Zum Hauptinhalt springen

Folgen der Sunrise-ÜbernahmeWas der UPC-Deal für die Konsumenten bedeutet

Die Wettbewerbskommission hat die Übernahme von Sunrise durch UPC-Eignerin Global Liberty genehmigt. Der Deal dürfte direkte Folgen für die Kunden von Konkurrent Salt haben.

Blick in einen Apple Store, wo das neue iPhone 12 angepriesen wird. Es nutzt den schnellen Mobilfunk-Standard 5G. Gerade beim Ausbau der Netze wollen UPC und Sunrise nach der Fusion vorwärtsmachen.
Blick in einen Apple Store, wo das neue iPhone 12 angepriesen wird. Es nutzt den schnellen Mobilfunk-Standard 5G. Gerade beim Ausbau der Netze wollen UPC und Sunrise nach der Fusion vorwärtsmachen.
Foto: James D. Morgan (Getty Images)

Die Neuordnung der Schweizer Telecomlandschaft steht: Die UPC-Mutter Liberty Global darf für insgesamt 6,8 Milliarden Franken den Mobilfunker Sunrise übernehmen. Das hat die Wettbewerbskommision Weko entschieden. Der Entscheid ohne Auflagen war erwartet worden, über 96 Prozent der Sunrise-Aktionäre haben die Barofferte bereits angenommen.

Damit geht ein jahrelanges Hickhack dem Ende entgegen: 2019 wollte zunächst Sunrise UPC übernehmen, scheiterte aber am Widerstand des Sunrise-Grossaktionärs Freenet (zum Bericht zur Sunrise-Übernahme). Der Milliardendeal mischt die Karten im Schweizer Telecommarkt neu.

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was bringt die Übernahme den Kunden von UPC und Sunrise?

Sie erhalten ein vollständiges Angebot mit Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet und digitalem Fernsehen aus einer Hand. Denn beide Unternehmen würden ihre Netze und Dienstleistungen einbringen: Sunrise das Mobilfunknetz mit dem schnellen 5G-Standard. Und UPC das Kabelnetz mit Zugang zu 2,9 Millionen Haushalten und einer flächendeckenden Übertragungsgeschwindigkeit von 1 Gigabit pro Sekunde.

Für Sportfans hat der Deal weniger Relevanz. Denn seit kurzem stellen UPC und Swisscom ihre Sportinhalte auch für die TV-Boxen des anderen Telecomanbieters zur Verfügung. Sprich, Sportfans müssen nicht mehr mehrere Telecom-Abos abschliessen, um sowohl Live-Fussball als auch Eishockey zu schauen. Die Einigung wurde im Sommer erzielt und trat kürzlich in Kraft: So darf die Swisscom-Tochter Teleclub die Eishockeyspiele der Schweizer Meisterschaft zeigen. Umgekehrt können UPC, Quickline und andere Suissedigital-Mitglieder nun auf das Fussballangebot der Swisscom-Tochter Teleclub zugreifen.

Das hinderte die Weko aber nicht daran, UPC wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung bei der Übertragung von Eishockey im Oktober noch zu einer Busse von 30 Millionen Franken zu verdonnern.

Laufen bestehende Abonnemente bei UPC und Sunrise weiter oder wird es neue Preismodelle geben?

Der finale Abschluss der Übernahme soll laut Sunrise Mitte November erfolgen. Bis dahin werden beide Unternehmen weiter unabhängig voneinander operieren und die jeweiligen Angebote für Privatkunden weiterentwickeln. Eine Sunrise-Sprecherin sagte dazu: «Für die Sunrise-Kunden wird es in dieser Zeit keine Veränderungen geben.» Was danach geschieht, ist noch offen. Das fusionierte Unternehmen werde über die «nötige Grösse verfügen, um Innovationen voranzutreiben», hiess es. UPC teilte mit: «Auch nach Abschluss der Transaktion können unsere Kunden unsere Dienste weiterhin nutzen.»

