapp über 88 Rappen kostet.

Doch diese Entwicklung geht nicht vom Franken aus, sondern spiegelt nur jene der US-Währung, da sich der Dollar gegenüber allen wesentlichen Weltwährungen deutlich verbilligt hat. Daten der SNB zeigen, dass sich der Aussenwert des Frankens insgesamt – gegenüber allen für die Schweiz wichtigen Währungen gewichtet – jüngst kaum mehr verändert, ja sogar leicht abgenommen hat.

Keine Entwarnung für die Zukunft

Die aktuelle Abstinenz der SNB von Devisenkäufen dürfte dann wieder enden, wenn dem Franken eine erneute Aufwertung droht. Dass dies gegenwärtig nicht geschieht, liegt an der Grundstimmung auf den Kapital-, Aktien- und Devisenmärkten, die trotz der anhaltenden Gesundheitskrise von Optimismus geprägt ist. Solange Investoren wieder allen Arten von Risiken nachgehen, gibt es keinen Grund für eine Flucht in einen sicheren Hafen, wie ihn der Franken darstellt. Werden die positiven Erwartungen aber nicht erfüllt und bleibt uns die Corona-Krise länger und schlimmer erhalten, als das jetzt an den Märkten angenommen wird, dann droht auch wieder eine Frankenaufwertung. Die SNB wird sich dann wieder dagegenstemmen – egal, was die Amerikaner dazu sagen.

59 Kommentare
    Raphael Kolbin

    Bescheidene Nachfrage: Wer hat sich da jetzt wohl die Zähne ausgebissen ?