Noch Ende 2019 erklärte Sunrise die Übernahme von UPC für gescheitert. Warum will die UPC-Muttergesellschaft jetzt plötzlich Sunrise kaufen?

An der Ausgangslage hat sich auch nach dem geplatzten Kauf von UPC durch Sunrise nichts geändert: Der Schweizer Telecommarkt ist hart umkämpft und gesättigt. Branchenkenner sind deshalb weiterhin von einer Bereinigung ausgegangen.

Die Telekommunikation ist getrieben durch hohe Investitionen in die Infrastruktur. Kleine Anbieter können das kaum mehr ohne finanzkräftige Geldgeber oder einen starken Partner stemmen. Offensichtlich ist die UPC-Muttergesellschaft zum Schluss gekommen, dass sich der grösste Kabelnetzbetreiber des Landes besser mit Sunrise gemeinsam gegen Marktführer Swisscom behaupten kann als im Alleingang.

Müssen die Mitarbeiter von UPC und Sunrise mit einem Stellenabbau rechnen?

Liberty-Global-Chef Mike Fries sagte bei der Vorstellung des Deals im August, dass ein Stellenabbau bei einer Übernahme nie ausgeschlossen werden könne. Wie viele Arbeitsplätze in Gefahr sind, wollte Fries nicht bekannt geben: So weit seien die Managements beider Unternehmen in der Planung noch nicht. Fries rechnet mit jährlichen Synergien von 275 Millionen Franken in vier bis fünf Jahren nach Zustandekommen des Geschäfts.

Was bedeutet der Deal für die Kunden von Konkurrent Swisscom?

Sinkende Preise sind eher nicht zu erwarten, da der Marktführer der Herausgeforderte ist und nicht der Herausforderer. Die Swisscom befindet sich also nicht unter Zugzwang. Der Wettbewerb dürfte anderswo stattfinden: Eher können die Swisscom-Kunden mit einer steigenden Qualität der Netze, attraktiveren Promotionen und besseren Angeboten rechnen. «Dieser Trend hat sich mit Homeoffice in den letzten Monaten sogar akzentuiert», meinen die Branchenkenner der Zürcher Kantonalbank (zum Kommentar zur Sunrise-Übernahme).

Und was ist mit den Kunden von Salt?

Salt wird im neuen Umfeld zwei starken Wettbewerbern gegenüberstehen. Mit Nadelstichen bei der Preispolitik dürfte der kleinste Vollanbieter des Landes weniger ausrichten als bisher. Für die Salt-Kunden kommt es aber noch dicker: Als Folge der geplanten neuen Übernahme wird die im Frühjahr beschlossene Kooperation von Sunrise und Salt für den Glasfaserausbau auf Eis gelegt.

Sunrise und Salt hatten im Mai das Gemeinschaftsunternehmen Swiss Open Fiber gegründet, um in den nächsten fünf bis sieben Jahren 1,5 Millionen neue Glasfaserleitungen in die Haushalte zu legen. Salt wehrte sich vor Gericht gegen die Übernahme von Sunrise, da Sunrise mit der Fusion mit UPC die Exklusivvereinbarung mit Salt zum Ausbau des Glasfasernetzes gebrochen habe. Im September wies das Handelsgericht die Klage aber ab.

Überall in Europa zieht sich die UPC-Mutter Liberty Global mit ihren Telecom-Tochtergesellschaften zurück, aber ausgerechnet in der Schweiz nicht. Warum?

Weil es sich vermutlich um einen Rückzug über Umwege handelt. Mit einer Fusion von UPC und Sunrise schafft Liberty Global ein attraktives neues Unternehmen, das später an die Börse gebracht werden kann. Dort könnte der neue Telecomanbieter zum Verkauf angeboten werden. Liberty-Global-Chef Fries hält einen Börsengang für denkbar, wie er am Mittwoch betonte.

Das Q&A erschien erstmals im August bei Bekanntwerden der Übernahmepläne. Dies ist eine aktualisierte Version.

40 Kommentare
    peter wettstein

    Lyberti global, die länder übergreifend steuer-optimierungsfirma. Passt ins momentane zeitbild.